Wie Heydrich und Himmler am Südstrand feierten

Am 22. Juni 1935 fuhr SS-Reichsführer Heinrich Himmler am Burger Rathaus vor und trug sich ins Goldene Buch ein.

Das dunkelste Fehmarn-Kapitel in der Zeit des Dritten Reiches

Das Richtfest für das Sommerhaus des Ehepaares Heydrich fand 1935 in Verbindung mit der Sonnenwendfeier statt. Es wurde gesungen, geklatscht, gelacht am Südstrand in Burgtiefe. Mit am lodernden Feuer saß der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler. Die fehmarnschen Mädchen tanzten fröhlich mit den Männern aus dem „schwarzen Korps“ Himmlers. Es war die Liebe, die Reinhard Heydrich, dem späteren Leiter des Reichssicherheits-Hauptamtes, nach Fehmarn geführt hatte. Er lernte auf einem Ball in Kiel die damals 19-jährige gebürtige Fehmaranerin Lina von Osten kennen. Eigentlich hatte er bereits einer anderen ein Eheversprechen gegeben. Diese Beziehung soll er beendet haben, in dem er ihr die aus einem Lokalblatt ausgeschnittene Verlobungsanzeige mit Lina von Osten zuschickte. Ob diese Geschichte stimmt, ist nicht bewiesen, auch konnten wir in den damaligen Ausgaben unserer Zeitung eine Verlobungsanzeige Heydrichs nicht finden. Doch für sein Verhalten wurde Heydrich unehrenhaft aus der Marine entlassen. Heydrich trat der NSDAP bei. Schnell wurde er Himmler vorgestellt, der ihn zum Chef des neu eingerichteten Sicherheitsdienstes (SD) machte. Am 26. Dezember 1931 heiratete Reinhard Heydrich nach Recherchen des „Stern“ in der Großenbroder Dorfkirche seine Lina. Über dem Altar hing ein Hakenkreuz aus Tannenzweigen. Beim Auszug des Brautpaares erklang das „Horst-Wessel-Lied“, die Kampfhymne der Hitler-Partei. Himmler beförderte den Bräutigam zur Feier des Tages zum Sturmbannführer. Die Heydrichs bekamen vier Kinder. Adolf Hitler übernahm am 30. Januar 1933 die Macht. In Burg auf Fehmarn weigerte sich der Bürgermeister Claus Lafrenz, ein früherer U-Boot-Korvetten-Kapitän, die Hakenkreuzfahne vor dem Rathaus aufzuziehen. Er sah darin eine Parteifahne und keine Nationalflagge. Lafrenz wurde abgewählt, weil es in der Stadtvertretung NS-Überläufer gab. Er soll seitdem persönlichen Repressalien ausgesetzt gewesen sein. 1937 beging er im Ostersoll, den sein Vater 1898 angelegt hatte, Selbstmord. Am 21. September 1934 wandte sich SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich schriftlich an den neuen Burger Bürgermeister Jakob Martens, „um die Sache perfekt zu machen“ mit dem Sommerhaus am Südstrand. Heydrich sehe wohl ein, dass die Stadt Burg den Platz für das Grundstück festlege. Die Größe von 25 mal 25 Meter erschien ihm aber zu klein, „und ich glaube, dass 50 x 50 Meter das richtige Format wäre“. Lina Heydrich bezahlte das Grundstück bei der Stadt Burg. Das Sommerhaus erhielt eine Reetbedachung. Das Richtfest wurde Sonnabend, den 22. Juni 1935, gefeiert. Der Besuch des SS-Reichsführers Heinrich Himmler war ein großes Ereignis auf Fehmarn. Himmler fuhr, begleitet von der 4. SS-Reiterstandarte, zum Niobe-Denkmal am Gammendorfer Strand. Die Pferde wurden laut FT-Bericht vom 20. Juni 1935 von der fehmarnschen Bauernschaft zur Verfügung gestellt. Auf dem Mellenthinplatz wandte sich Himmler in einer Ansprache an die Fehmaraner. Es kam zu einem Vorbeimarsch am Burger Rathaus. Himmler fuhr mit seinem Wagen direkt vor dem Rathaus vor, parkte auf dem Bürgersteig und trug sich in das Goldene Buch der Stadt Burg ein.

Berichte über Himmler-Besuch entfernt

Die Nachberichte über dieses Ereignis sind aus den Archiven der Stadt entfernt worden. Im Archiv des Fehmarnschen Tageblattes fehlen sogar alle Ausgaben der Jahre 1934, 1935 und 1936. Es bleiben aber die Vorberichte im FT. Am 20. Juni 1935 kündigte die Zeitung an: „Gegen 5 Uhr findet ein Vorbeimarsch beim Burger Rathaus statt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass vorher der SS-Reichsführer auf dem Mellenthinplatz eine Ansprache halten wird. Um 9 werden die auf dem Land einquartierten Reiter usw. durch Lastautos nach Burgtiefe befördert, wo der Reichsführer mit der SS-Standarte eine Sonnenwendfeier eröffnen wird, bei der auch Kinder unserer Mittelschule mitwirken werden. Die Feier beginnt abends um 10 Uhr. Am anderen Morgen werden die Reiter wieder über den Sund zurückkehren.“

Fehmarn freut sich auf seine „lieben Gäste“

Das FT bezeichnete Himmler und seinen Stab als „liebe Gäste“. Wörtlich hieß es am 22. Juni: „Der heutige Tag bringt einen Aufmarsch der SS-Reiterstandarte IV und gleichzeitig damit auch den Besuch eines in ganz Deutschland berühmten Mannes aus der näheren Umgebung unseres Volkskanzlers Adolf Hitler, nämlich den SS-Reichsführer Himmler, der mit seiner Gemahlin und seinem Stabe in Schwenns Pension in Burgstaaken Wohnung nehmen wird und bis Montag hier verweilen wird. Allenthalben in der Stadt sieht man Flaggenschmuck. Mögen unsere lieben Gäste sich hier recht wohl fühlen.“ Reinhard Heydrich gilt als der kühle Manager des Massenmords im Dritten Reich. Heydrich erhielt über Hermann Göring den Auftrag, die „Endlösung“ der Judenfrage auszuführen. Er leitete die Wannseekonferenz am 20. Januar 1942, in der die Systematisierung und Methodik der millionenfachen Judenermordung festgelegt wurde. Als Stellvertretender Reichs-protektor von Böhmen und Mähren fiel Reinhard Heydrich noch im gleichen Jahr einem Attentat zum Opfer. Die SS reagierte mit dem Massaker von Lidice. Heydrich war zuvor mit seiner Familie auf ein Landgut in der Nähe von Prag gezogen. Der „Entnazifizierungs-Berufungsausschuss Kiel“ stufte Lina Heydrich 1951 rechtskräftig als Entlastete ein und widersprach damit Vorwürfen der tschechischen Militärkommission, sie habe Hinrichtungen angeordnet sowie auf der Flucht Gold, Juwelen und Kunstgegenstände gestohlen. 1956 sprach ihr das Landessozialgericht eine hohe Witwen-Rente zu. Lina Heydrich eröffnete in dem Haus am Südstrand nach dem 2. Weltkrieg eine Gaststätte unter dem Namen „Imbria parva“. Gerüchte, dass sich in dem Haus weiterhin ehemalige Nazis getroffen haben, sind nicht bestätigt. 1965 erweiterte sie das Haus zum Hotel. Im gleichen Jahr heiratete sie den finnischen Künstler Mauno Manninen, der 1969 starb. Im Februar 1969 brannte das Haus ab. Lina Heydrich starb in den achtziger Jahren. Im Goldenen Buch der Stadt Burg fehlen die Jahre 1931 bis 1951. Es war die Rede von einem umgekippten Tintenfass. Der Überlieferung nach riss der englische Major Quails die Seiten im Anblick der Namen Heydrich und Himmler heraus. Tatsächlich wurden die Seiten fein säuberlich herausgetrennt.

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