Johannes Bethcke und Lorenz Holl sitzen auf ihren Fahrrädern
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Machen sich schon einmal fit für die Radeltouren: Herbergsvater Johannes Bethcke (l.) und Bufdi Lorenz Holl, der die Touren begleiten.

Burger Jugendherberge im Lockdown

Leer – aber erreichbar

  • Nicole Rochell
    vonNicole Rochell
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Mit dem zweiten Lockdown musste auch die Jugendherberge auf Fehmarn wieder schließen. Das Team um Herbergsvater Johannes Bethcke ist dennoch erreichbar.

  • Stillstand beim Kerngeschäft: Bewirtung von Übernachtungsgästen.
  • Herbergsteam arbeitet an einem aktuellen Programm.
  • Vier Jugendherbergen im Land werden zu Impfzentren.

Fehmarn – Leere Betten. Keine Gäste. Coronabedingt sind Übernachtungen zu touristischen Zwecken in ganz Deutschland nach wie vor nicht erlaubt. Das stellt die Jugendherbergen im Land vor erhebliche Probleme. Auch auf Fehmarn. Die Wiederbelebung des Slogans „Gemeinschaft erleben“ muss noch immer warten. 

Das Team ist in Kurzarbeit. Eine Basiserreichbarkeit ist zwar vorhanden, Buchungen, Stornierungen oder Anfragen können vorgenommen werden, aber was das eigentliche Kerngeschäft anbelangt, die Bewirtung von Übernachtungsgästen – vornehmlich Klassenfahrten und Gruppenreisen –, herrscht Stillstand. Nicht so in der Ideenschmiede von Herbergsvater Johannes Bethcke und seiner Mannschaft. Schlag auf Schlag gehen gegenwärtig Gedanken und Überlegungen vom Band, wie das 182-Betten-Haus in der Burger Mathildenstraße nach der Einschränkung des öffentlichen Lebens wieder schnell Fahrt aufnehmen kann. Momentan arbeitet das Herbergsteam an einem aktuellen Programm. So sieht das brandneue Himmelfahrts-Special unter dem Motto „Eine Insel an drei Tagen“ Schlemmen und Radfahren vor. Herbergsvater Johannes Bethcke, der bereits jetzt im Trainingslager ist und eifrig in die Pedale tritt, um für Mitte Mai für seine Touren auf dem Fahrradsattel fit zu sein, lädt die Radelfreunde dann dazu ein, seine Lieblingsinsel auf dem Stahlross zu erkunden. Bei der ersten Etappe geht‘s von der Süd- zur Ostküste. Die Fahrt endet in Puttgarden. Von dort aus geht es am nächsten Tag von der Nord- zur Westküste. Die dritte Etappe führt von Bojendorf zum Wasservogelreservat Wallnau. Weiter geht es entlang schöner Strände und beliebter Surfspots (Gold und Sulsdorfer Wiek) auch an der fotogenen Sundbrücke vorbei. Die drei persönlichen Lieblings-Insel-Fahrradtouren sind mit ihren 40 bis 50 Kilometern am Tag für Radfahrer mit normaler Kondition geeignet. Abends werden die verbrauchten Kalorien wieder aufgefüllt. Mit Schlemmereien vom Grillbüfett werden die Gäste verwöhnt. Auch an Ostern gibt‘s Programm: „Ostern op‘n Knust“ (vom 1. bis 5. April) hält eine Inselrundfahrt mit dem quietschgelben US-Schoolbus, eine Stadtrallye, eine Fischermahlzeit als Abendbüfett, Osterlagerfeuer mit Punsch und Stockbrot und Osterbrunch vor. Auf Wunsch wird eine geführte Fahrradtour nach Katharinenhof (rund 30 Kilometer) mit Herbergsvater Johannes Bethcke angeboten. Der ist froh, zumindest schon einmal wieder Aktivitäten in Aussicht zu haben. Müssen nur das Virus und die aus Sicherheitsgründen verhängte staatlich angeordnete und durchgesetzte Einschränkung des öffentlichen Lebens, kurz, die Lockdown-Bestimmungen, mitspielen. Aber Bethcke hat die Hoffnung auf Besserung noch nicht aufgegeben. Und auch Katharina Pauly, Sprecherin des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), Landesverband Nordmark, hat bereits Übung darin, sich in Geduld zu fassen. „Wir versuchen uns zu motivieren und hoffen, wenn es wärmer wird, auf bessere Zeiten“, so Pauly.

Bethcke und Team in den Startlöchern

Die ersten Anfragen für Ostern und Himmelfahrt seien bereits eingegangen, so Johannes Bethcke. Und beide, Katharina Pauly und er, sind sich sicher, dass der Nachholbedarf riesig sein werde, wenn erst einmal wieder gereist werden dürfe. Hinter den Kulissen machen sich Bethcke und Team schon startklar für die Saison und die Klassenfahrten, die, so Pauly, rund 40 Prozent des Geschäfts ausmachten. So setze derzeit insbesondere der Wegfall des Klassenfahrtgeschäfts den etwa 450 im DJH organisierten Betrieben zu. Davon können auch sämtliche 39 Jugendherbergen in Schleswig-Holstein sowie zwei in Hamburg und vier in Nordniedersachsen, die unter Trägerschaft des Landesverbandes Nordmark des Deutsches Jugendherbergswerks geführt werden, ein Lied singen. 

Und sollte erst einmal gereist werden dürfen, wird sich vermutlich auch die Verschiebung der Gästegruppen, die im vergangenen Jahr registriert wurde, wieder ausgleichen. Statt Schulklassen waren 2020 hauptsächlich Familien in den Jugendherbergen anzutreffen, so Katharina Pauly. 

Fit für die Schüler, die bald wieder kommen mögen, ist die Burger Jugendherberge bereits. Dazu zählten ein erweitertes Hygienekonzept und kontaktarme Aktivitäten, so Pauly. Die Klassen, wenn wieder welche kommen, bleiben in ihrem Klassenverbund, es gebe erlebnispädagogische Programme, die dazugebucht werden könnten, und viel passiere an der frischen Luft.

In der Burger Jugendherberge freuen sich schon alle wieder darauf, das muntere Geplapper aufgedrehter Schülergruppen zu hören, das irgendwann hoffentlich wieder aus den jetzt noch leeren Zimmern und über die momentan noch verwaisten Gänge hallen wird. Derzeit: ungewohnte Ruhe. 

Einigen Jugendherbergen im Land ist das erspart geblieben. Die Jugendherbergen Bad Oldesloe, Plön, Schönberg und Niebüll sind bereits oder werden zu Impfzentren. 120 gestrandete Seeleute aus der Südsee sitzen seit Oktober in Hamburg fest und sind in der Jugendherberge Horn untergekommen. In Flensburg hat eine Seminargruppe einer Marineschule die Jugendherberge mehrere Monate zur Offiziersausbildung genutzt. „Als gemeinnütziger Anbieter sind wir bereit, auch außerhalb unseres sonstigen Alltags Verantwortung zu übernehmen“, so Stefan Wehrheim, Geschäftsführer des nördlichsten Landesverbands im Deutschen Jugendherbergswerk.

Tugend ist unsere Flexibilität, und die wird nach wie vor gefragt sein.

Katharina Pauly, Sprecherin des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), Landesverband Nordmark

Jetzt heiße es wieder mal abwarten, wie sich die Situation entwickele. „Tugend ist unsere Flexibilität, und die wird nach wie vor gefragt sein“, so Katharina Pauly. „Von uns und unseren Gästen“, sagt sie und meint damit nicht zuletzt auch die Bereitschaft der Gäste, in andere Zeiträume zu gehen: in die Nebensaison, um somit möglichst vielen Anfragen gerecht werden zu können und die ganze Situation ein wenig zu entzerren, sollte das Reisefenster erst einmal wieder uneingeschränkt geöffnet sein. 

Leere Zimmer. Keine Gäste. Noch immer sind Übernachtungen zu touristischen Zwecken nicht erlaubt.

„Wir hoffen, dass das kooperativ ablaufen wird. Auf beiden Seiten“, so Pauly, die allerdings recht zuversichtlich ist, dass das klappen könnte und auch die Jugendherberge auf Fehmarn, sofern es die Infektionslage hergebe, der Situation gwachsen sein werde. Zumindest tue Johannes Bethcke bereits jetzt sein Übriges und feile schon emsig an Programmen für die Adventszeit und rund um Silvester.

Und dennoch: Der Gedanke an die Schließung einiger Jugendherbergen sei nicht gänzlich von der Hand zu weisen. „Das hängt davon ab, wie sich die nächsten Monate entwickeln“, wobei es auf die Förderkulisse ebenso ankomme wie auf die Einschränkungen für Reisen und wie sich Schulen und Bildungsministerien positionierten, so Katharina Pauly. 

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