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Fehmarn: Großes Kino mit „PinselPoeten“

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Von: Simone Walper

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Fehmarn Kino Kultur Kurzfilme
Birgit Kähler (l.) und Beate Burow freuen sich mit den Darstellern und Maskenbildner Fadi Wahbi (r.) über die gelungenen Filme. Leider konnten nicht alle Mitwirkenden dabei sein. © Simone Walper

Im Burger Film-Theater ist das Projekt „PinselPoeten“ gestartet. Gezeigt wurde eine Reihe von Kurzfilmen über bekannte Künstler von Fehmarn.

Fehmarn – Am Freitagabend mag das Wetter noch so ungemütlich gewesen sein, im Kino von Hans-Peter Jansen, der seinen Saal gern für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte, war es kuschelig und gemütlich. Alle Plätze, inklusive der Barhocker, waren belegt. So zollten die Fehmaraner der hiesigen Kunst und Kultur Respekt. Für diejenigen, für die es keinen Platz mehr gab, gibt es gute Nachrichten, denn eine Fortsetzung des Filmabends soll im neuen Jahr folgen.

Zum Auftakt des inselübergreifenden Kulturprojekts „PinselPoeten“, das sowohl die künstlerische Vergangenheit Fehmarns als auch die aktuelle und zukünftige ins Rampenlicht rücken möchte, haben der Ernst-Ludwig-Kirchner-Verein, FehmarnKultur und die Stadt Fehmarn mit der Flensburger Produktionsfirma „Bewegtbild“ eine Reihe von Kurzfilmen gedreht, die am Freitagabend gezeigt wurden. 

In vier Blöcken mit jeweils drei anderthalbminütigen Filmen tauchten die Zuschauer ein in die Welt vor rund 100 Jahren, als der Maler Ernst Ludwig Kirchner und die Schriftstellerinnen Charlotte Niese und Amalie Schoppe sowie der plattdeutsche Dichter Klaus Groth auf Fehmarn lebten und wirkten. 

Nach einem übergreifenden Imagefilm, der in das Projekt einführte, stand jeder weitere Film unter einem Motto. Im ersten Film über Ernst Ludwig Kirchner stand beispielsweise der Einfluss Vincent van Goghs auf seine Bilder im Vordergrund: Kirchner malt Emi Frisch (Frau im weißen Kleid). Sie und ihr Bruder Hans hatten den Maler 1908 zum ersten Mal mit auf die Insel genommen. 

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Mit einem gut gefüllten Kinosaal zollten die Besucher der Kunst und Kultur auf Fehmarn Respekt. © Simone Walper

Charlotte Niese und Amalie Schoppe präsentierten sich im Senator-Thomsen-Haus, Klaus Groth im Garten des Landkirchener Pastorats. 

Das Besondere an den Kurzfilmen ist, dass ausschließlich Fehmaraner mitgewirkt haben: Marco Eberle (Ernst Ludwig Kirchner), Rosemarie Westensee (Charlotte Niese), Beate Burow (Amalie Schoppe), Oliver Meß (Klaus Groth), Michael Kirchner (Postbote), Finja Stüben (Emi Frisch), Dagmar Prange (Erna Schilling, Lebensgefährtin Kirchners), Uwe Westensee (Müller der Lemkenhafener Mühle, „Jachen Flünk“) sowie drei Mädchen aus Kathrin Karks Flötengruppe. 

Maskenbildner Fadi Wahbi hat sein Bestes gegeben und die Schauspieler perfekt für „ihre“ Zeit hergerichtet. 

Es war nicht nur großes Kino und absolut sehenswert, man konnte auch so einiges lernen. Zum Beispiel, dass Klaus Groth als Erster die plattdeutsche Sprache in gedruckter Form veröffentlicht hat, Amalie Schoppe nicht nur Autorin von Kindererzählungen und Romanen, sondern auch von Kochbüchern und Zeitschriften war oder Charlotte Niese über 100 Bücher geschrieben hat. Ernst Ludwig Kirchner hat Architektur und gar nicht Kunst studiert. 

Neben der großartigen Leistung der Darsteller ist auch die jeweilige Einblendung von Kirchners Bild in die passende Szene, in welcher der Maler vor Ort über sein Motiv und seine Umsetzungsideen spricht, sehr gut gelungen.

Neben der EU, die das gesamte Projekt im Rahmen des Interreg-Projektes React 1.2 fördert (wir berichteten), gehören auch die VR Bank sowie der Ernst-Ludwig-Kirchner-Verein zu den Sponsoren. „Der Ernst-Ludwig-Kirchner-Verein hat maßgeblich zu der Entstehung des Projekts beigetragen“, sagte Projektleiterin Beate Burow, die keinen Hehl daraus machte, dass alle Beteiligten über die große Anzahl an Kinobesuchern überrascht und sehr erfreut waren.

„PinselPoeten“ auf dem Fahrrad entdecken

Sie erklärte die Hintergründe des EU-Projekts. Voraussetzung für die Förderung sei, dass man rad- touristische Produkte entwickele – und dazu gehöre die Radtour „PinselPoeten“ –, dass man in der Region Netzwerke schaffe und bestehende integriere. Und so kam schon vor einiger Zeit die Idee auf, das Radfahren auf der Insel mit ihrer Kultur zu verbinden. Bereits in einem früher geförderten Projekt war eine Fahrradkarte mit künstlerischen Anlaufstellen entstanden. „Die Idee jetzt war es“, so Beate Burow, „zu zeigen, welche Künstler hier auf Fehmarn gelebt und gewirkt haben. Darum haben wir eine Route gestrickt. Auf der Radkarte wird es zu verschiedenen Stationen einen QR-Code geben, unter welchem die Kurzfilme hinterlegt sind.“ Auch hat das frühere Vorstandsmitglied des Ernst-Ludwig-Kirchner-Vereins, Imke Ehlers, vier Audiofiles zu Kirchners Leben und Werk sowie über die Brücke-Künstler, die auch alle auf Fehmarn waren, aufgenommen. Diese seien auch per QR-Code abrufbar, so Birgit Kähler vom Ernst-Ludwig-Kirchner-Verein.

Weiter ließ Beate Burow wissen, dass nicht nur verstorbene Künstler bei der Radtour berücksichtigt würden, sondern auch aktive, die auf Fehmarn leben und arbeiten. Den Kontakt zu diesen hat Claudia Czellnik von FehmarnKultur hergestellt. Sie zeichnet auch für das Logo der „PinselPoeten“ verantwortlich.

Das Logo soll auf der neuen Fahrradbeschilderung, die auf Fehmarn aufgestellt werden soll, zu sehen sein. Auch für die weitere Zukunft haben die Beteiligten einige Ideen parat: Ein Radwanderpass, der Mönchsweg als regionale und der Ostseeküstenradweg als überregionale Route sowie die Fahrradfreunde (Pannenhelfer) sollen mit in die Karte integriert werden für ein umfassendes Radtourenerlebnis. 

Ideen, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen, sind ein Booklet, in welchem die Infos von „PinselPoeten“ in Printform erhältlich sein sollen, sowie ein interaktives Quiz. Ebenso sollen alle Inhalte auch per App abrufbar sein.

Für alle aktiven Künstler auf Fehmarn besteht die Möglichkeit, selbst kleine Videos zu drehen, die ebenfalls mit einem QR-Code in die neue Fahrradkarte integriert werden. Wer ein solches Video hat, kann es bis 31. Januar 2023 Beate Burow zur Verfügung stellen.

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