Malte Riechey im Porträt
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Über Skype äußerte sich Malte Riechey in einem Gespräch mit dem FT zur aktuellen Situation des Campingtourismus

Campingtourismus in Corona-Zeiten „die sicherste Urlaubsform“

Riechey: „Lasst uns öffnen“

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Touristische Reisen im Inland sind aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Für den Geschäftsführer des Camping- und Ferienparks Wulfener Hals ein absolutes Unding.

Fehmarn – Nachdem das Robert-Koch-Institut (RKI) vor einigen Tagen Mallorca und andere Regionen Spaniens und Portugals von der Risikoliste gestrichen hat, dürfen Deutsche ab sofort auf die Balearen in den Osterurlaub fliegen, während im Inland touristische Reisen nicht möglich sind und von der Politik auch noch keine Öffnungsszenarien vorgestellt wurden. Für Malte Riechey, Geschäftsführer des Camping- und Ferienparks Wulfener Hals, ein absolutes Unding.

„Wir haben die klare Erwartungshaltung an die Politik, dass Ostern geöffnet wird“, macht Riechey „nach fünf Monaten Berufsverbot“ deutlich. Seit Ende Oktober sind die Schotten dicht, nach der aktuellen Landesverordnung gilt bis einschließlich 28. März ein Beherbergungsverbot für touristische Zwecke.

Klare Erwartungen an Landesregierung

Malte Riechey, der klare Worte liebt, erwartet von der Bund-Länder-Konferenz, die am 22. März (Montag) tagt und über Öffnungsschritte im Tourismus beraten will, nicht viel. Schon gar nicht „eine gemeinsame Linie“. Es laufe wohl auf einen heterogenen Umgang mit der Thematik hinaus. Mit anderen Worten: eine schleswig-holsteinische Lösung. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) hätten immer bekräftigt, Ostern öffnen zu wollen. Schleswig-Holstein sei das Bundesland mit dem aktuell geringsten Inzidenzwert, Ostholstein liege bei einem Wert um 35, so Riechey.

In Corona-Zeiten stellt der Campingtourismus für Riechey „die sicherste Urlaubsform“ dar. Die Abstände seien da, die Urlauber würden sich viel im Freien aufhalten und ein Großteil der Leute sei autark. Für viele Gäste aus Großstädten und Ballungsräumen sei es auf einem Campingplatz sicherer als zu Hause, ist der Geschäftsführer des Camping- und Ferienparks überzeugt. Und: „Wir hatten auf unserer Anlage noch keinen einzigen Corona-Fall.“ Auch von anderen Campingplätzen sei ihm, der im Bundesverband an der Erarbeitung von Hygienekonzepten mitgearbeitet habe, nichts dergleichen bekannt.

Man hat sich hier den falschen Sündenbock ausgesucht.

Malte Riechey

„Man hat sich hier den falschen Sündenbock ausgesucht“, führt für Malte Riechey an einer Öffnung der Campingplätze ab 29. März – trotz wieder ansteigender Inzidenzwerte – kein Weg vorbei. Für die bevorstehenden Osterferien vermeldet er nahezu Vollauslastung, und bei den Vorbuchungen für die weitere Saison einen rund 30-prozentigen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Nichtsdestotrotz bedeutete ein Ausfall des Ostergeschäftes für sein Unternehmen einen „dramatischen Schaden“, denn sämtliche Vorbereitungen auf den Start zu Ostern seien angelaufen: die Infrastruktur hergerichtet, darunter auch die sanitären Anlagen, etwa 100 Mitarbeiter eingestellt oder Waren für beispielsweise sieben gastronomische Betriebe und einen Lebensmittelmarkt geordert. Coronakonforme Luftfilter sind installiert und über 1000 Schnelltests bestellt worden. Es könnte schnell ein Testzentrum hergerichtet werden, „und wir sind bereit, unsere Mitarbeiter zweimal pro Woche zu testen“, so Riechey, der ver-
sichert: „Wir wissen, was wir tun.“

Für seinen Betrieb könne er sagen, dass der Großteil der Urlauber auf dem Gelände bleibe, da hier sämtliche Versorgungseinrichtungen zur Verfügung stünden und auch ein eigenes und auf Corona-Anforderungen abgestimmtes Freizeit- und Aktivitätenprogramm stattfinde.

Für Malte Riechey sind Corona-Pandemie und Campingtourismus nicht zwei Dinge, die sich ausschließen. Ganz im Gegenteil. Deshalb erwartet er „von der Politik einen Richtungswechsel“ und sagt: „Lasst uns öffnen, wir gewährleisten den sichersten Tourismus, den es in Corona-Zeiten geben kann.“

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