Die Regierung will die Beltquerung nicht, übergibt Dänemark das Zepter und lässt die Insel allein

Fehmarn – von Berlin verkauft?

FEHMARN (wi) • Ist die Insel Fehmarn verraten und verkauft, wenn sich die Bundesregierung aus dem Projekt Feste Fehmarnbeltquerung weitgehend zurückzieht und Dänemark die Finanzierung überlässt? Im Moment sieht es so aus, als hätten die Fehmaraner beim Bau der größten Brücke Europas (Länge 20 Kilometer, Höhe 280 Meter) überhaupt nichts mitzureden. Doch nicht alle wollen das einfach so hinnehmen.

Für Deutschland ist die Beltquerung „kein prioritäres Projekt“ (Verkehrsminister Tiefensee),  doch wenn sie unter der Regie der Dänen gebaut wird, hätte Fehmarn dennoch die gleichen Probleme. „Wir werden zum Brenner des Nordens. Wir haben die A....karte gezogen“, sagt Harry Brandt vom Aktionsbündnis angesichts der neuen Entwicklung. Zwar hofft er immer noch, dass das Projekt bald zu den Akten gelegt wird, doch zurzeit sehe es so aus, als wolle Deutschland die Beltbrücke nicht, dennoch aber den Dänen alle Vollmachten geben – ohne auf die Insel Fehmarn Rücksicht zu nehmen.

Bernd Friedrichs vom Bündnis macht deutlich: „Wir werden definitiv nicht akzeptieren, dass man auf die Stimmen der Fehmaraner nicht hört.“ Er hat noch ein wenig die Hoffnung, dass die Dänen einen Rückzieher machen könnten („ganz so einig, wie sie es nach außen darstellen, scheinen sie sich nicht zu sein“). Friedrichs: „Wir wollen die Feste Fehmarnbeltquerung verhindern und fordern Ministerpräsident Peter Harry Carstensen auf, nach Puttgarden zu kommen!“

Zurzeit überlegt das Aktionsbündnis gegen die Feste Beltquerung, wie man auf die veränderte Situation reagieren soll. Man wartet auf den Sprecher Jürgen Boos, der in Chile weilt, um doch noch eine Aktion zu fahren, bevor die endgültige Entscheidung fällt, ob die 5,5 Milliarden Euro teure Brücke gebaut wird. Aus dem dänischen Parlament kamen nun Signale, dass Dänemark auch bauen will, wenn es den weitaus größten Teil der Staatsgarantien übernehmen müsste.

Insel-Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt hat erst im letzten Jahr die Position Fehmarns im Bundesverkehrsministerium vorgetragen. Nun ist er verärgert, dass das Land Schleswig-Holstein Geld („Gerüchteweise spricht man von bis zu 200 Millionen Euro“) für die Projektplanungsgesellschaft bereit stellen will. „Während man die Kommunen zur Ader bittet“, so der  Bürgermeister kopfschüttelnd. Schmiedt fürchtet, dass später kein Geld mehr für die geforderten Kompensationsmaßnahmen zur Verfügung stehen könnte, die Fehmarn brauche. Stichwort: Neue Radwege für zerstörte Natur. Auch Schmiedt hatte den Bericht des Institutes für Weltwirtschaft aufmerksam gelesen, der zu anderen Einschätzungen über zu erwartenden wirtschaftlichen Aufschwung kommt, als Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU).

„So oder so“

„So oder so, das Geld für Kompensationsmaßnahmen wird nicht da sein“, schimpft der SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Nottebaum, „wir sind in den Hintern gebissen“.

Bürgermeister Schmiedt will zurzeit dennoch „kommunal nicht aktiv“ werden. Auch er geht davon aus, dass das Aktionsbündnis und die dahinter stehenden Fehmaraner die Zügel in der Hand hätten. Schmiedt gehe außerdem davon aus, dass es ein ordnungsgemäßes Planfeststellungsverfahren geben werde.

Die Sorgen der Fehmaraner sind hinlänglich bekannt: Wird womöglich der Fährhafen vollständig eingestellt und es fallen alle Arbeitsplätze weg? Wie viel Natur fällt dem gigantischen Projekt zum Opfer und welche Auswirkungen hat das auf den Tourismus? Die meisten sehen keinesfalls einen wirtschaftlichen Aufschwung auf Fehmarn, vielmehr fürchtet man eine Zerstörung der gesamten Infrastruktur einschließlich Krankenhaus und Gymnasium, wenn qualifizierte Arbeitsplätze auf den Fähren und im Tourismus wegfallen würden.

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