Teil 1: Systemrelevante Berufe in der Corona-Krise / ASB und Physiotherapie „inbalance“

„Wir waren vorbereitet“

Ohne sie geht es nicht: Alexandra Schubert (v.l.), Karsten Wriedt und Fabian Susemihl vom ASB.
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Ohne sie geht es nicht: Alexandra Schubert (v.l.), Karsten Wriedt und Fabian Susemihl vom ASB.

Fehmarn –lb– Sie sind für uns da – die Menschen, die in systemrelevanten Berufen tätig sind. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr hielten sie den Laden am Laufen. Das FT hat sich einige Berufsfelder herausgepickt und hat mit den dort arbeitenden Menschen gesprochen. Zweiter Lockdown wie erster Lockdown? Was ist anders, welche Maßnahmen waren und sind nötig?

  • ASB: tagtäglich mit Infektionen zu tun – Pandemie ist schon was Anderes
  • Notwendige Anpassungen der Arbeitsabläufe und Verhaltensweisen
  • Physiotherapie: Lager aufgefüllt und Luftfilter im Einsatz

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Ostholstein ist für den Rettungsdienst auf Fehmarn verantwortlich. Dazu betreibt der ASB die neue Rettungswache in Petersdorf sowie eine Wache in Burg. „Der erste Lockdown hat uns kalt erwischt“, berichtet ASB-Geschäftsführerin Elke Sönnichsen. Man habe zwar tagtäglich mit Infektionen zu tun, jedoch sei eine Pandemie schon etwas Anderes, ordnet die Geschäftsführerin das Geschehen ein.

„Die wollen natürlich wissen, was wir noch auf der Wache haben"

Wöchentlich habe es neue Anforderungen, Empfehlungen und Auflagen gegeben, ob vom Rettungsdienst Holstein, dem Landesverband, vom Land oder dem Bund, erinnert sich die Geschäftsführerin an die notwendigen Anpassungen der Arbeitsabläufe und Verhaltensweisen. Zudem habe man in hoher Frequenz Abfragen zu Material und Personal vom Rettungsdienst Holstein erhalten. „Die wollen natürlich wissen, was wir noch auf der Wache haben, und ob wir Ausfälle durch Infizierte oder Personen in Quarantäne verzeichnen.“

Gerade die Materiallage und deren Beschaffung war im Frühjahr sehr problematisch. „Das war im ersten Lockdown noch eine Katastrophe“, ist die Lage laut der Geschäftsführerin des Regionalverbandes mittlerweile deutlich entspannter. Wenngleich sich die Lage teilweise schon wieder verschärft. „Mittlerweile sind Handschuhe wieder knapp“, sagt Sönnichsen nicht ohne Sorge.

Privater Spender unterstützen den ASB

Zudem musste bei der Materialbesorgung insgesamt ein Umdenken stattfinden. Was früher zeitnah besorgt werden konnte, dauert seit Pandemieausbruch deutlich länger. Selbst Firmen, die den ASB als Stammkunde haben, „wodurch man bevorzugt behandelt wird“, so Sönnichsen, empfehlen, für die Materialbestellung mindestens sechs bis sieben Wochen im Voraus aktiv zu werden. „Da muss man schon ein wenig horten“, bekennt Sönnichsen und weiß zugleich die vielen privaten Spenden an Mund-Nasen-Bedeckungen zu schätzen.

Und jetzt in Herbst und Winter? „Auf den zweiten Lockdown waren wir vorbereitet“, so die Geschäftsführerin und ergänzt: „Jetzt fällt es uns leichter, weil wir geübter sind“, reift in ihr gewissermaßen die Erkenntnis, dass das Arbeiten in der Pandemie ein Stück weit zum Alltag geworden sei.

Nichtsdestotrotz sei die Maskenpflicht schon anstrengend, denn während im Frühjahr der Rettungsdienst nur bei Patientenkontakt eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen habe, sei dies nun während des gesamten Wachdienstes, außer in den privaten Räumen, verpflichtend. Ab Dezember wolle der ASB eine strikte Wachtrennung vornehmen. Dann soll es eine feste Gruppe für Fehmarn und eine feste Gruppe für Heiligenhafen geben.

Fazit: „Es hat sich eingespielt, jedoch sehnt sich jeder nach dem Ende der Pandemie.“

„Die Patienten haben deutlich weniger Angst“

Auch die Physiotherapie „inbalance“ ist systemrelevant. „Wir konnten mit mehr Erfahrung an den zweiten Lockdown gehen“, erklärt Geschäftsführer Jacob Pack. So konnte das Lager zum Beispiel mit Desinfektionsmitteln und anderen wichtigen Utensilien aufgefüllt werden.

Jacob Pack, Geschäftsführer von „inbalance“.

Zusätzlich zum Lüften setzt „inbalance“ nun auf Luftfilter. „Das gibt unserer Erfahrung nach unseren Patienten ein zusätzliches Sicherheitsgefühl“, so Pack. Viren und Bakterien können aus der Umgebungsluft herausgefiltert werden. Die Angst weiche. Auch ist die Maskenpflicht bei „inbalace“ ohne Ausnahmen durchgesetzt worden. Einige wenige Patienten hätten hierfür leider kein Verständnis gehabt. „Es ist gesetzlich vorgeschrieben, und unsere Mitarbeiter können dafür nichts“, wirbt Pack um Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme. Zusätzlich zur Maske würden die Mitarbeiter auf Nachfrage ein Visier (Face Shield) tragen. Eine Möglichkeit der Behandlung aus der Ferne ist die Teletherapie.

„Die Patienten haben deutlich weniger Angst“, so die stellvertretende Geschäftsführerin Miriam Ide. Im Frühjahr sagten die Patienten ihre Termine vorsorglich ab, dies sei jetzt nicht mehr der Fall. Die Luftfilter habe das „inbalance“-Team den Patienten ausführlich erklärt. „Das hat den Patienten zu mehr Sicherheit und Vertrauen verholfen“, so die stellvertretende Geschäftsführerin.

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