Arktis-Expedition Fehmaranerin Oden
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Zuhause für zwei Monate: Janina Rahlff und 37 weitere Forscherinnen und Forscher waren in der Arktis.

Nur begrenzter Kontakt zur Außenwelt

Fehmaranerin zwei Monate in der Arktis unterwegs

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Eine Reise, die nicht viele Menschen mit einem Häkchen versehen können. Die Fehmaranerin Janina Rahlff reiste zu Forschungszwecken zwei Monate in die Arktis und berichtet über ihre Erlebnisse.

  • Fehmaranerin forscht zwei Monate in der Arktis.
  • Zuhause auf dem Eisbrecher „Oden“ mit rund 70 Personen.
  • Eisbärenwächter sorgen für Sicherheit auf dem Eis.

Fehmarn – Die Arktis. Wo die Sonne im Sommer nicht untergehen will, dahin verschlug es zuletzt von Ende Juli bis Ende September die 35-jährige Meeresbiologin Dr. Janina Rahlff. Die gebürtige Fehmaranerin arbeitet im Rahmen eines Forschungsstipendiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der schwedischen Linné-Universität in Kalmar. Für zwei Monate nahm sie an einer Arktisexpedition zum Nordpol, der Zentralarktis und nach Nord-Grönland teil. Eher zufällig ergab sich die Gelegenheit – und Rahlff, die keine Polarforscherin ist, überlegte nicht zweimal.

Janina Rahlff auf dem Eis.

Ihr Thema sind Viren an der direkten Wasseroberfläche – und wie diese Bakterien infizieren. „Der oberste Millimeter der Wassersäule begleitet mich schon länger“, schmunzelt die Forscherin, die bereits auf dem Thema promoviert hat. An der Grenzfläche zwischen Ozean und Atmosphäre seien Beziehungen zwischen Viren und Bakterien bisher wenig erforscht, insbesondere in polaren Gewässern, sagt sie.

„Oden“ gehört zu den fähigsten Eisbrechern der Welt

Nach zehn Tagen Quarantäne in Malmö bricht Rahlff, die in Landkirchen aufgewachsen ist und das Inselgymnasium besuchte, mit 37 anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Helsingborg in Richtung Arktis auf, um Effekte des Klimawandels auf das Ökosystem Arktis besser zu verstehen. Das Team ist international: Forscher aus Schweden, England, USA, Kanada, Niederlande, Dänemark, und auch um die zehn Deutsche, unter anderem vom Alfred-Wegener-Institut und dem GEOMAR in Kiel. Rund 70 Personen, darunter die Crew, ein Arzt, ein Krankenpfleger, zwei Meteorologen, eine Lehrerin, mehrere Techniker und ein Helikopterpilot, sind an Bord des Eisbrechers „Oden“.

Viel freies Wasser deutet auf Auswirkungen der Klimaerwärmung hin

Das schwedische Forschungsschiff ist etwas über 100 Meter lang und 25 Meter breit und neben der deutschen „Polarstern“ eines der fähigsten Eisbrecher der Welt. Die „Oden“ walzt im wahrsten Sinne des Wortes durch das Eis, das nicht selten meterdick ist, was an Bord natürlich durch Vibrationen und Erschütterungen zu spüren sei, berichtet Rahlff, die wie ihre Kolleginnen und Kollegen ab Grönland mehr dickes Eis erwartet hätte. Stattdessen deutet viel freies Wasser auf Auswirkungen der Klimaerwärmung hin.

Nur wenig Kontakt zur Außenwelt

Eine Vier-Personen-Kabine, wenig Privatsphäre und abgeschnitten vom Internet werden zum Alltag. Kontakt zur Außenwelt hat Rahlff nur über ein Satellitentelefon, und eine E-Mailadresse ist für sie eingerichtet. „Ein bisschen wie in den 90ern“, lächelt sie. Vom Nordpol dauert es grob geschätzt bis zu vier Tage zurück in die Zivilisation. 

Kein Verzicht auf die Annehmlichkeiten des Lebens

Allerdings muss die Crew nicht auf Annehmlichkeiten des Lebens verzichten. Dreimal täglich gutes Essen und die übliche schwedische Kaffeepause (Fika) zweimal am Tag geben ein Grundgerüst vor, ermöglichen soziale Kontakte auch abseits der Arbeit, und Rahlff zählt zudem eine kleine Bibliothek, ein kleines Kino, Saunas, Bar, Fitnessraum und eine Tischtennisplatte auf. Eine Kollegin habe sogar Tanzstunden gegeben

Täglich um 19 Uhr kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen. Die Bilanz des Tages. Was wurde geschafft? Aber auch die Planung für den kommenden Tag wird besprochen. Das Wetter spielt dabei keine unerhebliche Rolle. „Nebel kann innerhalb weniger Minuten aufziehen“, erklärt Rahlff. Später wird sie erklären, warum das gefährlich sein kann.

Sehr fotogen: Ein Eisbär besuchte Crew und Wissenschaftler der „Oden“.

Während Kollegen Eiskernbohrungen vornehmen oder Proben aus den Tiefen des Meeres sammeln, hält sich die gebürtige Fehmaranerin hauptsächlich an der Eiskante auf. Einmal sei ihr eine Eisscholle buchstäblich unterm Hintern weggeschmolzen, aber man sei durch verschiedene Systeme gesichert, beispielsweise durch ein Geschirr verbunden über ein Seil an einem Flock. „Ich habe mich sicher gefühlt“, sagt sie. „Über die Eisdicke macht man sich letztlich nicht mehr so viele Gedanken.“

Es wird nicht einfach drauflosgeschossen – das passiert nur im äußersten Notfall.

Dr. Janina Rahlff

Das liegt nicht zuletzt an den sogenannten Eisbärenwächtern. Sie sind für die Sicherheit der Wissenschaftler zuständig, wenn sie das Schiff verlassen. Sie kontrollieren vorab die Dicke des Eises, so Rahlff. Nicht zuletzt haben sie die Umgebung im Blick, halten mit dem Fernglas Ausschau nach Eisbären und sind auch mit einem Gewehr ausgerüstet. Aber, und das ist der Fehmaranerin wichtig: „Es wird nicht einfach drauflosgeschossen – das passiert nur im äußersten Notfall.“ Entscheidend sei, bei Sichtung schnellstmöglich aufs Schiff zu evakuieren. Wegen der Eisbären ist auch der spontan aufziehende Nebel so gefährlich.

Gab es denn Sichtkontakt? „Ja, zum Greifen nah“, sagt sie. „Sie sind auf das Schiff zugekommen. Einer hat sich vor den Bug gesetzt und ist die ganze Nacht ums Schiff marschiert“, erinnert sich die 35-Jährige, die auch ein Walross, Wale, Seehunde und viele Quallen auf ihrer Expedition erblicken durfte.

Der Kompass hat auch etwas verrücktgespielt.

Dr. Janina Rahlff

Ein weiteres Highlight: Die Ankunft am Nordpol. Zunächst hätten sich alle auf der Brücke versammelt. „Der Kompass hat auch etwas verrücktgespielt“, erinnert sich die Wissenschaftlerin, die nach ihrem Abitur zunächst eine Ausbildung als Biologisch-technische Assistentin in Hamburg absolvierte und später dort ihren Master in Marine Ökosystem- und Fische-
reiwissenschaften machte. Von der Brücke ging es für alle aufs Eis, die Tanzgruppe legte los, an Bord wurde der Grill angeschmissen. „Wir haben das gefeiert.“ Logisch. Schließlich ist man nicht häufig im Leben am Nordpol.

Ich würde gerne noch mal in die Antarktis.

Dr. Janina Rahlff

Und, bereit für eine weitere Expedition? „Ich würde es noch mal machen – auf jeden Fall.“ Zugegebenermaßen bezeichnet die Wissenschaftlerin das Erlebte als „intensive Erfahrung an allen Ecken und Enden“, die Arbeit als „psychisch und physisch herausfordernd“, dennoch auch als „einmalige Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lässt“. Ihr Wunsch: „Ich würde gerne noch mal in die Antarktis.“

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