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Die Mitglieder der Initiative „Bewahrt Fehmarn!“ freuten sich  in der Mensa der Inselschule über den Ausgang des Bürgerentscheids

64,5 Prozent für die Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses

Fehmarn sagt Nein zum Sondergebiet

FEHMARN - Von Jana Bergmann Die Fehmarn-Bewahrer jubeln, Baltic FS schaut in die Röhre. Der Schlagabtausch, den sich beide Parteien seit Gründung der Initiative „Bewahrt Fehmarn !“ Anfang August 2014 geliefert hatten, fand am Sonntag sein Ende. Das letzte Wort hatten die Bürger, und die stimmten beim zweiten Bürgerentscheid der Inselgeschichte mehrheitlich mit Ja zur Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses und damit gegen das 15 Hektar große temporäre Sondergebiet zwischen Puttgarden und Marienleuchte.

Bei einer Wahlbeteiligung von 60,8 Prozent stimmten 64,5 Prozent der Bürger mit Ja zur Aufhebung des Aufstellungbeschlusses, 35,5 Prozent mit Nein. Eine Zitterpartie wurde es für die Initiative „Bewahrt Fehmarn !“ nicht. In allen Wahllokalen ging die Entscheidung zugunsten der Aufhebung aus, fast überall machten zwei Drittel der Wähler ihr Kreuz bei „Ja“. Ausnahmen gab‘s nur im Wahlbezirk 7 (Grundschule Landkirchen Nord), in dem sich die Stimmen bei 55,6 Prozent Ja- und 44,4 Prozent Neinstimmen nahezu die Waage hielten, und im Wahlbezirk 11 (Feuerwehrhaus Puttgarden), in dem 76,3 Prozent sich gegen das temporäre Sondergebiet aussprachen. Da die Entscheidung schon frühzeitig abzusehen war, hielt es nur wenige Bürger in der Mensa, bis das letzte Wahllokal (Grundschule Landkirchen-Süd) seine Ergebnisse durchgegeben hatte. Auch brachen Jubelstürme nur bei den ersten Ergebnissen los, danach schien die Sache für die anwesenden Mitglieder von „Bewahrt Fehmarn !“ und alle anderen Gegner des Vorhabens klar zu sein.

Mirko Kaminski.

Dabei war sich die Initiative ihrer Sache gar nicht so sicher, wie Sprecher Mirko Kaminski gestern im Gespräch mit dem FT betonte, gerade, weil in den letzten Tagen vorm Bürgerentscheid beide Seiten noch einmal viel getan hatten, um das Ergebnis zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Umso mehr freue er sich jetzt, so Kaminski, der den Bürgerentscheid von Florida aus verfolgte, wo er gerade Urlaub macht. Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, in den vergangenen Tagen habe die Initiative „schon leicht gebibbert“, schließlich sei es nur schwer vorherzusagen gewesen, wie die Bürger entscheiden würden. Baltic FS habe Argumente geliefert, die „auf den ersten Blick gut klingen.“ Auch wenn „Bewahrt Fehmarn !“ weiterhin enorme Zweifel habe, könne er verstehen, wenn Bürger dem Unternehmen Glauben schenken, so Kaminski, der hofft, „dass die Stadtvertreter standhaft bleiben bei weiteren Avancen von Baltic FS oder anderen Unternehmen. Am Ende des Tages hat es Fehmarn in der Hand.“ Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer des Unternehmens Baltic FS, verfolgte den Bürgerentscheid in der Mensa der Inselschule. „Wir danken allen, die mit ‚Nein‘ gestimmt haben. Wir akzeptieren das

Mirko Schönfeldt.

Voting. Der deutliche Ausgang des Bürgerentscheids zeigt aber, dass Fehmarn heute über die Beltquerung an sich abgestimmt hat. Natürlich machen wir weiter. Die Fläche ist gegeben und erster Bedarf von Firmen angemeldet. Wir machen weiter, auch mit Unterstützung der fehmarnschen Unternehmen werden wir zusehen, wer sich die Fläche sichern kann“, so Schönfeldt gegenüber dem FT.

Mit der Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses zur Errichtung des temporären Sondergebietes zwischen Puttgarden und Marienleuchte ist das Vorhaben jetzt erst einmal für zwei Jahr auf Eis gelegt. Als Sprecher der Initiative waren gestern Volker Binding und Dr. Angelika Wenner-Binding bei der Präsentation der Abstimmungsergebnisse in der Mensa der Inselschule vor Ort. „Wir sind völlig begeistert und dankbar für das gute Ergebnis“, so Volker Binding, der das Ergebnis des Bürgerentscheids auch darauf zurückführte, dass sich zum Schluss alle Bürgermeisterkandidaten gegen das temporäre Sondergebiet ausgesprochen haben.

„Ergebnis für die Bürger erreicht“

„Wir haben dieses Ergebnis für die Bürger erreicht und damit ein deutliches Zeichen gesetzt, dass die Kommunalpolitik etwas beschlossen hat, was die Bürger nicht wollten“, betonte Dr. Angelika Wenner-Binding. In den letzten Tagen habe man bei der Initiative das Gefühl gehabt, es könnte doch noch knapp werden, so Volker Binding. Der Wahlkampf sei zum Schluss sehr emotional geworden und Baltic FS habe „Bewahrt Fehmarn!“ der Lüge bezichtigt. Das habe viele Bürger verunsichert, ist sich der Sprecher der Initiative sicher.

10 000 Brötchen am Wahltag

Auch künftig werde man ein Auge darauf haben, wie es weitergeht, versprach Volker Binding, schließlich habe die Initiative im Vorfeld versprochen, sie werde sich auch gegen eine weitere solche Fläche zur Wehr setzen, egal, wo auf Fehmarn diese entstehen soll. Bis zum Schluss hatten die Fehmarn-Bewahrer um die Stimmen der Bürger gekämpft, hatten am Wahltag noch 10 000 Brötchen an die Haushalte verteilt, um die Fehmaraner zu motivieren, wählen zu gehen und dabei am besten mit einem „Ja“ zu stimmen und so die Fläche zu verhindern.

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