Familienatlas 2007: SPD-Kreistagsfraktion mit scharfer Kritik an CDU-Mehrheitsfraktion

"Familienfeindliche Politik"

Insgesamt wurde Ostholstein im Familienatlas 2007 als „stabile Region“ eingestuft. Das heißt, das Bundesfamilienministerium rät, „sich stärker um ein familienfreundliches Profil zu bemühen“.

OSTHOLSTEIN (pl) • Nun reagiert auch die SPD-Kreistagsfraktion auf den Familienatlas 2007 des Bundesfamilienministeriums. Der hatte die Attraktivität Ostholsteins für Familien lediglich mit „durchschnittlich“ bewertet. Den Grund dafür sehen die Sozialdemokraten in einer vierjährigen Misswirtschaft der CDU-Mehrheitsfraktion.

„Durch die kinder-, jugend- und familienfeindliche Politik der CDU-Mehrheitsfraktion, eingeläutet im Jahre 2003, ist der Kreis nur noch Mittelmaß“, schießt die SPD scharf in Richtung Christdemokraten, und zählt eine Reihe von „familien- und sozialpolitischen Einschnitten“ auf: So seien alle Ansätze der Frauenprojekte auf Null gesetzt worden, die Kinderkommission sei aufgelöst worden, ebenso der Beirat für frauenpolitisch Tätige, jugendpolitische Projekte seien gestrichen worden, die Elternbeteiligung an den Schulbuskosten wurde eingeführt, die Kindergartenbeiträge für die Eltern seien gestiegen. Weiter seien die CDU und Landrat Reinhard Sager (CDU) nicht bereit gewesen, Mittel aus dem Ganztagsschulprogramm der Bundesregierung für die IGS Pansdorf zu beantragen, wie es die SPD-Kreistagsfraktion gefordert habe.

Unerwähnt lässt Fraktionsvorsitzender Burkhard Klinke freilich, dass diese Entwicklungen zumindest teilweise auf Beschlüsse der rot-schwarzen Landesregierung zurückzuführen sind.

„Wir müssen gemeinsam familienpolitische Strategien entwickeln, damit Ostholstein wieder familienfreundlicher wird. Dabei muss der Kreis politisch ganzheitlich betrachtet werden und nicht durch politische Schlüssellöcher wie Tourismus, Arbeitsplätze oder Bauland“, so Klinke weiter, der dann auch gleich eine Reihe von Maßnahmen nennt.

So müssten die Schulbuskosten für die Eltern wieder gestrichen, gebührenfreie Hort- und Kindergartenplätze geschaffen werden, der Besuch von Offenen Ganztagsschulen müsse kostenfrei werden, „bezahlbare Grundstücke“ sollten ausgewiesen werden, mehr Gemeinschaftsschulen und Offene Ganztagsschulen sollen errichtet werden. Weiter fordert die SPD-Kreistagsfraktion „eine warme Mahlzeit pro Kind pro Tag“ sowie die Schaffung von Anreizen für Unternehmen insbesondere auf dem Sektor der erneuerbaren Energien.

Ostholstein sei jetzt schon eine „Senioren-Hochburg“, so Klinke. Deshalb solle der Kreis eine „Modell-Region“ werden, die mit zusätzlichen Finanzmitteln ausgestattet wird, „damit junge Familien mit Kindern, junge Paare und junge Menschen in unsere Region ziehen und nicht abwandern“, so der Fraktionschef. Sein hehrer Anspruch: Ostholstein in den nächsten Jahren „im Familienatlas als Top-Region im oberen Drittel“ zu etablieren.

Der Familienatlas bewertet alle Kreise Deutschlands unter sechs Gesichtspunkten: In den so genannten Handlungsfeldern „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, „Bildung und Ausbildung“ sowie bei den wirtschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen gab es für Ostholstein die Note „durchschnittlich“. Die „Wohnsituation“ und das Wohnumfeld“ wurden gar mit „stark unterdurchschnittlich“ bewertet. Positiv, nämlich „überdurchschnittlich“, sieht das Bundesfamilienministerium nur die Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche in Ostholstein. Alles in allem kommt der Kreis so auf eine „durchschnittliche Attraktivität für Familien“. Das Ministerium stuft Ostholstein als „stabile Region“ ein. „Diese sollten sich stärker um ein familienfreundliches Profil bemühen, um Familien anzuziehen und einer möglichen Abwanderung vorzubeugen“, heißt es in der Studie.

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