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Tourismusdirektorin Imke Bolle und Veranstalter Dirk Herpel auf dem menschenleeren Festivalgelände. Windstärken in Spitzen von neun Beaufort machten das SUP-Festival unmöglich

Wetter extrem: Veranstaltungen platzten – ASB schrammte an Großeinsatz vorbei

Fehmarn erlebte das „Wochenende der Absagen“

FEHMARN - Von Lars Braesch Ein kräftiges Tief über der Deutschen Bucht bestimmte das Wetter auf Fehmarn am Wochenende. Kräftige Regenfälle und heftige Sturmböen sorgten für das „Wochenende der Absagen“. Für den Kreis Ostholstein gab es eine Unwetterwarnung.

Am Freitagmorgen sorgte die automatische Windwarnanlage an der Fehmarnsund-Brücke um 7.13 Uhr für eine Teilsperrung. Leere Lkw und Wohnwagengespanne durften nicht über die Brücke. Eigentlich nichts Außergewöhnliches, doch die Sperrung dauerte diesmal sehr lange: rund 27 Stunden.

Die Reisenden mussten schon auf dem Standstreifen der E 47 parken.

Am Sonnabend war der Behelfsparkplatz bei Avendorf fast an seiner Belastungsgrenze angekommen, in Großenbrode war der Parkplatz derart überfüllt, dass die Gespanne schon über mehrere hundert Meter auf dem Seitenstreifen der E 47 parken mussten.

Um 9 Uhr ging der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Heiligenhafen gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) Göhl in Vorbereitschaft. Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt und der Polizei sollten die „Gestrandeten“ verpflegt werden. Von denen hatten viele, wütend darüber, dass sie nicht weiterfahren konnten, bei der Polizei angerufen.  Um 9.40 Uhr begann der Verpflegungseinsatz, die Kosten übernahm die Stadt Fehmarn.  ASB-Einsatzleiter Jens Wulf machte sich in Großenbrode ein Bild über die Lage. In Heiligenhafen wurde die Feldküche vorbereitet und die ersten großen Konservendosen wurden geöffnet, die Suppe erhitzt.

Die Feldküche wurde vorbereitet.

  Doch es kam nicht zum Einsatz, denn plötzlich, um 10.37 Uhr, war die Brücke für den gesamten Verkehr wieder freigegeben.

Beide Parkplätze, diesseits und jenseits der Fehmarnsund-Brücke, seien durch die lange Sperrung überfüllt gewesen. Die Fahrer und Insassen von rund 150 Lkw und Wohnwagengespannen hätten verpflegt werden müssen, wenn es zum Einsatz gekommen wäre, bilanzierte Einsatzleiter Wulf. Mit einer Suppe, Warmgetränken, Kindernahrung und Decken sollten die Reisenden ursprünglich verpflegt werden. 22 Einsatzkräfte waren abbestellt. Dann war die Brücke freigegeben. Der Einsatzleiter und seine Mannschaft warteten noch, bis sich der Parkplatz geleert hatte, rückten dann aber ab – unverrichteter Dinge. Bereits um 11.17 Uhr hatte es die nächste Teilsperrung gegeben. Es kam dann noch mehrfach zu Teilsperrungen der FehmarnsundBrücke. Der ASB brauchte jedoch nicht einzugreifen. 2003 gab es den letzten ASB-Einsatz an der Brücke

Im Juli 2003 hatte es übrigens den letzten Betreuungseinsatz für die Einsatzkräfte an der Brücke gegeben. Am Wochenende hatten einige Autofahrer entnervt ihre Reise aufgegeben. Sie stellten ihren Wohnwagen auf dem Behelfsparkplatz ab und fuhren nach Hause. Im Laufe der Woche wollen sie ihr Gespann wieder abholen, teilte die Burger Polizei gestern auf FT-Nachfrage mit. Anschließend musste Fehmarn den nächste Wetterkapriole verdauen. Das Stand Up Paddling (SUP) & Beachsports Festival am Südstrand wurde abgesagt. Es herrschten Windspitzen bis zu neun Beaufort am Südstrand. Das große Zelt für die Party hat nur bis acht Windstärken eine Zulassung. So wurden alle offiziellen Aktivitäten auf dem Festivalgelände durch das Ordnungsamt der Stadt Fehmarn untersagt. „Sicherheit ist oberstes Gebot. Da wir weder am Strand noch auf dem Wasser sportliche Aktivitäten bieten können, blieb uns leider keine andere Möglichkeit“, sagte Dirk Herpel vom Veranstalter bsp-Media. „Laut Wasserschutzpolizei hätten wir aufs Wasser gehen können, doch dann hätten wir das alleinige Risiko hierfür getragen, das war einfach zu hoch“, so Herpel weiter. Der Versicherungsschutz wäre im Schadenfall nicht vorhanden gewesen. Gemeinsam mit Tourismusdirektorin Imke Bolle hatte er das Festival eröffnen wollen. „Wir haben bis zuletzt gehofft. Es wäre eine neue Veranstaltung für unsere Gäste gewesen. Es ist sehr schade“, bedauerte Imke Bolle die Absage. Schwer enttäuscht reiste die Tourismusdirektorin vom Südstrand ab. Sie hatte wenigstens eine kurze Fahrt. Eigens aus München angereist war die Ultimate-Mixed-Nationalmannschaft, um sich beim SUP-Festival mit einer Kieler Mannschaft zu messen und interessierten Zuschauern den Sport näher zu bringen. Die Frisbee-Spieler um Nationaltrainer Rüdiger Veitl nutzten das Café „Sorgenfrei“ für eine Taktikbesprechung und anschließend den starken Wind für eine Trainingseinheit am Sonnabend und Sonntag am Südstrand. Ziel des Spiels ist, die von einem Mitspieler geworfene Frisbeescheibe in der gegnerischen Endzone am Ende des Feldes zu fangen, wofür die Mannschaft des Fängers einen Punkt erhält. Verschiedene Spielelemente aus dem Basketball und dem American Football sind beim Ultimate enthalten, jedoch bedeutet jeder Körperkontakt (theoretisch) ein Foul. Ultimate wird überwiegend auf Rasen gespielt, dort mit sieben Spielern. Auf Sand spielt man mit fünf Spielern. Veitl nahm die Absage gelassen hin und trainierte Laufwege, die Zonenverteidigung und das Werfen bei Wind. „Das kann vielleicht nochmal für uns von Vorteil sein“, kommentierte Veitl den Ausflug nach Fehmarn. Mit seiner Mannschaft bereitet er sich gerade auf die World Beach Ultimate Championships in Lignano Sabbadoro (Italien) vor. Sie finden vom 22. bis zum 28. August statt.

Bereits am Freitag hatte die Feuerwehr Bisdorf-Hinrichsdorf ihr ursprünglich für Sonnabend geplantes Sommerfest abgesagt (wir berichteten). Auch der Flohmarkt im Rahmen des Sommerfestes der Bannesdorfer Wehr hatte ausfallen müssen.

Trotz des Unwetters hatten die Kameraden der Wehren Fehmarns kein einsatzintensives Wochenende. Lediglich die Kameraden der Süderorter Wehr mussten am Sonnabend um 7.22 Uhr ausrücken.

Die Freiwillige Feuerwehr Süderort entfernte diesen abgeknickten Ast.

Ein abgeknickter Ast eines Baumes hatte in der Bargmöhl in Wulfen, Nahe der Hausnummer 3, die Straße versperrt. Die Burger Polizei hatte die Einsatzstelle bis zum Eintreffen der Feuerwehr abgesichert. Eine Kettensäge war zum Einsatz gekommen, die Straße nach fünf Minuten wieder frei. „Wir hatten keine weiteren Einsätze aufgrund des Wetters“, so Gemeindewehrführer Volker Delfskamp auf FT-Nachfrage. Ruhig war die Lage auch bei der Polizei. Sie musste einen Zusammenstoß zweier Fahrzeuge auf der Avendorfer Brücke aufnehmen. Es entstand zum Glück nur Blechschaden. Mit dem Wetter hatte dies jedoch nichts zu tun. Wohl jedoch eine für Sonntagnachmittag geplante Kindermodenschau in der Burger Hofpassage, die aufgrund der Wetterlage ausfallen musste.

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