Die Spezialdrohne hebt auf der Radarstation Staberhuk ab.
+
Die Drohne startet von der Radarstation Staberhuk auf Fehmarn. Unten im runden Gehäuse ist die Kamera verbaut.

Abgaskontrolle mit Spezialdrohne auf der Ostsee

  • Hans-Jörg Meckes
    VonHans-Jörg Meckes
    schließen

Von Fehmarn aus misst jetzt erstmals eine Spezialdrohne die Abgase des Schiffsverkehrs im Fehmarnbelt und in der Kadetrinne auf der Ostsee. Die Drohne kann bei Bedarf auch bei der Seenotrettung unterstützen.

  • Die Spezialdrohne hat spezielle Sensoren, mit denen sie Treibstoffabgase von Schiffen kontrollieren kann.
  • Gesteuert wird der umbemannte Flugkörper von drei Piloten von der Radarstation Staberhuk auf Fehmarn.
  • Die Drohne fliegt von Fehmarn bis zum Darß in Mecklenburg-Vorpommern.

Fehmarn – Erstmals messen die Europäische Maritime Sicherheitsagentur (EMSA) und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gemeinsam von Fehmarn aus über der deutschen Ostsee Schiffsabgase mit einer Drohne. Betrieben werden die Drohnenflüge im Auftrag der EMSA durch die norwegische Firma Nordic Unmanned. Die Sensorik für die Emissionsmessungen liefert das dänische Unternehmen Explicit.

Einige Minuten rotieren die Propeller der circa zwei Meter langen Drohne kurz vor dem Start auf der Radarstation Staberhuk im Osten von Fehmarn, bevor es in die Luft geht. Am Heck prangt auffällig die norwegische Flagge, die auf die Betreiberfirma Nordic Unmanned hinweist. Dann richtet sich das unbemannte Luftfahrzeug Richtung Ostsee aus, wird immer kleiner und verschwindet schließlich am Himmel. Der Demonstrationsflug dauert nur eine halbe Stunde. „Normalerweise fliegt die Drohne zweimal täglich für einen Zeitraum von durchschnittlich zweieinhalb Stunden 60 Kilometer von Fehmarn bis zum Darß in Mecklenburg-Vorpommern und wieder zurück“, erklärt EMSA-Projektleiter Olaf Trieschmann. Sie fliegt dabei gezielt Schiffe an, die im Fehmarnbelt und in der Kadetrinne verkehren, um deren Treibstoffemissionen zu messen und zu kontrollieren. Ziel sei es, auf der Ostsee bis 2030 einen guten Zustand zu erreichen, so die Präsidentin des BSH, Dr. Karin Kammann-Klippstein. „Für Schwefelemissionen gelten in Nord- und Ostsee besonders strenge Grenzwerte. Während international seit Jahresbeginn nur noch Schiffstreibstoffe mit einem Schwefelgehalt von 0,5 Prozent erlaubt sind, sind es in den Schwefelemissionskontrollgebieten wie der Ostsee sogar nur 0,10 Prozent“, erklärt sie. Carolin Abromeit, Referatsleiterin beim BSH, ergänzt: „Das BSH hat gemeinsam mit der Wasserschutzpolizei ein Netz mit Kontrollen etabliert mit Proben der Kraftstoffe und Bußgeldverfahren.“

Drohne fliegt Abgasfahne an

Beim Anflug fliegt die Drohne zunächst 100 Meter hoch, beschreibt Olaf Trieschmann. Jedes Schiff ziehe eine Abgasfahne hinter sich her, die von den Sensoren der Drohne aufgenommen werden kann. Sie könne aber nur mit einer Infrarotkamera gesehen werden, die unten am Flugkörper verbaut ist. Fliegt die Drohne in der Abgasfahne, die je nach Windlage mal neben, hinter oder vor dem Schiff sein kann, befindet sie sich nur 30 Meter über dem Meeresspiegel. Die Sensoren, die die Abgase messen, befinden sich vorne am Ende zweier an der Drohne befestigter Röhren, erklärt Jon Knudsen, Chef der dänischen Firma Explicit, die die Messungen durchführt. Sie führen zu einem Kasten an der Seite des Flugkörpers, in dem die Informationen der Sensoren verarbeitet werden.

Victor Giroux steuert die Drohne mit zwei anderen Piloten im Team von einem Container auf der Radarstation Staberhuk von Fehmarn aus.

Die Drohne wird von einem dreiköpfigen Team aus einem Container heraus manövriert. Flugchef Victor Giroux leitet dabei seine beiden Teamkameraden an, die sich separat um das manuelle Lenken der Drohne sowie die Abgasmessung kümmern. Die Drohne kann bei Bedarf auch zur Seenotrettung eingesetzt werden. Ihre Wärmebildkamera kann ebenso Menschen auf See ausfindig machen. Fehmarn eignet sich sehr gut für den Start der Drohne, da viele Schiffe durch den Belt fahren und der Raum dort sehr eng ist, so Trieschmann.

Jon Knudsen vom dänischen Unternehmen Explicit zeigt die Sensoren, die die Emissionen messen.

Weisen die Daten darauf hin, dass der zulässige Anteil von 0,10 Prozent Schwefel im Kraftstoff überschritten wird, können Schiffe in ihren nächsten Anlaufhäfen gezielt für Kontrollen ausgewählt und Proben des Kraftstoffs genommen werden. Werden Verstöße gegen die strengen Kraftstoffvorgaben nachgewiesen, drohen den Verantwortlichen hohe Strafen.

Am Ende des Demonstrationsfluges gelang es der Drohne sogar, ein Schiff anzufliegen und dessen Treibstoffemissionen zu messen. Das Ergebnis lag unter der Grenze von 0,10 Prozent.

Die EMSA ist eine Agentur der Europäischen Union. Ihre Aufgabe ist es, die Mitglieder der EU durch ihre Dienste zu unterstützen. In diesem Fall hat das BSH die Anfrage für die Kontrolle der Schiffsemission gestellt, erklärt Trieschmann. Das Projekt werde über den EU-Haushalt bezahlt.

Mehr zum Thema

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.