Fehmarn Vorstand Haff und Huk
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Der Vorstand: Dr. Silke Struve-Blanck (v.l.), Hartmut Steffen, Mathias Krause und Margot Marquardt. Auf dem Foto fehlt Carsten Mackeprang.

Fehmarn – ein Mekka für Käfer: Viel Neues vom Naturschutzverein Haff und Huk

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Käfer fühlen sich auf Fehmarn wohl. Bei der Jahreshauptversammlung des Betreuungsvereins Haff und Huk wurde umfänglich über die Insekten und über die Aktivitäten des Vereins informiert.

  • 118 Mitglieder – Tendenz steigend.
  • 110 Brutpaare mit acht verschiedenen Vogelarten gezählt.
  • Zwei Horchboxen angeschaftt.

Fehmarn – Seit 2017 betreut der Verein Haff und Huk Nordfehmarn das 761 Hektar große Naturschutzgebiet (NSG) Nördliche Seeniederung Fehmarn. Die Jahreshauptversammlung, die am Dienstag in Bannesdorf stattfand, ist immer ein kleiner Einblick in die umfangreiche Arbeit des Vereins. Der Vereinsvorsitzende Mathias Krause fasste sich in Sachen Jahresbericht 2021 dennoch kurz, verwies stattdessen auf den umfangreichen Betreuungsbericht, den es online auf haffundhuk.de gibt. Ein gutes Zeugnis für die Teamarbeit und für Krause wichtig: „Wir wollen unsere Arbeit transparent gestalten und unsere Ziele aufzeigen.“

Das ist vorbildlich. Da steckt viel ehrenamtliche Arbeit drin.

Diplom-Biologe Thomas Behrends vom NABU

Beeindruckt vom Bericht zeigte sich Diplom-Biologe Thomas Behrends vom NABU, der auf der Versammlung einen Vortrag über Wasserkäfer in Kleingewässern hielt. „Das ist vorbildlich. Da steckt viel ehrenamtliche Arbeit drin.“ 118 Mitglieder hat der Verein, weiterhin mit steigender Tendenz. Davon sind 14 besonders aktiv. „Wir können uns aufeinander verlassen“, sagte Krause gestern. Und wenn es hart auf hart komme, würde sich auch darüber hinaus immer noch jemand finden, der bereit sei, zu helfen.

Kurzfristig werden die Prädatorenzäune an der Markelsdorfer Huk und am Fastensee aufgebaut. Letzterer Ort war ein Highlight mit Blick auf das Brutaufkommen: Im eingezäunten Bereich wurden mehr als 110 Brutpaare gezählt und mindestens acht verschiedene Vogelarten. Das Brutfloß-Projekt, eine weitere Maßnahme zur Lebensraumförderung, geht auf dem Fastensee bereits ins fünfte Jahr, das an der Markelsdorfer Huk wird Anfang Mai zum vierten Mal aufgestellt. Genau hinschauen will der Verein, dass erst die Lachmöwen ihre Reviere bezogen haben, damit sie auf den Flößen nicht den Seeschwalben die Brutplätze ab-luch-sen. Für die Möwen habe man die Flöße nicht gebaut, sagte Krause, relativierte aber gestern nach kurzer Überlegung ein Stück: Selbst die Möwenkolonie sei in der Größenordnung an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste etwas Besonderes gewesen und habe einen Beitrag geleistet zum Schutzschild vor Prädatoren aus der Luft. „Wir haben uns trotzdem gefreut.“

Unwetter zerstörte Seeadlerhorst bei Gammendorf

Bauschmerzen bereitet dem Verein der durch das letzte Unwetter zerstörte Seeadlerhorst bei Gammendorf. Zwar gibt es einen neuen Horst in einem Ausläufer, der wird aber nicht dauerhaft halten. Margot Marquardt berichtete der Versammlung über ihre Steinkauz-Züchtung zur Auswilderung, die sie seit 2018 auf Fehmarn betreibt. Die Eulenart habe in den letzten zwei Jahren in Bojendorf Nachwuchs gehabt, so Marquardt und sagte: „Wir arbeiten weiter daran, die Steinkäuze heimisch zu machen.“

Lehrgang für Betreuer abgeschlossen

Dr. Silke Struve-Blanck, Margot Marquardt und Mathias Krause haben im letzten Spätsommer den Lehrgang für Betreuer von Schutzgebieten abgeschlossen und ein Zertifikat erhalten. „Ein Angebot, das sich das Land für Betreuer von Schutzgebieten leistet. Das kenne ich nur aus Schleswig-Holstein“, lobte Krause. Der Lehrgang ist in mehrere Module aufgeteilt und umfasst Rechte und Pflichten, die im NSG gelten, Artenkenntnisse, wie das Gespräch mit Besuchern gesucht werden kann, und wie bei Umweltfachbehörden die richtigen Ansprechpartner gefunden werden können – zum Beispiel für die Beantragung von Fördergeldern oder Erstattungen. Kassenwartin Struve-Blanck, nannte unter anderem die Kosten für Wasseranalysen, die Elektrozäune oder den Besucherlenkungszaun.

Damit bleibt dem Verein Geld für andere Projekte wie das Fledermausmonitoring, das 2019 begann. Für rund 6500 Euro wurden im letzten Jahr zwei Horchboxen angeschafft fürs Dauermonitoring. Eine Förderung hatte das Land nämlich abgelehnt, da es nicht zur Charakteristik des Schutzgebietes passe, so Krause. „Wir wollen aber an der Idee und dem Engagement festhalten. Es ist ein spannendes Projekt.“

45 Käferarten von der Roten Liste auf Fehmarn

Im Zentrum des Abends stand der Vortrag des Insektenkundlers (Entomologen) Thomas Behrends, der sich seit über 20 Jahren mit den heimischen Käferarten beschäftigt und in den Jahren 2018 und 2021 unter anderem auf Fehmarn 38 künstlich angelegte Kleingewässer untersucht hat in Gebieten rund um Bojendorf, Westermarkelsdorf-Altenteil, Wenkendorf-Teichhof-Kuhroi. Entstanden sind diese durch die Aufhebung der internen Entwässerung, wodurch sich naturnahe Wasserstände wieder eingestellt haben. „Die Kleingewässer übernehmen wichtige Aufgaben als Refugien bedrohter Arten“, so der 52-jährige Biologe.

Unter den 270 Käferarten, die nachgewiesen wurden, würden 45 auf der Roten Liste stehen, darunter fünf Arten, die vom Aussterben bedroht seien, erklärte Behrends, jedoch seien die Untersuchungen in der Kürze der Zeit nicht vollständig. „Die Gesamtartenzahl liegt um einige Hundert Arten höher“, so der Biologe und hob hervor: „Die Insel ist bekannt für eine sehr hohe Artenzahl, der gesamte Küstenstreifen mit angrenzenden Biotopen – Niederungen mit Schilf, Rinderweiden, Trockenrasen, Dünen, Steilküste – ist geprägt durch eine Vielzahl seltener Arten.“

97 Wasserkäferarten auf Fehmarn entdeckt

97 Wasserkäferarten konnte Behrends auf Fehmarn nachweisen. Das sei der höchste Wert aller 141 Untersuchungsgebiete in Schleswig-Holstein, die im Rahmen des SemiAquaticLife-Projekts der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein nachgewiesen werden konnte. Am wertvollsten besiedelt seien die Wechselwasserzonen großer, flacher Amphibiengewässer mit Flutrasen. „Die saisonalen, naturnahen Wasserstandschwankungen sind von großer Bedeutung für die Artenvielfalt.“

Die Vorkommen der einzig in Deutschland nur auf Fehmarn vorkommenden Arten der Gattung der Großaugen-Wasserkäfer konnten von Behrends nicht bestätigt werden. „Diese Arten müsste man im Vordeichbereich intensiver suchen, um sie vielleicht doch noch wiederzufinden.“

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