Ein Fährschiff im Hintergrund, im Vordergrund eine Gruppe auf dem Landgang
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Scandlines-CEO Søren Poulsgaard Jensen (2.v.r.) und Projektmanager Marko Möller (r.) konnten die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn und Bürgermeister Jörg Weber in Puttgarden begrüßen.

Scandlines will auf grünem Weg bleiben

Reederei „bereit für den Tunnel“

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
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SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn stattete der Reederei Scandlines auf Fehmarn traditionell einen Arbeitsbesuch ab.

  • Letzte Dienstfahrt für Scandlines-CEO Søren Poulsgaard Jensen.
  • Frachtverkehr nimmt um zwölf Prozent zu.
  • Scandlines will Fehmarns Windstrom anzapfen.

Fehmarn – Gelebte Tradition und ein Hauch von Abschied fuhren am Dienstag mit auf dem Fährschiff „Schleswig-Holstein“, als die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn einen ihrer regelmäßigen Arbeitsbesuche bei der Reederei Scandlines abhielt und dabei auf Scandlines-CEO Søren Poulsgaard Jensen (52) traf, für den es die letzte Dienstfahrt war. Nach zehn Jahren verlässt der CEO das Unternehmen zum 31. August. Danach werde er erst einmal vier bis sechs Wochen nichts tun, „dann mal sehen“, antwortete er mit dänischer Gelassenheit auf Nachfrage des FT.

Mein Besuch hat Tradition

Bettina Hagedorn, SPD-Bundestagsabgeordnete

„Mein Besuch hat Tradition“, sagte Hagedorn, die sich noch an den genau ein Jahr zurückliegenden Termin in Puttgarden erinnern konnte. Vor einem Jahr – die Corona-Pandemie war gerade wenige Monate alt – stand das arbeitsmarktpolitische Instrument des Kurzarbeitergeldes im Mittelpunkt der Diskussion, zumal Scandlines das Kurzarbeitergeld bis in dieses Jahr hinein auf 100 Prozent aufstockte. Eine „große Wertschätzung der Beschäftigten“, so Hagedorn. Und Poulsgaard Jensen ergänzte, dass die Reederei auf diese Weise die Arbeitnehmer im Betrieb habe halten können, eine Regelung, die es auf dänischer Seite in dieser Form nicht gebe.

In finanzieller Hinsicht geht der Scandlines-CEO davon aus, dass das Unternehmen das Jahr 2021 mit besseren Zahlen abschließen wird als 2020. Die Entwicklung der Fracht sei positiv, im ersten Halbjahr legte das Geschäft laut Scandlines-Sprecherin Anet-
te Ustrup Svendsen um zwölf Prozent zu. Bei den Fahrgastzahlen, die im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen und auch in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres durch faktische Grenzschließungen „extrem schwach“ waren, ist die Scandlines-Chefetage zuversichtlich, Ende 2021 wenigstens verkünden zu können, dass bei der Personenbeförderung 50 Prozent des Volumens aus normalen Jahren wie 2019 erreicht wurden.

„Kronprins Frederik“ wird mittelfristig ersetzt

Den eingeschlagenen Weg, den Fährverkehr noch grüner zu machen, will die Reederei ungebremst fortsetzen. Laut Scandlines-Projektmanager Marko Möller sei es das Ziel, die im Regelbetrieb eingesetzten Hybridfähren noch emissionsärmer fahren zu lassen und die Frachtfähre „Kronprins Frederik“, die noch mit Schiffsdiesel unterwegs ist, durch eine „Zero-Emission-Fähre“ zu ersetzen. In zwei bis drei Jahren könnte es vielleicht umgesetzt werden, so die vorsichtige Prognose des Scandlines-CEO. 

Eine gewisse Hoffnung setzt die Reederei zusätzlich darauf, Windstrom von Fehmarn anzapfen zu können. Noch fehle es aber an der Infrastruktur, so Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber, der davon ausgeht, dass die Chancen steigen, wenn die ersten Windkraftanlagen aus der EEG-Förderung herausfallen.

Das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) komme, ganz gleich, wer die nächste Bundesregierung bilde, kündigte Hagedorn an, ohnehin auf den Prüfstand. Und bei den technischen Möglichkeiten, Windstrom zu speichern, werde sich in den nächsten Jahren viel tun, ist die Bundestagsabgeordnete überzeugt.

Ihre Überzeugung ist es aber auch, dass 2029, sollte der Fehmarnbelttunnel bis dahin tatsächlich fertiggestellt und in Betrieb genommen worden sein, wie von dänischer Seite angestrebt, kein Güterzug durch Ostholstein fahren wird. Warum?

Hagedorn: Sundtunnel 2029 ist „Quatsch“

Weil es „Quatsch“ und „unrealistisch“ sei, dass der Fehmarnsundtunnel 2029 in Betrieb gehen könne. Das Prozedere mit Planung, Planfeststellungsverfahren und -beschluss, möglicher Klagen, europaweiter Ausschreibung etc. dauere erfahrungsgemäß länger, so Hagedorn. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass der Sundtunnel per Bundestagsbeschluss „Bestandteil der Hinterlandanbindung ist“ und die Gemeinden Bad Schwartau, Scharbeutz und Großenbrode vor Gericht erstritten hätten, dass Güterzüge die Trasse erst mit vollständig errichtetem Lärmschutz nutzen dürften.

Auch wenn er nun in einigen Tagen nicht mehr in der Verantwortung steht, Poulsgaard Jensens Optimismus bleibt ungebrochen: „Wir sind bereit für den Tunnel – 2032 oder 2036, wann immer das sein wird.“ 

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