Stadtjugendpfleger Michael Likus am Billardtisch
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Am Ort des sozialen Lernens: Stadtjugendpfleger Michael Likus am Billardtisch im Erdgeschoss des Jugendcafés.

Zweite Planstelle ist operatives Ziel

Jugendsozialarbeit ist Prävention: Fehmarns Stadtjugendpfleger wünscht sich Unterstützung

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Die Politik hat es auf dem Zettel, das Kinder- und Jugendparlament wünscht es sich, und auch Stadtjugendpfleger Michael Likus hofft darauf: eine zweite Stelle in der Jugendpflege. Möglichst eine Frau.

  • Stadtjugendpfleger hofft auf Unterstützung.
  • Klassische Arbeit eines Jugendzentrums um aufsuchende Arbeit erweitern.
  • Kinder- und Jugendparlament kurbelt politischen Prozess für zweite Planstelle an.

Fehmarn – Eine zweite Stelle in der Jugendpflege, möglichst eine Frau neben Michael Likus, wünscht sich das Kinder- und Jugendparlament der Stadt Fehmarn, wie die Vorsitzende Leah Schmidt bei der jüngsten öffentlichen Sitzung ohne Umschweife betonte. „Mit einer zweiten Stelle bestehen viel mehr Möglichkeiten, sich mit den Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen.“ Eine Person könne sich logischerweise nicht zeitlich und thematisch um alles kümmern.

Seit 22 Jahren ist Michael Likus Jugendsozialarbeiter auf Fehmarn. „Jugendarbeit ist für mich mehr Mission als Profession“, sagt Likus gegenüber dem FT. Sein Ziel sei es, alle Kinder und Jugendliche zu erreichen. „Das ist nach wie vor mein Anspruch. So ticke ich.“ Gleichzeitig habe er die Grenzen seiner Arbeit immer wieder sehen müssen.

Aufsuchende Arbeit muss verstärkt werden

Likus sprach zuletzt in der öffentlichen Sitzung des Kinder- und Parlaments von einer „aufsuchenden Arbeit“. Die klassische Arbeit des Jugendzentrums sei überholt, sagte er am Montag gegenüber dem FT, will aber nicht falsch verstanden werden. „Das Jugendcafé, wo aktives, soziales Lernen stattfindet, ist wichtig, aber wir müssen es auch mit Leben füllen.“ Fehmarn sei groß, nicht alle Kinder und Jugendlichen hätten ohne Weiteres die Möglichkeit, nach Burg zu kommen. „Wir müssen sie aufsuchen, müssen sie abholen“, erklärte Likus in der Mensa der Inselschule.

Das Angebot im Jugendcafé ist vielfältig

Das Angebot im Jugendcafé (Ecke Mühlenstraße und Hinterm Kirchhof) ist vielfältig. „Gesellschaftsspiele ohne Ende“, ist Likus froh und erzählt, dass Sieben- oder Achtjährige zusammen mit 21- oder 22-Jährigen an einem Tisch Gesellschaftsspiele spielen würden. „Das fördert soziale Kompetenzen“, so der Stadtjugendpfleger. Auch das Angebot an Konsolenspielen (Playstation 4, XBox One), über einen Beamer projiziert, könne sich sehen lassen, so der Pädagoge, der auch den Billardtisch, den professionellen Kickertisch sowie Carrera und Anki-Overdrive-Bahn nicht unerwähnt lässt.

Unterm Dach ist was los: Ob für Hausaufgaben, zum Musikmachen, zum Diskutieren oder für andere kreative Dinge.

Unterm Dach wird‘s kreativ

Unterm Dach befindet sich ein Multifunktionsraum. Die Skate-AG, die Kreativ-AG fürs Jugendcafé oder das Kinder- und Jugendparlament treffen sich hier. „In der zweiten Jahreshälfte soll es auch wieder Schulhilfeprojekte geben“, hofft der Diplom-Sozialpädagoge auf Besserung nach einer langen Corona-Durststrecke. Auch für die Hausaufgaben oder einfach zur Recherche und zum Lernen wird der Raum genutzt. „Musik wird hier auch gemacht‘‘, so Likus, der sich darüber freut, dass zwei alte Computer vom Tourismus-Service Fehmarn das momentane Angebot an PC-ARbeitsplätzen verdoppeln wird.

Zwar werde mithilfe der Unterstützung des Bürgerbus-Vereins, die seit Jahren Fahrzeuge zur Verfügung stellen würden, und dem „Inselmobil“, einem Neunsitzer, bereits in die Richtung gearbeitet, aber: „Es ist mehr leistbar, wenn die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird“, so der Stadtjugendpfleger. Er wisse natürlich, dass eine zweite Stelle Geld koste. Geld, das aufgrund der Auswirkungen der Pandemie knapp sei. Dennoch ist sich Likus sicher: „Es bedarf einer Erweiterung. Es ist ein Muss.“ Für den Diplom-Sozialpädagogen ist die präventive Arbeit das A und O, denn: „Die teuerste Jugendhilfe ist am Ende der Jugendstrafvollzug.“

Rückendeckung vom politischen Nachwuchs 

Rückendeckung gibt es vom Kinder- und Jugendparlament, das einen entsprechenden Antrag für den zuständigen Ausschuss einstimmig beschlossen hat. „Wird eine zweite Stelle geschaffen, ist viel mehr möglich – auch an Tagen, an denen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule müssen“, sagte Leah Schmidt. Parlamentsmitglied Nico Paulsen nannte als Beispiel die Ferienzeit. „Dann haben Kinder und Jugendliche viel Zeit.“ In den Frühjahrs-, Herbst- und Weihnachtsferien Angebote zu machen, wäre natürlich mehr als sinnvoll, so Likus, der in dieser Zeit seinen Urlaub nimmt. „Die Sommerferien sind glücklicherweise mit viel Programm bestückt.“

Für Einzelgespräche und als Büro: Im ersten Stock hat Michael Likus ein kleines Arbeitszimmer.

Politik will Jugendarbeit auf Fehmarn stärken

Die Jugendarbeit dauerhaft zu stärken, gehört zu den Strategischen Zielen der Stadt Fehmarn, also dem roten Faden für die Politik, wie eine positive Entwicklung für Fehmarn zu erreichen ist. Konkret leitet sich daraus sogar das operationale Ziel ab, eine zweite Planstelle in der Jugendpflege zu schaffen, indem im Haushaltsplan für 2022 die notwendigen Voraussetzungen für eine Ausschreibung geschaffen werden. Die Nachwuchspolitiker sind mit ihrer Forderung also ganz nah dran an der großen Politik.

Stelle könnte frühestens in einem Jahr besetzt werden

Was passiert jetzt mit der einstimmigen Beschlussfassung des Kinder- und Jugendparlaments? Zunächst gehe die Empfehlung in den Ausschuss für Kultur, Schule, Sport und Soziales, erklärt Bürgermeister Jörg Weber das Prozedere. „Entscheidet sich der Ausschuss für die Schaffung einer zweiten Stelle für die Jugendpflege, muss anschließend der Finanzausschuss der Stelle im Stellenplan für die Haushaltsplanung 2022 zustimmen.“ Danach bräuchte es die abschließende Zustimmung der Stadtvertretung, so der Verwaltungschef. Stimmt dann noch, meist im Februar/März, die Kommunalaufsicht der Haushaltsplanung zu, kann die Stelle ausgeschrieben werden.

Ergo: Wenn die Politik für eine zweite Stelle in der Jugendpflege stimmt, dann wird diese, wenn alles reibungslos verläuft – also zügig eine Fachkraft gefunden wird – frühestens in einem Jahr besetzt werden können.

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