Kreisparteitag: SPD hat andere Sorgen / Auszeichnung und stehende Ovationen für Gerhard Poppendiecker

Europawahl wirft noch keine Schatten

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Gerhard Poppendiecker nimmt den stehenden Applaus der Sozialdemokraten um SPD-Kreischef Niclas Dürbrook (l.) und den SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner sichtlich ergriffen entgegen.

BAD SCHWARTAU - Von Andreas Höppner Die Europawahl im Mai 2019 sollte auf dem außerordentlichen Kreisparteitag der SPD in Bad Schwartau eigentlich schon ihre Schatten vorauswerfen. Doch diese waren klein, ziemlich klein. Aktuell haben viel größeres Gewicht für die Sozialdemokraten im Kreis Ostholstein der innere Zustand der Partei auf nationaler und die jüngste Entwicklung hinsichtlich der Krankenhausversorgung auf Kreisebene. Dies wurde in den Reden des Kreisvorsitzenden Niclas Dürbrook und des Landesvorsitzenden Ralf Stegner mehr als deutlich.

Große Sorge bereitet Dürbrook die in der vergangenen Woche bekannt gewordene Übernahme der Sana Kliniken Ostholstein durch Ameos. Der SPD-Kreisvorsitzende befürchtet, mit dem zum 1. Januar 2019 in Kraft tretenden Wechsel der Klinikbetreiber „vom Regen in die Traufe zu kommen“.

Und auch für Ralf Stegner spielte Europa in Bad Schwartau nur eine sekundäre Rolle. Nachdem Ostholsteins Genossen ihre Mittagspause am Tagungsort in der Mensa des Gymnasiums am Mühlenberg unfreiwillig verlängern mussten, weil Ralf Stegner erst verspätet eintraf und auch die Vorstellung der Kandidaten für die Europawahl nicht vorgezogen werden konnte, weil diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollzählig waren, legte der SPD-Landeschef gleich los und referierte über die „existenzielle Krise“ der Sozialdemokratie. Das gelte zwar auch europaweit, doch das Schwächeln der SPD im Bund sieht er auch in dem Zustand der Großen Koalition in Berlin begründet. Da dürfte er allen Sozialdemokraten aus der Seele gesprochen haben, die in der GroKo den Beschleuniger für den Niedergang der SPD sehen. Und von diesen gibt es in Ostholstein und gerade im Kreisnorden ziemlich viele, wie in den Pausengesprächen in der Mensa immer wieder zu hören war.

Und einer, der mit der GroKo auch nicht viel am Hut hat, ist das 80-jährige SPD-Urgestein Gerhard Poppendiecker aus Heiligenhafen. Ihm wurde in Bad Schwartau die große Ehre zuteil, für sein jahrzehntelanges Engagement für die Sozialdemokratie und Verfechter für „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ zu sein, mit der Schleswig-Holstein-Medaille des SPD-Landesverbandes ausgezeichnet zu werden. Fast 18 Jahre Landtagsabgeordneter, zwölf Jahre im Kreistag, über 50 Jahre kommunalpolitisches Engagement – ein großer Einsatz für die Sozialdemokratie. „Poppi ist ein guter Sozi, bis heute ansprechbar für die Bürger“, sagte Ralf Stegner. Die Stärke der SPD im Norden Ostholsteins liege auch an ihm, weiß der SPD-Landes-chef um die Bedeutung der Person Gerhard Poppendiecker für die SPD Ostholstein.

Dieser nahm dann ergriffen mit großer innerlicher Freude und unter den stehenden Ovationen der gut 100 anwesenden Sozialdemokraten die Medaille und die Glückwünsche entgegen.

„Gerechtigkeit nicht nur auf die Plakate schreiben“

Doch bevor der 80-Jährige wieder seinen Platz in der hintersten Reihe einnahm, nutzte er am Rednerpult die Gelegenheit, seiner Partei und den Genossen ins Gewissen zu reden und sie aufzufordern, „wieder zum alten Biss der SPD“ zurückzufinden. „Kümmert Euch um die Menschen, die es nötig haben, dann werden wir auch wieder Werte von 35 bis 40 Prozent erhalten.“ Die SPD habe über 100 Jahre gekämpft, so Poppendiecker, der forderte, das Thema Gerechtigkeit wieder ganz oben auf die Agenda zu setzen, denn „es reicht nicht aus, Gerechtigkeit nur auf die Plakate zu schreiben.“

Und schließlich ging es in der letzten Stunde des Parteitags dann doch noch um Europa. Die bei den ostholsteinischen Delegierten weitgehend unbekannten Kandidaten um den Listenplatz eins in Schleswig-Holstein – Delara Burkhardt, Enrico Kreft, Dr. Karin Thissen, Marc Timmer, Niklas Willma – stellten sich in kleinen Tischrunden vor. Am kommenden Wochenende soll auf einem außerordentlichen Landesparteitag der Spitzenkandidat für die Europawahl gekürt werden. Die bisherige Europaabgeordnete und Fischereiexpertin Ulrike Rodust tritt nach zehn Jahren nicht wieder an.

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