Ulrike Hübner und Christian Muus vor der Erholungsstätte
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Ulrike Hübner konnte den Tourismusausschussvorsitzenden Christian Muus am Infostand vor der Erholungsstätte am Meeschendorfer Strand begrüßen.

„Hotel zu groß und zu wuchtig“

Fehmarn: „Hotel zu groß und zu wuchtig“

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Am 18. April (Sonntag) gibt es den dritten Bürgerentscheid in der Inselgeschichte. Die Fehmaraner stimmen über den geplanten Hotelneubau in Meeschendorf ab. Die Gegner des Projekts werben noch einmal kräftig für ihr Anliegen, die Planungen zu stoppen.

  • Erste öffentliche Aktitivität des neuen Tourismusausschussvorsitzenden Christian Muus.
  • Hotel passe mit 17,50 Meter Höhe nicht in die Umgebung.
  • Mit Einstellung der Bauleitplanung Hotel laut Stadt nicht realisierbar.

Fehmarn – Die Bürgermeisterwahl ist seit zwei Wochen Geschichte, doch in zwölf Tagen geht es für die Fehmaraner erneut an die Wahlurne, wenn im Rahmen eines Bürgerentscheids über den geplanten Hotelneubau am Meeschendorfer Strand entschieden wird. Die Gegner des Projekts werben in den letzten Tagen vor der Abstimmung noch einmal kräftig für ihr Anliegen, die Planungen zu stoppen. So war Ulrike Hübner als Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens am Ostersonntag direkt vor Ort, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Dieses suchte auch der neue Tourismusausschussvorsitzende Christian Muus (CDU), der überraschend am Infopunkt vorbeischaute.

Muus: Immer das direkte Gespräch suchen

Für ihn, der erst vor knapp zwei Wochen von der Stadtvertretung als Nachfolger von Raphael Ackermann an die Spitze des Fachausschusses gewählt worden war, sei es die erste öffentliche Aktivität als Tourismusausschussvorsitzender gewesen, erläuterte Muus gegenüber dem FT. Zur eigenen Meinungsbildung sei es immer gut, das direkte Gespräch zu suchen, sagte Muus, der den Austausch mit Ulrike Hübner als angenehm sachlich bezeichnete.

Als einen weiteren Gesprächspartner bei wenig frühlingshaften Temperaturen konnte Ulrike Hübner mit Artur Rüger den ehemaligen Einrichtungsleiter der Erholungsstätte des Kreises Hersfeld-Rotenburg begrüßen. 

Hier, wo nun das JUFA-Familienhotel entstehen soll, hat Artur Rüger 24 Jahre – 1994 bis 2018 – die Geschicke des Hauses mitgeprägt.

Die Einrichtung könnte in dieser Form weitergeführt werden.

Artur Rüger, ehemaliger Einrichtungsleiter der Erholungsstätte

Für ihn steht fest: „Die Einrichtung könnte in dieser Form weitergeführt werden.“ Schon damals habe er Konzepte erarbeitet, wie die Anlage einer breiteren Nutzung hätte zugeführt werden können, machte er deutlich. Es sei natürlich keine Frage, dass der Komplex saniert werden müsse. „Der Sanierungsstau ist vorhanden.“ Mit der Sanierung sei bei laufendem Betrieb zwar begonnen, sie aber wieder eingestellt worden, so Rüger. Was folgte, ist bekannt: Der Kreis Rotenburg-Hersfeld als Eigentümer des Areals, der nach eigenen Angaben von 2007 bis 2016 insgesamt ein Minus von rund 610000 Euro ausgleichen musste, stellte den Betrieb ein und gab der JUFA-Hotelgruppe den Zuschlag, das Gelände über ein Erbbaurecht nutzen zu können, um hier ein Familienhotel zu errichten.

Familien als Zielgruppe nach Fehmarn zu holen, sei ja nicht falsch, so Ulrike Hübner, doch die Art und Weise, dies mit einem Hotel in dieser Größenordnung an dem Standort umzusetzen, das gehe nicht. „Das Hotel ist zu groß und zu wuchtig“, moniert Hübner und verweist auf eine maximale Gebäudehöhe von 17,50 Meter über Normalhöhennull (NHN). Das passe sich nicht in die Umgebung ein und beeinträchtige bezüglich der Verschattung auch den östlich angrenzenden Campingplatz.

Praktisch in einem Atemzug verweist sie auf die Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde im Rahmen des Beteiligungsverfahrens: „Aus naturschutzfachlicher Sicht bestehen erhebliche Bedenken daran, dass sich ein Hotel in der geplanten Größenordnung und Höhe in die Umgebung und das Landschaftsbild an der Meeschendorfer Küste einfügt.“

Doch die Bedenken die die Projektgegner vorbringen, sind wesentlich umfassender und letztendlich auch grundsätzlicher Natur, wenn es darum geht, nachhaltigen und sanften Tourismus zu fördern. 

So beklagen sie weitere Aspekte. Beispielsweise die Bettenzahl, die bei der Erholungsstätte 192 betragen hat. In der politischen Diskussion sei immer gesagt worden, dass sich diese Zahl nicht erhöhe, nun liege sie bei deutlich über 200. Hübner spricht von einer rund 30-prozentigen Steigerung der Übernachtungskapazitäten.

Parallel dazu stelle sich das Problem der Parkplätze.  Die Planungen würden nur 48 Stellplätze auf dem Gelände vorsehen, zusätzlich benötigte Stellplätze sollen über angemietete öffentliche Parkplätze abgedeckt werden. Eine Überlastung der Infrastruktur und fehlende öffentliche Parkplätze in der Saison seien unausweichlich, ist Ulrike Hübner überzeugt. Und auch Artur Rüger, der die Situation am Meeschendorfer Strand im Hochsommer wie kaum ein Zweiter aus eigener Erfahrung kennt, sieht die Parkplatzsituation äußerst kritisch und gibt zu bedenken, dass vor allem auch der Lieferverkehr auf dem Hotelgelände ausreichend Platz benötige.

Bei dem Argument der Investoren, es würden Ganzjahresarbeitsplätze geschaffen, sollte laut Hübner etwas genauer hingeschaut werden, denn schon jetzt fehlten im touristischen Bereich häufig Arbeitskräfte. Kritik übt sie zudem an der Größe des geplanten Indoor-Spielbereiches in einer Größenordnung von 100 Quadratmetern. „Zehn mal zehn Meter ist nicht viel, wenn man vergleicht, dass der Wellnessbereich rund drei Mal so groß sein soll.“

Sollte der Bürgerentscheid im Sinne der Initiatoren erfolgreich sein und die Planungen für das Hotelprojekt gestoppt werden müssen, gebe es aus Sicht von Ulrike Hübner weiterhin die Möglichkeit, das Areal in kleinerem Rahmen entwickeln zu können. Die vom Investor geäußerte Befürchtung, die Einstellung der Hotelbaupläne würde eine Bauruine zur Folge haben, sehe sie mit Verweis auf das Entwicklungspotenzial nicht.

Die Stadt Fehmarn geht in ihrer Bewertung der Situation allerdings davon aus, dass mit der Einstellung der Bauleitplanung ein Hotelprojekt an diesem Standort kaum mehr möglich sein werde, da die Übergangsfrist für ein Bauverbot im 150 Meter breiten Gewässerrandstreifen am 23. Juni 2021 ausläuft. Diese Einschätzung teilt auch der neue Tourismusausschussvorsitzende Christian Muus.  

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens sind mit ihrem Anliegen unter www.meeschendorferstrand.de mittlerweile mit einer eigenen Webseite vertreten.   

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