Lkw verlassen eine Fähre im Fährhafen Puttgarden
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Der Frachtverkehr auf den Scandlines-Routen rollt. Er ist mengenmäßig kaum beeinträchtigt durch die Corona-Pandemie.

Reederei erlebt 2020 Umsatz- und Gewinneinbruch

Frachtverkehr rettet Scandlines die Bilanz

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Bei einem der größten Arbeitgeber Fehmarns, der Reederei Scandlines, brach der Umsatz 2020 coronabedingt massiv ein. Das Jahresergebnis fällt wesentlich geringer aus.

  • Umsatz sinkt von 475 Millionen Euro auf 283 Millionen Euro.
  • Bordershops bringen nur noch 57 Millionen Euro ein.
  • Reederei festigt mit Betrieb im Lockdown den Status der kritischen Infrastruktur.

Fehmarn – Die Corona-Pandemie setzt auch der Reederei Scandlines spürbar zu. Das belegen die wirtschaftlichen Eckdaten für 2020, die das Unternehmen gestern vorlegte. So brach der Umsatz massiv ein. Nach 475 Millionen Euro 2019 waren es im vergangenen Jahr nur noch 283 Millionen Euro. Das Jahresergebnis blieb mit 18 Millionen Euro weiterhin positiv, doch im Vergleich zum Vorjahr (122 Millionen Euro) fiel das Plus jedoch wesentlich geringer aus.

Getragen wird der wirtschaftliche Erfolg der Reederei eindeutig durch den Frachtverkehr auf den beiden Routen Rostock - Gedser und Puttgarden - Rødbyhavn. „Das Frachtgeschäft lieferte mit einer Verringerung um sechs Prozent relativ stabile Verkehrszahlen“, teilt Scandlines mit. Ganz anders sieht es hingegen bei den Pkw- und Passagierzahlen aus, die nach dem Ausbruch von Covid-19 um mehr als 50 Prozent zurückgegangen sind.

Kräftiges Minus beim Umsatz in den Bordershops

Reisebeschränkungen und Grenzschließungen hätten sich „sehr negativ“ ausgewirkt. Dies spiegelt sich einerseits wider beim Umsatz der beiden Fährstrecken, der von 352 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 216 Millionen Euro im vergangenen Jahr gefallen ist, andererseits wird er zusätzlich ersichtlich durch den Umsatzrückgang bei den Bordershops, in denen 2020 nur noch 57 Millionen Euro in den Kassen klingelten. Im Jahr zuvor waren es noch 124 Millionen Euro gewesen.

Scandlines-CEO Søren Poulsgaard Jensen erinnerte in diesem Zusammenhang an den April des letzten Jahres, als es den totalen Lockdown gab und der Pkw-Verkehr „um mehr als 96 Prozent einbrach und weniger als 200 Pkw am Tag“ auf beiden Routen befördert wurden. Nachdem die Beschränkungen im Laufe des Sommers vorübergehend gelockert worden seien, habe sich der Shopping-Verkehr schnell erholt, und auch der Freizeitverkehr habe einen gewissen Anstieg verzeichnen können, bevor neue Beschränkungen „im Herbst zu einem erneuten Einbruch führten“, bilanziert die Reederei.

Beide Fährstrecken hätten aber durch die Aufrechterhaltung des Betriebs „ihren Status als kritische Infrastruktur“ gefestigt, heißt es weiter vonseiten des Unternehmens. „Die dramatische Entwicklung während der Corona-Pandemie unterstreicht die Position unserer nachhaltigen Verkehrsmaschine als einen Teil der kritischen Infrastruktur. Während der Passagierverkehr und die Einkäufe in unseren Bordershops aufgrund von Reisebeschränkungen, Grenzschließungen und anderer Maßnahmen zum Infektionsschutz drastisch zurückgingen, hielten wir den Betrieb aufrecht, um für unsere Frachtkunden da zu sein und kritische Lieferungen über Landesgrenzen hinweg auch in einer Zeit mit vielen Herausforderungen zu gewährleisten. Wir haben den Fährbetrieb das ganze Jahr über fortgesetzt“, fasst Scandlines-Chef Poulsgaard Jensen zusammen.

Die Reederei erinnert aber auch daran, dass dank Covid-19-Hilfen des deutschen und dänischen Staates „Mitarbeiter gehalten und feste Kosten gedeckt werden konnten“. So hätten viele deutsche Mitarbeiter durch Kurzarbeit im Unternehmen gehalten werden können. Dabei habe die Reederei das Kurzarbeitergeld zu 100 Prozent aufgestockt, ließ Scandlines nicht unerwähnt.

Wir sind ganz gut durch die Krise gekommen.

Heiko Kähler, Geschäftsführer Scandlines Deutschland

„Wir sind ganz gut durch die Krise gekommen“, bilanziert auch Heiko Kähler, Geschäftsführer von Scandlines Deutschland. Dabei habe neben der Kurzarbeit eine „zielgerichtete Kostensteuerung“ zum Erfolg beigetragen. In vielen Unternehmensbereichen finde das Instrument der Kurzarbeit aber auch weiterhin Anwendung, unterstreicht Kähler, der auf Lockerungen der Reisebeschränkungen in den kommenden Wochen hofft und die Mitarbeiter dann wieder aus der Kurzarbeit geholt werden können.

Verlässliche Prognosen für 2021 oder präzise finanzielle Erwartungen für 2021 könne Scandlines nicht formulieren, macht Poulsgaard Jensen deutlich, da Covid-19 den Pkw- und Passagierverkehr sowie die Shopping- und Busreisen „weiterhin sehr negativ beeinflussen“ werde, ist der Scandlines-CEO überzeugt. Dennoch werde erwartet, dass der Frachtverkehr sich auch 2021 „relativ stabil auf einem hohen Niveau bewegen wird“.

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