Stau in Burger Altstadt auf Fehmarn
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Wochen- und monatelang geht es auf den Straßen in der Burger Altstadt nur im Schneckentempo voran.

Verkehrsplaner Nils Weiland zu Gast

Burger Altstadt: Raus aus dem Stau – aber wie?

  • Reinhard Gamon
    VonReinhard Gamon
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Verkehrsplaner Nils Weiland referierte beim Verein Attraktive Burger Altstadt über die Verkehrsbelastung in der Burger Altstadt.

  • Nils Weiland analysierte für den Verein Attraktive Burger Altstadt die heutige Verkehrssituation.
  • Südwesttangente in Burgstaaken führt zur Entlastung.
  • Umfrage: Was stört und nervt in der Innenstadt?

Fehmarn – Im Rahmen einer Vorstandssitzung des Vereins Attraktive Burger Altstadt (ABA) hielt der Verkehrsplaner Nils Weiland aus Gammendorf ein Referat über die Verkehrsbelastung in der Burger Altstadt und deren Attraktivität. Im Vorwege hatte er den Ist-Zustand analysiert und darauf aufbauend schließlich einige kurz- und langfristige Lösungsansätze dargelegt. Die große Frage: Raus aus dem Stau – aber wie?

Offenbar höchst interessant auch für die Kommunalpolitik, denn zu der Veranstaltung im Burger Feuerwehrhaus konnte der 2. ABA-Vorsitzende Claus-Michael Rathjen, der gleichzeitig die Moderation dieses Abends übernahm, neben Vereinsmitgliedern auch mehrere Kommunalpolitiker begrüßen.

Nils Weiland, selbst in Gammendorf aufgewachsen, arbeitete noch vor Kurzem als Referatsleiter im Bereich Strategische Verkehrsplanung in Bremen. Jetzt ist er in Hamburg Projektleiter der ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft mbH.

Zu Beginn seiner Ausführungen analysierte er die heutige Verkehrssituation in der Inselmetropole, die aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens dringend entzerrt werden müsse. Die geplante Südwesttangente über Burgstaaken hinüber nach Burgtiefe würde auf jedem Fall zu Entlastungen führen, doch bis zu ihrer Fertigstellung dürfte noch einige Zeit verstreichen.

Wichtig sei es für die Verkehrsentzerrung in der Innenstadt, dass diejenigen, die zum Kommunalhafen beziehungsweise nach Burgtiefe wollten, nach Fertigstellung der Südwesttangente diesen Weg dann auch nutzen und das Zentrum nur zielgerichtet ansteuern, so Weiland. In seinen Ausführungen ging er auch auf die Parkplatzsituation in der Innenstadt und auf den vorhandenen Großparkplätzen Ost und West ein. Er gab dabei zu bedenken, dass Autofahrer durchaus bereit seien, ihre Fahrzeuge auf den ausgewiesenen Parkplätzen abzustellen, wenn der Fußweg ins Zentrum nicht allzu lang sei.

Zu viel Verkehr und „Gewusel“ auf Gehwegen

Weiland stellte sich selbst die Frage, was sich ändern müsste, damit die Bürger mehr Zeit in der Innenstadt verbringen. Er führte deshalb im August Befragungen vor Ort durch. „Was stört und was nervt in der Innenstadt“, so seine Fragestellung. Nur wenige Befragte sagten „alles gut“. Kritische Anmerkungen gab es über den zu starken Autoverkehr, das Kopfsteinpflaster, zu viel „Gewusel“ auf den Gehwegen, zu wenige attraktive Geschäfte und häufige Staus, die es einem schwer machten, pünktlich das vorgegebene Ziel zu erreichen. 

Ist der Weg zum Einklauf kurz, bleibt das Auto meistens stehen

Nils Weiland gab auch zu verstehen, dass durch eine gute Nahversorgung in der Innenstadt die Kunden auf das Auto als fahrbaren Untersatz zum Einkaufen durchaus verzichten würden. Eine Studie habe ergeben, dass bis zu 78 Prozent der Kunden beim Einkaufen kein Auto benötigen bei einem Einkaufsweg unter einem Kilometer, so Weiland. Das Überqueren der Straße im Bereich Am Markt und Breite Straße zwischen den beiden Übergängen mit Fußgängerampeln stellte Weiland als großes Problem heraus. 

Handlungsvorschläge um die Attraktivität der Burger Altstadt zu erhöhen

Abschließend gab er Handlungsvorschläge, um letztlich die Attraktivität der Burger Altstadt zu erhöhen. Ein Ziel, dass der ABA sich selbst auf die Fahnen geschrieben hat. Dazu gehören nach Meinung von Nils Weiland eine Entzerrung der Fußgängerbereiche durch breitere Gehwege und dadurch, dass die Seitenstraßen mit aktiviert werden. So könne entspannter flaniert werden. Das Überqueren der viel befahrenen Straßen müsste vereinfacht sowie zusätzliche Sitzgelegenheiten geschaffen werden. Zu den positiven Einflussfaktoren auf die Attraktivität gehörten unter anderem die Beschaffenheit der Wege, die Barrierefreiheit, Beleuchtung oder auch die Begrünung. Zusätzlich auch die Sauberkeit und die Pflege der Wege. Über Letzteres sei er in Burg sehr positiv überrascht.

Nils Weiland schlug zudem vor, die beiden Zielgruppen Einheimische und Touristen getrennt voneinander zu befragen, was ihnen beim Besuch der Innenstadt besonders am Herzen liegen würde.

Schwerlastverkehr verbannen

Im Anschluss an das Referat gab Claus-Michael Rathjen den Zuhörern die Möglichkeit, sich zu äußern. Dabei wurde erwähnt, dass der Schwerlastverkehr durch steigende Tonnagen beim Umschlag im Hafen Burgstaaken stark zugenommen habe und dieser unbedingt aus dem Innenstadtbereich zu verbannen sei. Auch weitere geplante Bebauungen erhöhten natürlich das Verkehrsaufkommen. Die geplante Südwesttrasse sei daher sehr wichtig. Claus-Michael Rathjen erinnerte zudem daran, dass ABA schon vor Jahren die Schaffung eines Mehrzweckparkhauses nahe des Stadtzentrums ins Gespräch gebracht habe, um die Parkplatzsituation positiv zu verändern. 

In Sachen Belebung der Burger Innenstadt sieht Marianne Unger (SPD) auch Chancen durch ein verändertes Kaufverhalten der Bürger. Schlachtereien, Bäckereien und zum Beispiel auch Bio-Läden würden von den Kunden besser frequentiert, da ihnen die Herkunft der Produkte wichtiger geworden sei. Hans-Peter Thomsen (WUW) merkte an, dass man unbedingt darauf achten sollte, dass bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte die Innenstadt nicht verlassen dürften. Dieses würde sich dann als sehr kontraproduktiv für eine Innenstadtbelebung erweisen.

Aus Sicht des ABA hofft Claus-Michael Rathjen nun, mit der Veranstaltung und den Ausführungen Weilands den Kommunalpolitikern wichtige Denkanstöße mit auf den Weg gegeben zu haben, um Verbesserungen einzuleiten. 

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