Als die Preußen Fehmarn erstürmten

Die Preußen haben Fehmarn erstürmt. Schon am nächsten Tage wendet sich im "Fehmarnschen Wochenblatt" Generalmajor Schlegell an die Fehmaraner.

1864 wurde die Insel "vom harten Drucke der Dänen" befreit

Es war ganz ohne Zweifel ein historischer Tag für Fehmarn und das erste große Ereignis für das Fehmarnsche Wochenblatt. Im Jahre 1864 erstürmten die Preußen die Insel, um sie von den dänischen Besatzern zu befreien. Vor dem Hotel Wisser kam es zur Schießerei. 160 Preußen unter Hauptmann Xaver von Mellenthin setzten am 15. März 1864 in neun Fischerbooten nach Fehmarn über. Es war sehr früh am Morgen, sodass die dänischen Besatzer noch schliefen. Die Preußen übernahmen die Macht. Die Kämpfe kosteten zwei Menschen das Leben, es gab fünf Verwundete. Gerade mal acht Jahre zuvor hatte das „Fehmarnsche Wochenblatt“ vom dänischen König die Konzession erhalten. Doch was bedeutete das noch, als die Preußen kamen? Das „Wochenblatt“ musste von einem Tag auf den anderen umschwenken. Die Zeitung war noch nicht unabhängig nach heutigem Selbstverständnis. Es war noch eine Wochenschrift „für Intelligenz und Unterhaltung“. Mit Intelligenz waren damals Anzeigen gemeint. Eine Berichterstattung aus journalistischer Sicht über die Vorfälle gab es nicht. Schon am 16. März 1864 wandte sich der königlich preußische Generalmajor Schlegell in einer großen Anzeige auf der Seite 1 an die Bewohner der Insel Fehmarn. „Preußische Truppen sind auf der Insel gelandet, um Euch vom harten Drucke der Dänen zu entziehen“, schrieb er. Generalmajor Schlegell setzte voraus, dass die Fehmaraner mit der Machtübernahme einverstanden waren: „Ich rechne auf Anerkennung, die Ihr dadurch an den Tag zu legen habt, dass Ihr von jeder feindlichen Unternehmung augenblicklich dem commandirenden Officier Mitteilung zugehen lasst, dass sich jeder der Küste nahe gelegene Ort durch Aufstellung von Wachen und durch Patrouillen zu den nächsten Ortschaften, besonders bei Dunkelheit und bei Tagesanbruch sichert.“ Die Fehmaraner wurden mit höflichen Worten aufgefordert, sich der preußischen Herrschaft zu unterwerfen.

Es hieß: „Wenn, wie es keinem Zweifel unterliegt, Ihr mit den preußischen Soldaten, die zu Eurem Schutze gelandet sind, in voller Übereinstimmung handelt, werdet Ihr sicher sein, Ihr könnt aber auch im Fall der Bedrängnis auf Unterstützung von mir rechnen, so lange ich den Befehl habe, in Eurer Nähe zu bleiben.“ Diejenigen unter den Fehmaranern, die vielleicht lieber weiter unter dänischer Herrschaft gelebt hätten, die als liberaler galt, haben damals sicherlich den Mund gehalten. Überhaupt ist wenig darüber bekannt, wie die Inselbevölkerung die Machtübernahme aufgenommen hat. In gleicher Ausgabe am 16. März 1864 gab es als einzige Meinungsäußerung einen Leserbrief eines Bürgers mit den Initialen F. M. Er schrieb: „Preußen, o Ihr Preußen, Ihr braven Leut‘, was habt Ihr uns gemacht für eine große Freud’, Handel und Wandel kann wieder regieren, ein jeder kann wieder nach Holstein marschieren.“ Das "Fehmarnsche Wochenblatt" versah die Ausgabe direkt unter dem Titel mit einem Hinweis: "Umstände halber erscheint die heutige Nummer dieses Blattes nur in halber Größe."

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