Die beiden Leuchttürme in Westermarkelsdorf
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Für viele gewöhnungsbedürftig: Neuer Turm mit Radaranlage und alter Turm in Westermarkelsdorf.

Betriebsstart am 1. Juli

Neuer Leuchtturm in Westermarkelsdorf geht ans Netz

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Der neue Leuchtturm in Westermarkelsdorf nimmt heute seinen Betrieb auf. Jendrick Kackmann elektrifizierte die Anlage und berichtet.

  • Im September/Oktober 2020 mit der Installation begonnen.
  • Schalthaus aus Beton, Leuchtturm aus Metall.
  • Elektrifizierung des Turmes war eine Herausforderung.

Fehmarn – Von Ralf G. Poppe Jendrik Kackmann lebt in dem kleinen Ort Klenkendorf bei Bremervörde. Wenige Fehmaraner werden ihn persönlich kennen. Und doch profitieren sie alle mehr oder weniger von seiner Arbeit: Er hat, zusammen mit einem Kollegen, als Baustellenleiter die Elektronik des neuen Leuchtturms in Westermarkelsdorf installiert, der heute am 1. Juli offiziell seinen Betrieb aufnehmen wird.

Der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik hält sich zurzeit in Oldenburg auf, wo er seit März zwei Jahre die Meisterschule besucht. Sein Arbeitgeber ist die VA Elektrotechnik GmbH & Co. KG in Oerel bei Bremervörde. Dort begann der künftige Elektrikermeister im September 2015 seine Ausbildung, die er im Februar 2019 erfolgreich abschloss. Sein letztes großes Projekt realisierte er in Westermarkelsdorf. „Im September/Oktober 2020 begannen wir damit, die Elektrotechnik für den neuen Leuchtturm zu installieren“, berichtet der junge Mann. „Zu Weihnachten waren wir mit dem Gröbsten fertig. Im Januar und im Februar waren wir dann für Kleinigkeiten abermals vor Ort.“

Auf Montage von montags bis donnerstags

Das hieß für ihn, Montagmorgens ungefähr drei Stunden nach Westermarkelsdorf zur Arbeit zu fahren. Nach Feierabend ging es in eine Pension in einem Nachbarort, wo Kackmann zusammen mit seinem Kollegen Nik Seutter bis donnerstags wohnte. Technischer Leiter des Projekts war Matthias Lück. „Er hat die technische Planung übernommen, während ich vor Ort die Baustellenleitung übernehmen durfte“, so Jendrik Kackmann weiter.

Erst das Schalthaus, dann der Turm

Als die Arbeit begann, war vom Leuchtturm an sich noch nichts zu sehen, erzählt Kackmann: „Begonnen haben wir im Schalthaus, das auf Stelzen neben dem Leuchtturm steht. Während wir dort die ersten Arbeiten erledigt haben, wurde der Leuchtturm von der Firma Hagemann, die die Rohbau- und Betonarbeiten ausführte, aufgestellt. Als wir im Schalthaus fertig waren, ging es weiter zum Leuchtturm.“ Das Schalthaus wurde mit Beton erbaut, während der Leuchtturm nur aus Metall besteht. Mit dem alten Leuchtturm hatten Kackmann und seine Kollegen nichts zu tun – die diesbezüglich nötigen Verbindungen verarbeiteten Elektriker vom Wasser- und Schifffahrtsamt.

Leuchtturm besteht ausschließlich aus dicken Stahlwänden

Die Arbeit direkt im Leuchtturm war sehr interessant, findet Kackmann. Denn während man in einem Wohnhaus beispielsweise Beton-, Stein- oder Holzwände hat, um dort die Steckdosenschalter zu befestigen, hat der Leuchtturm ausschließlich dicke Stahlwände, durch die man nicht durchbohren könne, um Schrauben anzubringen. „Da hat Matthias Lück vorab ab Werk Halterungen anschweißen lassen, an denen später die Teile beziehungsweise Elemente angebracht werden konnten. Das hat alles gut funktioniert“, freut sich Kackmann. Trotzdem musste später zusätzlich noch einmal eine Halterung beziehungsweise Konsole vom Metallbauer angeschweißt werden.

Der neue Nachbar nimmt den Betrieb auf

Fast 140 Jahre hatte Westermarkelsdorf einen Leuchtturm aus Backstein, heute nimmt der 26 Meter hohe Nachbar aus Stahl offiziell seinen Betrieb auf. Zuletzt war noch ein Kran zu sehen, der als Trägerbauwerk für die Funktpeiltechnik diente. Mit dieser letzten Installation sind sämtliche Arbeiten abgeschlossen, sodass der Turm heute seinen Betrieb aufnehmen kann. Eine offizielle Einweihung wird es laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Ostsee nicht geben. Notwendig wurde der Turm aufgrund des geplanten Baus der Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ), er ist Teil eines Bündels maritimer verkehrstechnischer Maßnahmen. „Die neue Verkehrstechnische Außenstation Westermarkelsdorf beinhaltet dabei eine Radaranlage, Funkpeiler und das Leuchtfeuer Westermarkelsdorf. 3,2 Millionen Euro hat der Turm inklusive Technik gekostet. Bauherr ist das WSA. Bezahlt hat es Tunnelplaner, -bauer und -betreiber Femern A/S.

Weil der Turm nicht rosten darf, ist er mehrfach beschichtet. „Deshalb musste die Lasche so eingearbeitet werden, damit auch sie nicht rosten kann. Hätten wir ein Material verarbeitet, dass nicht aus Edelstahl besteht, würde es ja mit der Zeit an der Seeluft zu rosten beginnen. Es war alles hervorragend geplant – die ein oder zwei Stellen, die nachträglich ausgerüstet werden mussten, konnten vorab nicht berücksichtigt werden, weil sich im Nachhinein an der besagten Position etwas geändert hatte“, erklärt der Baustellenleiter.

Die Wasserwaage zeigt, dass der Turm sich bewegt

Bei der Frage, ob das Arbeiten oben im Turm Probleme bereitet hätte, muss der künftige Elektronikmeister lachen: „Da wir stets nach oben laufen mussten, um unsere Arbeiten zu erledigen, hat die Höhe des Turms durchaus eine Rolle gespielt. Wenn man die Treppen mit Werkzeugkisten bis ganz oben hinaufsteigen muss, ist das bereits anstrengend. Wenn man dann einen Akkuschrauber vergisst, darf man den gesamten Anstieg abermals bewältigen.“

Die Arbeit war schon eine Herausforderung. Eine außergewöhnliche Baustelle. Man baut nicht alle Tage einen Leuchtturm zusammen.

Jendrik Kackmann

Dazu kam ein weiterer ungewöhnlicher Sachverhalt: „Wenn wir etwas mit der Wasserwaage angebaut haben, war die Luftblase permanent in Bewegung. Sie stand einfach nicht still. Dadurch wurde uns bewusst, dass der Turm schaukelt. Darüber haben wir uns gewundert, denn ohne Wasserwaage konnte das Schwanken nicht wahrgenommen werden.“ Für Kackmann und seinen Kollegen war der Bau eine ganz besondere Aufgabe. „Die Arbeit war schon eine Herausforderung. Eine außergewöhnliche Baustelle. Man baut nicht alle Tage einen Leuchtturm zusammen.“

Zu Beginn war ein Fassadenbauer dabei, als der Turm aufgestellt wurde, Mitarbeiter von Enercon. Anschließend waren Kackmann und Seutter jedoch meistens allein im Turm, wenn nicht gerade ein Klempner oder ein Mitarbeiter von Hagemann noch kurz etwas zu erledigen hatten.

Der Strom im Leuchtturm darf niemals ausfallen

Eminent wichtig für den Betrieb des Leuchtturms ist es, dass der Strom niemals ausfallen darf. Um das sicherzustellen, gibt es eine akkugepufferte Unterbrechungsfreie Spannungsversorgung, kurz USV. Sollte aus unerfindlichen Gründen einmal der Strom weg sein, übernimmt diese Anlage stufenlos die Stromversorgung. „Unterbrechungsfrei“, wie Kackmann betont. „Man merkt gar nicht, dass der Strom kurz weg war. Parallel zur USV gibt es eine Netzersatzanlage. Das ist ein fest verbautes Notstromaggregat. Das läuft an, und übernimmt anschließend die komplette Spannungsversorgung. Somit ist nicht eine Sekunde lang der Strom weg. Ein Gewerk geht stufenlos ins Nächste über.“

Doppelt gesichert: Immer unter Strom

Wenn also in Westermarkelsdorf einmal der Strom ausfällt, merkt man dies dem neuen Leuchtturm nicht an. Trotzdem gibt es noch eine weitere Sicherheitsvorkehrung. Falls wider Erwarten das fest verbaute Notstromaggregat ausfallen sollte, gibt es obendrein noch ein mobiles, externes Aggregat. Es kann beispielsweise mit einem Lkw zur Anlage gefahren und in den Leuchtturm eingespeist werden. Der Fall, dass der Leuchtturm einmal ohne Strom dastehen sollte, kann praktisch nicht eintreten. „Hundertprozentig sicher“, freut sich Kackmann.

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