Uwe Seeler am Millerntor im Hamburger Stadtderby 1960
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Das Titelfoto der Hamburger Ausgabe: Es zeigt Uwe Seeler am Millerntor im Hamburger Stadtderby 1960.

Fehmaraner Broder-Jürgen Trede schrieb mit Ralf Klee über Hamburgs Sportplätze

Fußballheimat ist überall

  • Lars Braesch
    vonLars Braesch
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Kürzlich ist das Buch „Fußballheimat Schleswig-Holstein - 100 Orte der Erinnerung“ von Alexander Schäfer erschienen. Dort ist Fehmarn mit dem Hermann-Wisser-Stadion und dem Rasenplatz in Dänschendorf vertreten. Die Hamburger Ausgabe schrieb der Fehmaraner Broder-Jürgen Trede mit Ralf Klee.

  • Beide Bücher haben jeweils 216 Seiten.
  • Ein Dreivierteljahr an der Hamburger Ausgabe gearbeitet.
  • Ein Fußball-Stadtführer mit 101 Orten in Hamburg.
Das Titelfoto von Fußballheimat: Die schleswig-holsteinische Ausgabe zeigt das Stadion Waldwiese des VfB Kiel.

Fehmarn/Hamburg – Kürzlich erschien im Arete-Verlag das Buch „Fußballheimat Schleswig-Holstein – 100 Orte der Erinnerung“ von Alexander Schäfer. Mit dem Hermann-Wisser-Stadion und dem Rasenplatz in Dänschendorf finden auch zwei Inselplätze Berücksichtigung. Die Hamburger Ausgabe von Fußballheimat schrieb der Fehmaraner Broder-Jürgen Trede zusammen mit seinem Studienkollegen Ralf Klee. Beide Bücher bringen es auf 216 Seiten. 

Der Fehmaraner ist Kolumnist beim HSV-Magazin. Dort stellte Trede ein Buch aus dem Arete-Verlag vor. Vom Verlagsleiter Christian Becker erhielt der Journalist einen Anruf, wann mit der Buchvorstellung zu rechnen sei. Bei diesem Telefonat nutzte Broder-Jürgen Trede die Gelegenheit und fragte, ob es schon einen Autor für Fußballheimat Hamburg gäbe – nein. Innerhalb von einer Minute hatte der Fehmaraner den Job. „Das Ganze war ein bisschen kurios“, blickte der Autor auf das Telefonat zurück. Die 100 Orte kriege ich nach einem halben Tag zusammen, dachte sich Trede. Doch ganz so einfach war es dann doch nicht, da Hamburg sehr viele Fußballplätze hat.

Tredes berufliche Heimat liegt im Volksparkstadion, sein fußballerische Heimat auf dem Mellenthinplatz nahe der Burger Altstadt. Co-Autor Ralf Klee ist indes ein Hamburger Jung. Kennengelernt haben sich beide auf dem Gustav-Stuhlmacher-Platz an der Uni. Benannt ist der Platz nach dem langjährigen Hausmeister. Der Gag der Studenten, den Platz dem Hausmeister mit einem Schild zu widmen, fand sogar Einzug bei Google Maps. „Persönliche Widmungen sind in Hamburg eigentlich verboten“, erläuterte Autor Trede. Die Bezeichnung setzte sich trotzdem durch. 

Damals verfügte Hamburg über viele Grandplätze. So fand auch die grandiose DFB-Pokalgeschichte des Horner TV 1977 Einzug in die Hamburger Ausgabe. Der HTV war gerade in die fünftklassige Verbandsliga aufgestiegen. Im Pokal kam der zwei Klassen höher spielende FC Alemannia 05 Eggenstein (nahe Karlsruhe) an die Elbe. Der Sportplatz Von-Elm-Weg war ein ausgewiesener Grandplatz. Die Gäste gingen jedoch damals von keinem Grandplatz aus und vermuteten einen Rasenplatz als Hauptplatz. Der HTV siegte mit 2:1, jedoch legten die Gäste Protest ein. Nachdem Horn das nächste Pokalspiel gegen 1860 München mit 0:15 verloren hatte (Uwe Seeler war damals die Glücksfee), gab der DFB dem Protest statt. Das erneute Pokalspiel verlor Horn diesmal beim Nachbarn in der Legienstraße auf Rasen mit 0:8.

Der Leser kann schöne Ausflüge machen und lernt dabei die Plätze kennen“

Autor Broder-Jürgen Trede

Doch nicht nur an die Fußballfans richtet sich das Buch. „Der Leser kann schöne Ausflüge machen und lernt dabei die Plätze kennen“, meint Broder-Jürgen Trede. So käme Groundhopper-Feeling auf. 

Der Fehmaraner Broder-Jürgen Trede.

Natürlich musste auch die Lieblingsgeschichte des Autors in das Buch. Es ist die Geschichte von Ludwig „Lutn“ Alm und seiner Frau Erna. Alm war Torwart beim FC St. Pauli (1948–51). Zu den Spielen am Millerntor stand Erna immer direkt hinterm Tor ihres Mannes. Die damaligen Klubbosse waren ein wenig abergläubisch und meinten, dass eine Frau als zwölfter Mann Unglück bringe. So wurde Erna ab sofort nur noch Peter gerufen. Das gefiel Alm so gut, dass er seine Barkasse im Hamburger Hafen auf den Namen Peter taufte. Die Barkasse fährt heute noch in dritter Generation über die Elbe. Ein Besuch durfte natürlich nicht fehlen. „Über drei Stunden bin ich hängengeblieben. Ich habe die Seite aus dem Buch gerahmt und als Geschenk übergeben. Die haben sich total gefreut“, blickte Trede zurück.

Kreativ: Ecken nur von rechts

Auch der Sportplatz Zollenspieker in Bergedorf wird in Fußballheimat erwähnt. Hier kickten einst Martin Harnik und Max Kruse beim SC Vier- und Marschlande. Anfang der 1970er-Jahre war hier der TSV Kirchwerder beheimatet. Der TSV hatte damals ein Problem mit einem Landwirt, der ein Fußballhasser war und die Bälle einkassierte. Der Platzwart löste das Problem auf kreative Weise: Eckbälle durften nur von rechts getreten werden. 

Die beiden Autoren arbeiteten über ein Dreivierteljahr an dem Buch. „Wir konnten die Corona-Pandemie nach unseren Recherchen vor Ort sehr gut nutzen“, erklärte Broder-Jürgen Trede. Bei der Familie Trede in Hamburg-Volksdorf schlossen sich die beiden Autoren vier Wochen lang ein. „Wir haben uns unsere Texte gegenseitig laut vorgelesen und uns gegenseitig verbessert“, so der Autor weiter. Dabei sei es eine große Herausforderung gewesen, die Geschichten mit maximal 2000 Zeichen zu erzählen. Auch beim geplanten Layout haben die beiden Autoren mit den Vorgaben gebrochen. „Eigentlich war pro Geschichte ein Hochkant-Foto geplant. Hochkant-Fotos im Fußball sehen nicht gerade immer toll aus. Wir durften pro Geschichte zwei querformatige Fotos mitnehmen“, freute sich Trede. Von einem verstorbenen Sportfotografen hatte er zudem ein großes Fotoarchiv geerbt, das hervorragend für das Buch genutzt werden konnte. Das Titelfoto zeigt Uwe Seeler beim Hamburger Stadtderby am Millerntor am 13. Februar 1960. Im Hintergrund ist noch der Michel zu sehen. 

Dann kam vom Verlag der Schock. „Das ist alles viel zu lang“, teilte der Verlagsleiter Christian Becker per E-Mail mit. Die Autoren reagierten nicht auf die E-Mail. Dann nach Rücksprache des Verlagsleiters mit den Grafikern blieb es bei den Fassungen der Autoren. Mit dem Buch mussten dennoch Autoren auch in die Verlängerung gehen, denn kurz vor Redaktionsschluss wurde bekannt, dass die Auslosung zur Europameisterschaft 2024 in der Hamburger Elbphilharmonie stattfinden wird. Dadurch entstand ein Fußball-Stadtführer nicht mit 100, sondern mit 101 Orten. 

Wenn wieder Lesungen stattfinden dürfen, ist eine gemeinsame Lesung von Broder-Jürgen Trede, Ralf Klee und Alexander Schäfer geplant. 

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