Fehmarn Mahnwache Ukraine Flüchtlinge
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Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine singen auf dem Burger Marktplatz die Nationalhymne ihres Landes.

Fehmarn: Mahnen gegen den Krieg

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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  • Reinhard Gamon
    Reinhard Gamon
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Über 160 Teilnehmer nahmen am Sonntag an einer Mahnwache gegen den Krieg auf dem Burger Marktplatz teil.

  • Deutliche Worte von Pastor Dr. Martin Grahl.
  • Kinderwagen: Symbol für getötete Kinder.
  • Stadt benönigt mehr Räumlichkeiten.

Fehmarn – Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine vor fast einem Monat finden auf dem Burger Marktplatz regelmäßig Mahnwachen gegen den Krieg statt. So auch am Sonntag. Es waren laut Veranstalter über 160 Teilnehmer. Mit ihren Gedanken bei den Menschen in der Ukraine zu sein und Frieden einzufordern – darum geht es den Mahnenden. „Verleih uns Frieden gnädiglich“, und „Meine Hoffnung und meine Freude“ waren zwei Lieder, die mit Kirchenmusiker Henning Rasch angestimmt wurden.

Es ist schwer, sich gegen Gewalt und Willkür durchzusetzen.

Dr. Martin Grahl, Pastor im Ruhestand

Dr. Martin Grahl, Pastor im Ruhestand, sagte in seiner Ansprache: „Es ist schwer, sich gegen Gewalt und Willkür durchzusetzen. Man muss mit Lügnern verhandeln, man darf nicht alles durchgehen lassen, und man muss dennoch die schützen, die noch nicht in den Wirbel der Zerstörung gerissen wurden.“ Grahl wählte deutliche Worte: „Unsere Gesellschaft hat den Grundsatz, sich nicht auf Scharmützel mit Provokateuren einzulassen. Es gibt kein brauchbares Rezept gegenüber Erpressung, wenn man den Verbrecher gerade nicht einsperren oder unschädlich machen kann.“

Für den Pastor sei die Zusammenkunft nicht nur ein Zeichen, um Flagge zu bekennen, sondern „um uns zu besinnen, einander in die Augen zu schauen und Vernunft einzufordern“.

Eckhard Kretschmer, Initiator der Veranstaltung, platzierte einen Kinderwagen auf dem Marktplatz. Ein Symbol für die Kinder, die im Krieg bereits gestorben sind, angelehnt an eine Aktion in Lemberg, wo jüngst 109 leere Kinderwagen auf dem Marktplatz standen für 109 getötete Kinder in der Ukraine. „Immer mehr Kinder sind als Opfer zu beklagen“, sagte Kretschmer.

Bewegend endete die vierte Veranstaltung: Eine Gruppe von Flüchtlingen sang die ukrainische Nationalhymne zu den Klängen des Posaunenchors Landkirchen und weiteren Musikern. Die Kirchengemeinde St. Nikolai gab bekannt, dass die Kollekte 721,21 Euro ergab, die der Hilfe für die Ukraine zugutekommt.

Bisher 60 Flüchtlinge auf Fehmarn registriert

Wie sieht es zurzeit auf Fehmarn aus? Die Problemlage ist bereits jetzt komplex, verdeutlichen der stellvertretende Bürgermeister Heinz Jürgen Fendt und Fehmarns Asylkoordinator Kurt-Henning Marten. Am Montagvormittag waren, Stand Freitag, 60 Flüchtlinge offiziell auf Fehmarn registriert – von denen aber bisher niemand eine städtische Unterkunft braucht, so Marten. Heißt: Diese Personen sind privat untergebracht. Einige sicherlich bei Verwandten oder Freunden, aber auch ein gewisser Teil in Unterkünften von Vermietern, die den Geflohenen helfen. 

Flüchtlinge aus der Ukraine setzen ein Zeichen gegen den Krieg.

„Das geht bis Ostern gut, dann kommen die Touristen“, vermutetet Fendt. „Es werden sich dann Geflüchtete obdachlos melden“, ist sich auch der Asylkoordinator der Stadt Fehmarn sicher. Und erst dann tauchen diese Menschen in der offiziellen Statistik zur Verteilung der Flüchtlinge auf. Dem Kreis – und somit auch Fehmarn – ist ein bestimmtes Kontingent zugeschrieben, also eine Mindestanzahl an Personen, die aus der Ukraine aufgenommen werden müssen. Marten gibt laut Landesschlüssel für Ostholstein 966 Flüchtlinge an und 62 für Fehmarn. Eine Momentaufnahme, sagt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung. „Es werden mehr werden, und wir werden mehr Räumlichkeiten brauchen.“

Um adäquat agieren zu können, braucht es exakte Zahlen. „Wir versuchen, möglichst genau zu erfassen, um die bestmögliche Handlungsgrundlage zu haben“, erklärt Marten. Aber: Sicherlich nicht alle Geflüchteten haben sich bisher gemeldet, sollten dies aber möglichst schnell tun, so Fendt.

Unterkünfte im Eschenweg ungeeignet

Zurzeit ist die Stadtverwaltung damit beschäftigt, die alte Schule in Puttgarden für Flüchtlinge bezugsfertig herzurichten. Wie schon 2015 plane man mit 42 Plätzen, sagt Marten und ist zuversichtlich: „Wir sind auf einem guten Weg, schnell einsatzbereit zu sein.“ Die Unterkunft im Eschenweg wolle man ungern für die Geflüchteten zur Verfügung stellen, da es einerseits noch andere Obdachlose gebe, die das Angebot bräuchten und es sich andererseits mit fast ausschließlich Frauen und Kindern auch um eine ganz andere Klientel handeln würde.

Kommt ein Flüchtling nach Fehmarn ...

Kommt ein Flüchtling nach Fehmarn, sollte der erste Gang zum Einwohnermeldeamt und zum Sozialamt sein. Anschließend geht es nach Eutin zur vorläufigen Registrierung bei der Ausländerbehörde. Mit Abgleich der Papiere erhält die Person eine sogenannte Fiktionsbescheinigung, womit ein vorläufiges Aufenthaltsrecht nachgewiesen werden kann. Nicht mehr als ein „Hallo, wir kennen dich“, so Marten, die eigentliche Registrierung finde später statt, mit der die Ausländerbehörden bundesweit nicht hinterherkommen würden, da die Geräte für die Erfassung des Fingerabdrucks Mangelware seien. Danach sind die ukrainischen Flüchtlinge krankenversichert, haben eine Arbeitserlaubnis oder könnten auch Sozialhilfe beantragen.

Auf Fehmarn sei die Unterstützung groß, weiß Marten, denn zahlreiche Angebote für Patenschaften, von Dolmetschern und vielen weiteren Unterstützungsangeboten für die Flüchtlinge seien bei der Stadtverwaltung eingegangen.

Im Kreis 200 Flüchtlinge in Unterkünften

In Ostholstein sind laut Kreisverwaltung bisher rund 200 Flüchtlinge Notunterkünften zugewiesen worden. Weitere 700 Personen, die anderweitig eine Unterkunft in Ostholstein gefunden hätten, habe man bisher erfasst, wobei die Dunkelziffer erheblich höher liegen dürfte, teilt Kreissprecher Thomas Jeck auf Nachfrage mit.

Neben den Erstaufnahmestellen in Grömitz und Bad Schwartau sei der Kreis momentan auf der Suche nach weiteren Unterkünften, so Jeck – auch Sporthallen, „um dem Zustrom gerecht zu werden“, so Jeck.

Wie sieht es mit der Verteilung aus: Nach aktuellem Landesschlüssel muss Ostholstein 7,1 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen, die nach Schleswig-Holstein kommen. „Diese Flüchtlinge werden nach einem Gemeindeschlüssel auf die Gemeinden verteilt. Aktuell erhält die Stadt Fehmarn danach 6,4 Prozent der dem Kreis zugewiesenen Flüchtlinge“, erklärt der Kreissprecher.

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