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Fehmarn: Rundköpfiger Apfelbaumbohrer wird bekämpft

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Von: Andreas Höppner, Reinhard Gamon

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Fehmarn Befallzonen Rundköpfiger Apfelbaumbohrer
Sieben Befallzonen wurden lokalisiert: Seelust (1), Johannisberg/Kreuzung Krögenweg (2), Getreidespeicher (3), Knicks zwischen Todendorf und Gammendorf (4 bis 6) und am Hochsitz (7). © Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein informierte am Donnerstag auf Fehmarn die Anwohner und Öffentlichkeit über die Bekämpfung des Rundköpfigen Apfelbaumbohrers.

Fehmarn – Der Rundköpfige Apfelbaumbohrer, ein gefährlicher Schädling, der in Nordamerika beheimatet ist, ist in Europa bislang nur an einem Standort nachgewiesen worden – ausgerechnet auf Fehmarn. Nachdem er im Sommer 2008 im Norden der Insel zum ersten Mal auftrat, er wenige Jahre später als erfolgreich bekämpft galt, ist er jetzt in einem eng begrenztem Gebiet zwischen Gammendorf, Puttgarden und Todendorf erneut an mehreren Stellen nachgewiesen worden. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) hat Maßnahmen zur Bekämpfung eingeleitet.

Am Donnerstag informierte sie im Gasthof Meetz Anwohner des betroffenen Gebietes und die interessierte Öffentlichkeit über die Eigenarten des Schädlings und die geplanten Bekämpfungsmaßnahmen. Allerdings blies den Vertretern der Kammer im Laufe der Veranstaltung doch auch Gegenwind aus den Reihen der Besucher entgegen. So lautete ein Vorwurf, dass nach dem ersten Nachweis des Schädlings 2008 keine Bekämpfung stattgefunden hätte, sondern der Zustand von den zuständigen Behörden nur verwaltet worden wäre. Die Vertreter der Kammer traten dem entgegen und wiesen auf eine veränderte Rechtslage hin.

Das ist kollektives Versagen.

Lars Carstensen, Dänschendorf

Lars Carstensen aus Dänschendorf, der an der Infoveranstaltung teilnahm, äußerte am Freitag gegenüber dem FT seinen großen Unmut. Für ihn sei es völlig unverständlich, dass es 15 lange Jahre gedauert habe bis zu einer umfassenden Bekämpfung des Schädlings. „Das ist kollektives Versagen“, die Kammer könne sich nicht darauf berufen, dass es vorher noch keine Verordnung für eine Bekämpfung gegeben habe.

Fehmarn Apfelbaumbohrer
Der Rundköpfige Apfelbaumbohrer. © Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Nun gibt es sie und auch eine Allgemeinverfügung, die ab Sonntag in Kraft tritt.    So besteht in dem von der Kammer festgesetzten Bereich eine Kontroll- und Anzeigepflicht. Deshalb haben beispielsweise alle Grundstücksbesitzer mögliche Wirtspflanzen auf Befall zu kontrollieren. Gibt es einen positiven Befall ist dieser der Kammer anzuzeigen, der Baum zu fällen und das Holz zu vernichten. Das gilt auch für sämtliche befallsgefährdete Wirtspflanzen in einem Radius von 200 Metern.

Die Käfer befallen gesunde Wirtsbäume und die Larven schädigen die Stämme durch Bohrfraß, anfänglich im Kambiumgewebe, später im Holz, wodurch der Ertrag gemindert wird. Die Ausmaße der tatsächlichen Schädigungen werden erst beim Ausschneiden der befallenen Stellen sichtbar. Die Bäume selbst werden enorm geschwächt und die Fruchtbildung gehemmt. Schließlich kann es zum völligen Absterben eines Baumes kommen. 

Eine Vermehrung auf der Fehmarn hat bereits stattgefunden. „Die Ausbreitung auf dem natürlichen Wege (Flug der Käfer) dürfte nur sehr langsam vonstatten gehen, da das Insekt an sich sehr flugfaul ist“, so das LKSH. „Die größte Gefahr geht durch einen schnelle, großräumige Verbreitung durch Verschleppung als Ei, Larve oder Puppe mit seinen Wirtsbäumen aus.“

Alleebäume befallen

Stephan Monien von der LKSH, zuständig für Pflanzengesundheit, informierte darüber, dass allein an der Kreisstraße 63 zwischen Puttgarden und Gammendorf an den Alleebäumen Larven des Apfelbaumbohrers und ein Ausbohrloch gefunden wurden. Es wurden dementsprechend Baumfällungen durch die Straßenmeisterei Oldenburg sowie die Verbrennung des Pflanzenmaterials durchgeführt. Weitere regelmäßige Überwachungen führten zu Funden von Larven im Bereich von Johannisberg (Kreuzung Krögenweg und weiter östlich am Getreidespeicher). Wirtspflanzen sind Felsenbirne, Apfelbeere, Weißdorn, Rotdorn, Zwergmispel, Quitte, Apfel und Zierapfel, Pflaume, Kirsche, Zier- und Blutpflaume, Zierkirsche, Birne und Zierbirne, Eberesche, Mehlbeere sowie Vogelbeere.

Die LKSH teilte mit, dass es das gesteckte Ziel sei, die erforderlichen Maßnahmen bis zur vollständigen Tilgung des Rundköpfigen Apfelbaumbohrer durchzuführen, damit dieser sich nicht weiter in Europa ausbreiten kann. Erforderliche Überwachungsmaßnahmen sollen in den kommenden Jahren kontinuierlich erfolgen. Über die weitere Entwicklung sollen die Bürger zeitnah informiert werden. So wurde in Aussicht gestellt, bereits im Sommer oder im Herbst eine weitere Infoveranstaltung durchzuführen.

Unter 04331 9453390 oder per E-Mail an smonien@lksh.de können sich besorgte Bürger mit der LKSH in Verbindung setzen.

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