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Fehmarn: Linus Erdmann ist neuer DGzRS-Botschafter

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Von: Lars Braesch

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Fehmarn Linus Erdmann Seenotrettungsübung
Fehmarns Kitesurfprofi Linus Erdmann lässt sich bei einer Seenotrettungsübung vor Cuxhaven vom Seenotrettungsboot „Gillis Gullbransson“ retten. © Jörg Sarbach

Mit einer Seenotrettungsübung vor Cuxhaven stellte die DGzRS mit dem Kitesurfprofi Linus Erdmann ihren neuen Botschafter vor. Der Wassersportler kommt von Fehmarn.

Cuxhaven/Fehmarn – Fehmarns Kitesurfprofi Linus Erdmann wird neuer Botschafter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Der 26-jährige Wassersportler aus Petersdorf tritt damit die Nachfolge von Barbara Wussow an. Die aus der beliebten Fernsehserie „Das Traumschiff“ bekannte Schauspielerin nahm beim Hamburger Hafengeburtstag an einer Übung mit dem Seenotrettungskreuzer „Hamburg“ (Station Borkum) teil und berichtete im Fernsehen über ihr Engagement für die DGzRS. Auf dem neuen „Traumschiff“, der „Artania“, auf der im vergangenen Jahr erstmals gedreht wurde, stellte sie am Rande der Dreharbeiten ein Sammelschiffchen auf. 

 Die allseitige Freiwilligkeit beeindruckt sie besonders: „Ich bin fasziniert, dass Menschen, die bei der Post, beim Frisör oder wo auch immer arbeiten, alles stehen und liegen lassen, wenn sie alarmiert werden, und ihre Ausrüstung schnappen, um Menschen aus Seenot zu retten – bei jedem Wetter, rund um die Uhr. Aber: Die Menschen an Land sind genauso wichtig. Ohne ihre Spenden geht es nicht.“ Kitesurfprofi Erdmann ist bereits der 24. Prominente, der das Botschafter-Ehrenamt der Seenotretter übernimmt. Die Reihe begann im Jahr 2000 mit Liedermacher Reinhard Mey.

Niemand sollte beispielsweise allein oder bei ablandigem Wind auf See hinausgehen

Linus Erdmann, Botschafter der DGzRS

Mit einer Seenotrettungsübung vor Cuxhaven am Dienstag stellte die DGzRS ihren neuen Botschafter vor. „Glücklicherweise bin ich in den 16 Jahren, in denen ich diesen Sport betreibe, bisher nicht in Not geraten oder verletzt worden. Kitesurfen ist sehr sicher, wenn man weiß, was man tut. Niemand sollte beispielsweise allein oder bei ablandigem Wind auf See hinausgehen. Doch trotz größter Umsicht und bester Vorbereitung kann Wassersportlern wie uns, aber auch allen Seeleuten schnell etwas Unvorhergesehenes passieren“, sagt der gebürtige Hamburger und Wahl-Fehmaraner.

Fehmarn Linus Erdmann DGzRS Botschafter
Der Kitesurfprofi Linus Erdmann ist 2023 Botschafter der DGzRS. © Jörg Sarbach

Es sei sehr beruhigend zu wissen, dass die Seenotretter auf See für alle gleichermaßen da sind und niemanden alleinlassen. „Die auffälligen Rettungseinheiten der DGzRS vermitteln bereits von Weitem viel Sicherheit. Aber das sollte uns auch stets Ermahnung sein, dass es da draußen immer Risiken geben wird, die größer und stärker als der Mensch sind.“

Der starke Tidenhub und die heftige Strömung in der Fahrrinne haben mich etwas nach rechts abdriften lassen

Linus Erdmann, Botschafter der DGzRS

Ganz früh morgens begann für Erdmann der Tag an der Nordsee. Mit einem 13,5 Quadratmeter großen Schirm ging der Kitesurfprofi bei vier bis fünf Windstärken bei Flut aufs Wasser. Nicht gerade gute Bedingungen zum Kitesurfen. Die Nordsee war sieben Grad kalt. „Der starke Tidenhub und die heftige Strömung in der Fahrrinne haben mich etwas nach rechts abdriften lassen“, berichtete Erdmann. Sein Material habe er vor der Rettung zusammenraffen müssen, was sehr anspruchsvoll gewesen sein soll. „Wir wollten einmal demonstrieren, wie ein Kiter gerettet wird“, so der neue DGzRS-Botschafter. Durch den Neoprenanzug sei dabei „frieren nicht angesagt gewesen“. Von den Seenotkreuzern „Hermann Marwede“ (Station Helgoland) und „Anneliese Kramer“ (Station Cuxhaven) konnte die Seenotrettungsübung verfolgt werden. Das Seenotrettungsboot „Gillis Gullbransson“ von der Station Brunsbüttel nahm Erdmann samt Material an Bord.

Der Startschuss für die einjährige Botschaftertätigkeit von Linus Erdmann war damit gefallen. 

„Als Botschafter lese ich die Statistiken vor“, erklärte Erdmann. Weiterhin stehen noch einige Termine an, bei denen der achtfache deutsche Meister im Kitesurfen vor Ort sein wird. „Auch an den einzelnen Spots wollen wir Aufklärung betrieben, um den Kite- und Wassersport sicherer zu machen. Wie verhält man sich richtig bei Seenot. Ein vorgegebenes Protokoll ist dabei hilfreich“, meint der Kitesurfprofi. 

Linus Erdmann ist beim „Master of the Ocean“ dabei

2023 stehen für Linus Erdmann auch international ein paar Wettkämpfe an. So reist der Insulaner vom 23. bis zum 28. Februar in die Dominikanische Republik. In Cabarete findet der „Master of the Ocean“ statt. Bei dieser Meisterschaft treten die Wassersportler in den Disziplinen Windsurfen, Wellenreiten, Stand-up-Pad-deln (SUP), Wingfoilen und Kitesurfen an. In jeder Disziplin wird ein Sieger ermittelt. Wer in vier der fünf Disziplinen das beste Ergebnis erzielt, darf sich „Master of the Ocean“ nennen. Im Team startet der 26-Jährige für das Team „Condor“. 

Vom 31. August bis 3. September möchte Erdmann wieder das „Children of the Sea Kite Festival“ am Grünen Brink ausrichten. In der Disziplin Freestyle soll der Titel beim Heimspiel nach Möglichkeit verteidigt werden. 

37 Einsätze in Puttgarden

Am Rande der Vorstellung von Linus Erdmann als Botschafter zog die DGzRS Bilanz über 2022 (wir berichteten). 

An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins waren die Seenotretter 642 (2021: 683) Mal im Einsatz für 967 (1096) Menschen. Sie retteten 39 (28) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 116 (114) aus Gefahrensituationen. Auf die Station Puttgarden entfallen davon 37 Einsätze (15). 54 (zwölf) Menschen waren auf Hilfe durch die DGzRS angewiesen. 13 (eine) Personen wurden aus Seenot gerettet oder aus drohender Gefahr befreit. 

Auf der Station Großenbrode ging die Einsatzzahl von 66 auf 59 zurück. 81 Menschen (102) benötigten Hilfe. Die Zahl der Geretteten sank von 17 auf 15. 

Auch in Heiligenhafen ist die Einsatzzahl von 54 auf 49 gesunken. 54 (88) Menschen waren auf Hilfe der Seenotretter angewiesen. Personen mussten von der Station nicht gerettet werden. 

„Aufgrund von Bauarbeiten im Fährhafen Puttgarden lag unser Seenotrettungsboot ‚Romy Frank‘ im vergangenen Jahr einige Monate lang im Hafen von Burgstaaken. Entsprechend hat es einige Einsätze übernommen, die unter anderen Umständen der Seenotrettungskreuzer „Bremen“ der Station Fehmarn/Großenbrode gefahren hätte“, teilte DGZRS-Pressesprecher Christian Stipeldey auf Nachfrage mit. 

Mehr als 25000 Menschen haben sich 2022 am Tag der Seenotretter, dem letzten Sonntag im Juli, über die Arbeit der DGzRS auf Nord- und Ostsee informiert. Nach zweijähriger pandemiebedingter Pause mit ausschließlich Onlineprogramm demonstrierten die Seenotretter an ihrem Aktionstag erstmals wieder unmittelbar an der Küste ihre Technik, Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Nächster Tag der Seenotretter ist am 30, Juli (Sonntag) – zum 25. Mal.  

Durchschnittlich 30 Jahre lang sind die Rettungseinheiten der DGzRS im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee. 

Entsprechend müssen die Seenotretter ständig ältere Seenotrettungskreuzer und -boote durch moderne Neubauten ersetzen. „Zweckgebundene Erbschaften helfen uns dabei ebenso wie die beständige Spendenbereitschaft vieler einzelner Menschen im ganzen Land, die zusammen Großes bewirken“, erläutert DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

 2022 ist das neue Trainingsboot „Christoph Langner“ der 8,9-Meter-Klasse zur ständigen Aus- und Fortbildung in Dienst gestellt worden. Es ergänzt die kleine Trainingsflotte der Seenotretter in Neustadt. Zwei Seenotrettungsboote mit den internen Bezeichnungen SRB 84 und SRB 85 für die Rettungsflotte der DGzRS sind im Bau und werden 2023 abgeliefert. Es handelt sich dabei um eine weitere 10,1-Meter-Einheit für die Station Neuharlingersiel und das erste Seenotrettungsboot einer völlig neuen Klasse für Stationen in Mecklenburg-Vorpommern, die besondere Mobilität erfordern. Diese Boote werden, wie ihre bald 30 Jahre alten Vorgänger, mit Zugmaschine und Spezialtrailer über den Strand zu Wasser gebracht. Auf diese Weise sind sie sowohl auf der Ostsee als auch auf den weit verzweigten rückwärtigen Bodden und Haffs jederzeit einsatzklar.

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