Baracken in Burg Fehmarn für Asyl
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Wo jetzt noch die beiden Altbaracken stehen, sieht Kurt-Henning Marten einen geeigneten Standort für den Neubau sozialen Wohnraums.

Asylkoordinator für Neubau sozialen Wohnraums

Die eigenen vier Wände sind wichtig

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Was die Betreuung von Asylsuchenden und Obdachlosen angeht, ist Fehmarn laut Stabsstellenleiter gut aufgestellt. Er fordert aber die Politik auf, mehr sozialen Wohnraum zu schaffen.

  • Rund 150 Flüchtlinge auf Fehmarn.
  • Bereitstellung einer Unterkunft ist nur der erste Schritt.
  • Stadt Fehmarn kann auf mögliche weitere Zuzüge von Flüchtlingen unmittelbar reagieren.

Fehmarn – Auf Fehmarn leben aktuell rund 150 Flüchtlinge. Ihre Zahl ist recht stabil, obgleich es immer eine gewisse Fluktuation gibt. Für das dreiköpfige Team der Stabsstelle Asyl um Koordinator Kurt-Henning Marten hat sich der Schwerpunkt bei der Betreuung der Flüchtlinge jedoch verschoben. Ging es zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015, als Fehmarn 184 Flüchtlinge zugewiesen wurden, vorrangig darum, geeignete Unterkünfte zu finden, stehen diese nun ausreichend zur Verfügung. Jetzt geht es vielmehr um die Qualität der Betreuung, wie Marten in seinem Jahresbericht, den er im Ausschuss für Kultur, Schule, Sport und Soziales vorstellte, verdeutlichte.

Und hier sieht Marten, der von Beginn an seit dem 1. Dezember 2015 dabei ist, die Stadt Fehmarn im Vergleich zu anderen Kommunen recht gut aufgestellt. Das gilt auch für die Betreuung der Obdachlosen, die seit 2018 in die Zuständigkeit der Stabsstelle Asyl überführt wurde. Ihre Zahl liegt ungefähr bei 15. 

Der Asylkoordinator wird aber nicht müde zu betonen, dass mit der Bereitstellung einer Unterkunft nur der erste Schritt getan sei, die Flüchtlinge – 61 Prozent Familien, 39 Prozent Einzelpersonen – in die Gesellschaft zu integrieren. Immerhin wohnten etwa zwei Drittel der Flüchtlinge (105) in selbst angemieteten Unterkünften, vier in Wohnungen, die die Stadt angemietet habe, aber immer noch 44 in den städtischen Unterkünften am Eschenweg.

Appell an die Kommunalpolitik

Aufgrund des fehlenden bezahlbaren Wohnraums auf Fehmarn sei es für sie sowie Obdachlose schwierig, eine eigene Mietunterkunft zu finden, bedauert Marten, der an die Kommunalpolitik appelliert, sozialen Wohnraum zu schaffen. Er denkt dabei aber nicht an die von der Stadt Fehmarn beabsichtigte Bebauung an der Gorch-Fock-Straße, sondern vielmehr daran, im südlichen Eschenweg, wo jetzt noch die beiden alten Baracken stehen, neuen Wohnraum zu schaffen und somit bereits seit rund zehn Jahren bestehende Planungen (B-Plan Nr. 100) aufzugreifen. „Ich sehe das vielmehr als Ergänzung zum sozialen Wohnungsbau“, so Marten. Denn die städtischen Unterkünfte im Eschenweg dürften keine Endstation werden, mahnt der Asylkoordinator.

Es ist meine Aufgabe, Lösungen zu unterbreiten und auf vorhandene hinzuweisen.

Koordinator Kurt-Henning Marten

Ist der Neubauvorschlag ein mutiger Vorstoß in Richtung Kommunalpolitik? Aus Sicht von Kurt-Henning Marten keinesfalls. Er sagt: „Es ist meine Aufgabe, Lösungen zu unterbreiten und auf vorhandene hinzuweisen.“ 

Für seinen zu verantwortenden Bereich sieht er aktuell einen Mindestbedarf von sieben Wohnungen für Familien mit bis zu drei Personen und fünf mit bis zu sechs Personen. Und bislang gänzlich nicht vorhanden in den Unterkünften sei behindertengerechter Wohnraum, bedauert er.

Eigene vier Wände sind wichtig, es stärkt das Selbstwertgefühl.

Koordinator Kurt-Henning Marten

„Eigene vier Wände sind wichtig, es stärkt das Selbstwertgefühl“, weiß Marten, der mit Asylbetreuerin Birgit Schulz und Hausmeister Mike Bekker einen ganz engen Draht zu den im Eschenweg untergebrachten Personen aufgebaut hat. „Wir wissen, was da los ist“, berichtet Marten, der die wöchentliche Dienstbesprechung bislang möglichst im Eschenweg abgehalten hat. Erst durch Corona sei diese bewährte Vorgehensweise etwas ausgebremst worden, bedauert er, der mit der Stabsstelle Asyl coronabedingt in Schichten arbeitet.

In seinem Jahresbericht weist er ferner darauf hin, dass die Stadt Fehmarn auf mögliche weitere Zuzüge von Flüchtlingen, unter anderem bedingt durch unklare Lagen, Kriege und Bürgerkriege, unmittelbar reagieren könne. Auch im Zuge der Seebrücken-Initiative „Sicherer Hafen“ könnten Geflüchtete aufgenommen werden. Freie Kapazitäten gebe es auf jeden Fall. Im Eschenweg rund 30, in der aktuell nicht genutzten ehemaligen Schule in Puttgarden weitere 42.

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