Taucher und Wassersportler bringen 24 Meter langes Beltretter-Kreuz aufs Wasser

Belttunnel: Protest geht unvermindert weiter

Mit blauem Holzkreuz und Protestbanner ging es gestern am Grünen Brink ins Wasser.
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Mit blauem Holzkreuz und Protestbanner ging es gestern am Grünen Brink ins Wasser.

Fehmarn –ga/hö– Die Gegner des geplanten Fehmarnbelttunnels setzen ihren Protest gegen den Bau des Milliarden-Projekts unvermindert fort. Gestern Vormittag brachten rund 40 Taucher und Wassersportler in der Nähe der Beltbude am Grünen Brink ein 24 Meter langes blaues Beltretter-Kreuz und ein rund 120 Quadratmeter großes Protestbanner aufs Wasser.

Auf dänischer Seite ist für die Errichtung des geplanten Fehmarnbelttunnels bereits mit dem Bau eines Arbeitshafens begonnen worden (wir berichteten), während in Deutschland vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig noch nicht einmal die Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den deutschen Teil des Tunnels verhandelt worden sind.

Im blauen Anzug und mit Mund-Nasen-Schutz

Zu den rund 40 Tauchern und Wassersportlern gehörten Mitglieder des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), der Tauchschule Atlantis aus Wulfen sowie Einheimische und einige Personen vom angrenzen Festland, die einheitlich in blauem Outfit vor Ort waren. Auf den gebotenen Sicherheitsabstand wurde akribisch geachtet, wer über keinen Mund-Nasen-Schutz verfügte, wurde damit nachträglich ausgestattet.

Rund eine halbe Stunde verweilten die Aktivisten in der nur 17 Grad kalten Ostsee, bis alle Fotos und Filmaufnahmen im Kasten waren. Zum Einsatz kamen auch zwei Drohnen und ein Kleinflugzeug. Trotz der recht frühen Tageszeit fanden sich zahlreiche Zuschauer ein, die den Aktivisten reichlich Applaus spendeten.

Aktion an einem beliebten Wassersport-Hotspot Fehmarns

Mit Bedacht hatten die Beltretter für ihre Maßnahme das Gebiet am Grünen Brink ausgewählt, ein beliebter Taucher- und Kiter-Hotspot, der durch einen Tunnelbau direkt betroffen wäre, da in unmittelbarer Nähe für mindestens acht Jahre die größte Baustelle Nordeuropas entstehen würde. Durch den Bau würden seltene Riffe zerstört und die ohnehin wenigen und bedrohten Ostsee-Schweinswale vertrieben. Nicht nur die beliebte Urlaubsinsel Fehmarn, sondern auch andere Orte an der Ostsee würden unter den Bauarbeiten und ihren Folgen leiden, kritisieren die Beltretter. Ihre Sprecherin Karin Neumann ergänzt: „Das hätte auch Auswirkungen auf die Touristenzahlen. Gerade durch die Corona-Krise haben eigentlich viele deutsche Urlauber die Ostsee als Urlaubsziel für sich entdeckt. Durch den Megabau wäre die Idylle in Gefahr.“

Die Beltretter fügten ihrem Protest gegen den geplanten Fehmarnbelttunnel mit der Aktion am Grünen Brink einen weiteren Mosaikstein hinzu.

NABU warnt vor negativen Folgen

Danny Mai von der Tauchschule Atlantis: „Der Fehmarnbelt ist ein wunderschönes und abwechslungsreiches Tauchgebiet, hier kann man Blasentang, Seegras, Krebse und unzählige Fischarten entdecken und die seltenen Schweinswale beobachten. Denn der Belt ist das wichtigste deutsche Aufzugsgebiet für Schweinswale. Wenn der Tunnel gebaut würde, würdenseltene Riffe zerstört und damit etliche Meerestiere verschwinden. Und es könnten in weiten Teilen der Ostsee auch keine Tauchgänge mehr stattfinden. Das wäre eine Schande.“

Dieser Auffassung ist auch der NABU, der seit Jahren immer wieder auf die drohenden schwerwiegenden Umweltfolgen des geplanten Tunnelbaus hinweist. „Die Baggerei im Belt würde die sensiblen, artenreichen Riffe und Sandbänke im Bereich der gewaltigen Tunneltrasse zerstören und die Ostsee langfristig erheblich eintrüben. Mit negativen Folgen für Schweinswale, Dorsch, Hering und andere Meeresbewohner,“ so Malte Siegert vom NABU.

Karin Neumann ist zudem fest davon überzeugt, dass sich der Tunnel unter anderem aufgrund zu optimistischer Verkehrsprognosen „finanziell gar nicht rechnet“ und verweist auf einen jüngst veröffentlichten Bericht des Europäischen Rechnungshofs, der die Wirtschaftlichkeit infrage stelle und Schwachstellen in der Kosten-Nutzen-Analyse der Festen Fehmarnbeltquerung aufzeige.

"Ökologisch als auch ökonomisch eine Katastrophe"

Die Beltretter wollen nach Angaben ihrer Sprecherin in ihrem Protest gegen den geplanten Tunnel auf keinen Fall nachlassen: „Obwohl immer deutlicher wird, dass das Großbauprojekt eine absolute Fehlplanung ist und sowohl ökologisch als auch ökonomisch eine Katastrophe wäre, schweigt die Politik in Kiel und Berlin. Das akzeptieren wir nicht. Wir werden keine Ruhe geben, bis eine objektive Neuprüfung des Projektes erfolgt.“

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