Marina und Hinrich Resthöft, Petra und Peter Rajewski und Bienenwanderwart Wolfgang Griefahn
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Zwölf Bienenvölker im Rapsfeld und fünf Bienenfreunde im Gras bei Hinrichsdorf: Marina und Hinrich Resthöft (l.) zusammen mit Petra und Peter Rajewski sowie Bienenwanderwart Wolfgang Griefahn.

Wanderimker Peter Rajewski kommt seit 60 Jahren auf die Insel

Fehmarn – ein Mekka für Bienen

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Seit 60 Jahren bringt Wanderimker Peter Rajewski aus Unna-Hemmerde seine Bienen nach Fehmarn. Als 17-Jähriger kam Rajewski erstmals mit seinem Vater auf die Insel.

  • Lange Imkertradition: Urgroßvater, Großvater und Vater waren Bienenzüchter.
  • Tochter Petra wird die Tradition fortsetzen.
  • Mit zwölf Bienenvölkern auf den Rapsfeldern von Hinrichsdorf.

Fehmarn – Wenn Fehmarns Felder im Frühjahr goldgelb leuchten, dann ist seit nunmehr 60 Jahren ohne Unterbrechung eins so sicher wie das Amen in der Kirche: Wanderimker Peter Rajewski aus Unna-Hemmerde bringt seine Bienen auf die Insel. In diesem Jahr an einem ziemlich gebrauchten Tag, es regnet zwischenzeitlich in Strömen. Der Nordrhein-Westfale aus der Nähe von Dortmund ist dennoch bester Laune, immer mit einem lockeren Spruch auf den Lippen. Frohnatur durch und durch.

Mit dem Vater ging es für den damals 17-Jährigen erstmals zur Rapsblüte nach Fehmarn – ohne Fehmarnsundbrücke, die sich zu der Zeit im Bau befand, mit der Eisenbahnfähre von Großenbrode aus auf die Insel. Der heute 77-Jährige kommt aus einer Familie mit langer Imkertradition. „Mein Urgroßvater, Großvater und mein Vater waren Bienenzüchter“, sagt Rajewski, für den von klein auf klar war, dass Honig ein Leben lang eine zentrale Rolle spielen wird.

Meinen ersten Bienenschwarm habe ich aus einem Stachelbeerstrauch geholt.

Wanderimker Peter Rajewski

„Meinen ersten Bienenschwarm habe ich aus einem Stachelbeerstrauch geholt.“ Zwei Tage keine Schule waren das Ergebnis für den damals Zehnjährigen. Kaum aus den Augen habe er wegen der Stiche gucken können.

Auch seine Tochter ist von Kindesbeinen an in die Materie eingetaucht, davon fasziniert. „Ich habe immer bei meinem Opa geholfen, Rähmchen genagelt, Mittelwände gelötet, Königinnen gesucht und natürlich Honig probiert“, lächelt sie.

Ihren speziellen Moment hatte sie vor rund 30 Jahren, als klar wurde, dass sie eine Bienengiftallergie hat. Nach drei Wochen im Krankenhaus folgte eine dreijährige Hyposensibilisierung. „Das war heftig, heute machen mir auch mehrere Stiche nichts mehr aus.“

Umso froher ist der 77-Jährige, dass seine Tochter Petra langsam aber sicher das Ruder übernehmen wird, die Tradition fortsetzen will. Ans Aufhören denkt der Imker aber nicht. „Solange es gesundheitlich geht, mache ich weiter.“

Honig ernten, den es woanders nicht gibt

Auf Fehmarn herrschen für Imker sehr gute Bedingungen. „Wir wollen mit unseren Bienen Honig aus der Natur ernten, den es woanders nicht gibt“, erklärt der Fachmann. Rapshonig mit Weißdorn aus den Knicks – das sei eine sehr gute Kombination für samtenen Honig, der wie Sahnecreme sei. Bis zu 70000 Bienen hat in der Haupttrachtzeit ein Bienenvolk. Vater und Tochter sind mit zwölf Völkern nach Fehmarn gekommen.

Klingt viel. Wolfgang Griefahn, Fehmarns Bienenwanderwart seit über 20 Jahren, relativiert: „In der Hochzeit der Bienenwanderung in den 80er-Jahren waren bestimmt 5000 bis 6000 Bienenvölker auf Fehmarn mit Hunderten von Wanderimkern.“ Aber auch heute seien noch Großimker mit rund 500 Völkern auf der Insel. „Es ist auf Fehmarn eine garantierte Tracht. Das gibt es nirgends.“

Die Bienen lieben die fehmarnschen Rapsfelder.

Nach rund dreieinhalb Wochen, meist wenn der Raps verblüht ist, werden die Bienen wieder abgeholt. Wann es so weit ist, teilt Hinrich Resthöft dem Imker mit. „Ich hebe den Deckel mal an und sage Bescheid.“ Seit ein paar Jahren sind Rajewskis Bienen auf Resthöfts Äckern unterwegs. Zurück in der Heimat wird dann geschleudert. Danach legen sich die Bienen aber nicht auf die faule Haut. „Viermal im Jahr kann man ein Bienenvolk umsetzen“, weiß Rajewski, will aber nicht sagen, wie viel Honig pro Bienenvolk ins Glas wandert. Betriebsgeheimnis. Nur so viel: „Meine Bienen sind brav, gehorsam und fleißig“, lobt der Imker seine Buckfastbienen. „Früher waren die Bienen aggressiv, heute sind sie sanft. Die ruhigen, fleißigen Völker werden vermehrt“, weiß Griefahn. 

Wichtig bleibt hingegen seit eh und je, den Schwarmtrieb zu unterbinden. „Ist ein Volk in Schwarmstimmung, denkt es nur noch daran, sich zu vermehren, und man erntet keinen Honig mehr“, verdeutlicht Griefahn. Rajewski erklärt es so: „Hat der Bauer in der Scheune keinen Platz mehr, sucht er sich eine neue.“ Heißt also: Ist die Kiste voll, haut die Königin ab. „Dann haben wir den Spaß am Baum hängen und nicht im Glas“, schmunzelt der Wanderimker.

Heute ist Weltbienentag

Am Weltbienentag wird auf den Rückgang der weltweiten Bienenpopulation und den dringend benötigten Schutz der Bienen aufmerksam gemacht. Warum heute? Am 20. Mai 1734 wurde der Pionier der modernen Imkerei, Anton Janša, geboren. Bienen zählen zu den wichtigsten Nutztieren und können weit mehr, als nur Honig produzieren. Wildbienen etwa sorgen in der Natur für die lebenswichtige Bestäubung von Pflanzen. Rund 80 Prozent unserer heimischen Wild- und Nutzpflanzen sind dabei auf die Bestäubung angewiesen.

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