Eine Gruppe im Feld
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Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (l.) und Falko Siering (r.), Vorsitzender des Grünen-Ortsverbandes, ließen sich von Hans-Peter und Marleen Rauert das innovative Bio-Ei-Projekt erläutern.

Landwirtschaftsminister besuchte Hof von Hans-Peter und Marleen Rauert

Fehmarn: Bio-Eier im großen Stil

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
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Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht besuchte am Sonntag den Hof von Hans-Peter und Marleen Rauert in Puttgarden. Dort soll es bald Bio-Eier im ganz großen Stil geben.

  • Minister vom Projekt begeistert.
  • 29600 Hühner werden jeweils bei Matthiasfeld und bei Gammendorf leben.
  • Bio boomt derzeit.

Fehmarn – Vor 18 Monaten gingen Hans-Peter und Marleen Rauert aus Puttgarden mit ihrem Ei von der grünen Wiese auf den Markt. Aus einem Mobilstall wurden schnell zwei, das regional vermarktete „KüstenEi“ wurde schnell zum Begriff. Nun kommt der nächste Schritt mit der Produktion von Bio-Eiern in ungleich größerem Stil. Das Projekt ist offenbar so interessant, dass Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Sonntag im Inselnorden Station machte.

Das gebe es in dieser Form in Schleswig-Holstein noch nicht, so Albrecht, der von einer „einzigartigen Innovation“ sprach. „Das wird sicherlich Schule machen“, hält er das Projekt des Ehepaares Rauert für beispielgebend.

Zwei Hallen mit jeweils 14800 Hühnern

Derzeit werden bei Matthiasfelde und bei Gammendorf an der Nordspange zwei 20000 m² große Hallen errichtet, die jeweils 14800 Hühnern Platz bieten. Da den Rauerts im Zuge des Baus der Festen Fehmarnbeltquerung viel Land verlorengeht, haben sie über einen Landtausch die Flächen an der Nordspange erhalten und wollen hier nun Bio-Eier produzieren.

Umgeben sind die auf beiden Arealen errichteten Hallen von einer acht beziehungsweise neun Hektar großen Fläche, auf der schnell wachsende Pappeln angepflanzt wurden und den Hühnern Schutz bieten sollen vor Sonne, aber auch vor Greifvögeln. „Wir müssen die Tiere in die Fläche bringen, sie müssen raus“, ist Hans-Peter Rauert überzeugt und erinnert an den natürlichen Lebensraum des Huhns – den Waldrand. „Zwei Hühner teilen sich einen Baum“, skizziert Hans-Peter Rauert grob die Größe des Pappelwaldes. Alle vier bis sieben Jahre sollen einzelne Baumreihen gekappt, das Holz zu Hackschnitzel verarbeitet und dann um die Hallen ausgebracht werden. Das Gelände erhält zusätzlich einen Zaun, sodass Füchse nicht eindringen können.

„Wintergarten“ und Pappelwald

Die Hallen sind laut Marleen Rauert sieben Meter hoch und halten ein großes Luftvolumen vor, sind beleuchtet, aber nicht beheizt. Die Tiere können ihren Standort eigenständig zwischen Halle und Pappelwald wechseln, an der Längsseite der Halle können sich die Hühner zudem in einem lichtdurchfluteten „Wintergarten“ aufhalten. Zahlreiche Kriterien, die dem Tierwohl dienten, habe man beachtet, so Marleen Rauert.

Anfang 2022 soll die Produktion der Bio-Eier starten. In der ersten oder zweiten Kalenderwoche ist vorgesehen, die erste Halle mit den Hühnern zu besetzen, zwischen der achten und zehnten Kalenderwoche ist der Besatz der zweiten Halle geplant. „Die Küken sind schon geschlüpft – in Niedersachsen“, berichtet Marleen Rauert. Die Arbeiten an den Hallen sind weit fortgeschritten und liegen im Zeitplan. Man sei bemüht gewesen, so viele Aufträge wie möglich an heimische Firmen zu vergeben. Das habe auch gut geklappt, ergänzt die junge Unternehmerin, die zugibt, bei den Überlegungen zum Großprojekt mehr als eine unruhige Nacht gehabt zu haben.

Setzt sich der Trend weiter fort, dass der Verbraucher sich verstärkt Bio-Produkten und regional erzeugten Lebensmitteln zuwendet, ist Hans-Peter Rauert zuversichtlich, sein „Bio-Ei als Nischenprodukt“ direkt vor Ort und auch in der Region absetzen zu können. „Wir glauben daran, dass das machbar ist.“

Nichtsdestotrotz wissen auch die Rauerts, dass die Investition nicht risikofrei ist. „Ich finde gut, dass ihr euch traut“, zollte der Umweltminister dem Ehepaar Rauert seinen Respekt. Die Politik sieht er in der Verantwortung, auch EU-weit einheitliche Produktionsstandards durchzusetzen. Doch auch der Handel und die Konsumenten müssten bereit sein, höhere Preise zu zahlen. 

Doch Bio boomt. Der Umsatz von Bio-Lebensmitteln erreichte laut statista.com 15 Milliarden Euro im Jahr 2020 und hat sich in weniger als zehn Jahren mehr als verdoppelt. Lebensmittelmärkte und selbst Discounter haben ihr Sortiment um Bio-Produkte spürbar erweitert und setzen zunehmend auf Regionalität.

Hans-Peter Rauert geht jedenfalls davon aus, dass er seine Bio-Eier auf dem Preisniveau des „KüstenEi“ auf den Markt bringen kann. Einen seiner mobilen Hühnerställe will er aber auf jeden Fall weiterbetreiben, da das „KüstenEi“ seinen Markt gefunden habe.

Hühnertrockenkot besitzt ein gutes Nährstoffverhältnis

Hans-Peter Rauert

Und selbst für Hühnertrockenkot gibt es einen Absatzmarkt. „Hühnertrockenkot besitzt ein gutes Nährstoffverhältnis“, erläutert Rauert. Möglicherweise hätten auch Fehmarns Öko-Betriebe Bedarf, hofft er auf Interesse. Auf konventionell bewirtschafteten Ackerflächen dürfe dieser Dünger nicht ausgebracht werden, denn im Sinne der Kreislaufwirtschaft sei eine Verbringung auf Ökoflächen vorgeschrieben. „Die Nachfrage ist größer als das Angebot“, weiß Rauert, dass er auf dem Öko-Dung wohl nicht sitzen bleiben wird. 

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