Eine Sau liegt in der Box und säugt ihre Ferkel
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Eine Sau in der Box mit ihren Ferkeln. Im sogenannten Ferkelnest werden die jungen Tiere mit wärmendem Infrarotlicht versorgt.

Falk Voß-Hagen will Schweinemast und Zucht ausweiten / Immissionen werden gesenkt

Mehr Sauen und mehr Ferkel

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Falk Voß-Hagen will die Schweinemast und Zucht im Inselwesten ausweiten. Entsprechende Anträge liegen dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) vor.

  • Falk Voß-Hagen hält beide Projekte für sinnvoll.
  • 1,19 Euro aktuell pro Kilogramm Schweinefleisch.
  • Ferkel sollen bei einem Gewicht von 30 bis 35 Kilogramm abgegeben werden.

Fehmarn – Agrarbetriebswirt Falk Voß-Hagen aus Kopendorf will seinen landwirtschaftlichen Betrieb erweitern und umstrukturieren. Am Standort in Schlagsdorf sollen zusätzliche Plätze für die Schweinemast entstehen, in Kopendorf die Sauen- und Ferkelaufzucht konzentriert werden. Die entsprechenden Anträge sind beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) gestellt worden, das Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung läuft.

Protest gegen Massentierhaltung 

Protest hat sich aber bereits formiert. Wie schon vor sechs Jahren, als die IG Lebenswertes Fehmarn gegen die Erweiterung der Anlage in Schlagsdorf protestierte, sind die Gegner der Massentierhaltung erneut aktiv geworden. Zuletzt organisierten sie in Kooperation mit dem überregionalen Bündnis Tierfabriken-Widerstand eine Online-Veranstaltung. Ihr Bestreben ist es, die geplante Erweiterung zu verhindern.

Falk Voß-Hagen aus Kopendorf.

Falk Voß-Hagen hält beide Teilprojekte aus betriebswirtschaftlicher Sicht für sinnvoll. Als Erzeuger bekomme er aktuell 1,19 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch, da sei Masse erforderlich, wobei er auch betont, als großer Züchter und Schweinefleischproduzent am Markt ganz anders auftreten zu können.

Und: Er will noch etwas größer werden. In Kopendorf gehe es in erster Linie darum, zwei bestehende Anlagen zu einer zusammenzufassen. Die bauliche Erweiterung sei überschaubar. Im Wesentlichen sollen zwei Gebäude der Sauenanlage verlängert werden.

Durch eine effektive Stallflächenplanung werden in Kopendorf insgesamt maximal 8026 Ferkel, 940 Jungsauen, 1817 Sauen und drei Eber gehalten werden können. Bislang waren es lediglich 4691 Ferkel, 100 Jungsauen, 997 Sauen, 500 Mastschweine und vier Eber. Durch eine bessere Spermaqualität habe sich die Anzahl der Ferkel, die eine Sau zur Welt bringt, spürbar erhöht, berichtet Falk Voß-Hagen. Auch darauf habe er reagieren müssen.

Was sich trotz der Erweiterung der Anlage in Kopendorf nicht erhöht, sind die Geruchsimissionen. Sie reduzieren sich vielmehr. „Da im Zuge der Maßnahmen in Kopendorf Stallgebäude nachgerüstet werden, die bisher ohne Abluftreinigungsanlagen betrieben wurden und in die bereits vorhandenen Abluftreinigungsanlagen für bessere Ammoniakabscheidung auf den neusten technischen Stand gebracht werden, wirken sich die vorhaben trotz Aufstockung des Tierbestandes in der Summe günstig auf die Geruchs-, Ammoniak- und Staubemissionen aus“, heißt es in den Antragsunterlagen.

Die Anlage in Schlagsdorf soll baulich nicht erweitert, durch Umstrukturierung aber ermöglicht werden, 9220 Mastschweine halten zu können, bislang sind es 6708, ein Plus von maximal 2512 Plätzen. Die Zahl der Jungsauenplätze bleibt mit 3840 unverändert.

Um immer ausreichend Platz zu haben für die Ferkel, plant Falk Voß-Hagen die Abgabe von einem Teil der Tiere bereits ab einem Gewicht von 30 bis 35 Kilogramm. Die idealen Abnehmer wären aus seiner Sicht aufgrund der kurzen Wege die etwa zehn Schweinemastbetriebe auf Fehmarn.

Wasserverbrauch steigt

Tritt bei den Geruchs-, Ammoniak- und Staubimmissionen aufgrund baulicher Maßnahmen insgesamt eine Verbesserung zum Status quo ein, üben die Gegner des Projekts deutliche Kritik an einem steigenden Wasserverbrauch. Aus den Antragsunterlagen geht hervor, dass für das Tränken der Tiere in Schlagsdorf rund 14900 m³ (+4700 m³) Frischwasser im Jahr benötigt werden, in Kopendorf 6800 m³ (+2600 m³). Zusätzlich muss Wasser bereitgestellt werden für die Reinigung der Ställe und Verladerampen, den Sozialbereich und die Luftwäscher. Das macht noch einmal weitere 11000 m³ Wasser erforderlich, sodass beide Anlagen zusammengefasst zukünftig rund 32700 m³ Frischwasser pro Jahr benötigen.

Durch den Klimawandel dürfte sich das Problem noch verschärfen.

Andre Brockstedt

Schon jetzt würde es auf Fehmarn im Sommer zu Engpässen bei der Wasserversorgung kommen, gibt Andre Brockstedt von der IG  Lebenswertes Fehmarn zu bedenken. „Durch den Klimawandel dürfte sich das Problem noch verschärfen.“ Bedenken äußert Brockstedt auch hinsichtlich zusätzlich anfallender Gülle und der zunehmenden Nitratbelastung des Grundwassers. Falk Voß-Hagen hofft indes, dass die Genehmigung seiner Anträge in der ersten Jahreshälfte 2021 erfolgt.

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