Der Vorstand des Surfmuseumsvereins
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Der Vorstand des Surfmuseumsvereins präsentiert den Plan des Museums (v.l.): Kassenwart Sascha Sanner, Schriftführerin Scadi Wulff-Hodt und die beiden Vorsitzenden Jürgen und Manfred Charchulla. Mit dabei die Mitglieder Maria Raab und Bianca Burkhardt (r.).

Stadt hält sich bedeckt 

Fehmarn: Surfmuseum ja, aber wo?

  • Simone Walper
    VonSimone Walper
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Der Surfmuseumverein Fehmarn hatte zur Jahreshauptversammlung geladen. Die Teilnahme der Mitglieder war gering.

  • Museum mit drei Vollzeitstellen und drei 450-Euro-Jobs machbar.
  • Für den Standort Gahlendorf gibt es keine Fördergelder.
  • Museum würde sich über Investoren und Fördergelder finanzieren.

Fehmarn – Am Sonnabend um 18 Uhr hatte der Vorstand des Surfmuseumsvereins, der offiziell Surfmuseum Fehmarn International heißt, zur Jahreshauptversammlung geladen. Der Verein hat 113 Mitglieder, über die ganze Welt verstreut. Ein Teil der hiesigen Mitglieder war fernab der Heimat unterwegs. Und so gesellten sich nur einige wenige zum Vorstand dazu, um sich über die Arbeit des vergangenen Jahres und die Pläne für die Zukunft zu informieren. 

Kassenwart Sascha Sanner eröffnete die Sitzung um 18.22 Uhr und ging dann gleich nach der Begrüßung mit dem Rückblick in die Vollen. Er berichtete ausführlich über das Konzept für das neue Surfmuseum, das nicht einfach ein Museum mit einer Ausstellung sein soll, sondern eine Erlebniswelt, die die Besucher interaktiv in ihren Bann ziehen soll. Das Konzept fürs Museum, das „Surfer’s World“ heißen soll und den besonderen Lebensstil der Surfer vermitteln möchte, wurde von einigen Mitgliedern unter immensem Zeitaufwand detailliert ausgearbeitet. Bis hin zum Businessplan ist alles vorbereitet.

Wir haben auch eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Sascha Sanner, Kassenwart des Surfmuseumsvereins

„Auch den Erhaltungsaufwand haben wir drin. Es sollen drei ganzjährige Vollzeitarbeitsplätze und drei 450-Euro-Jobs geschaffen werden“, so Sanner, der fortfuhr: „Wir haben auch eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.“ Die Kosten in Höhe von rund 17000 Euro seien zur Hälfte von der Aktivregion Wagrien-Fehmarn gefördert worden. 

Einen großen Teil hat Jan-Georg Rickert übernommen, der dem Verein angeboten hatte, das Museum in Gahlendorf zu eröffnen. Leider sei dieser Standort für die Förderung durch die Aktivregion nicht attraktiv genug gewesen, berichtete Sanner und ergänzte, dass es von städtischer Seite die Idee gegeben habe, im Gewerbegebiet am Severitenkamp ein Grundstück zu nutzen. „Als wir dann konkreter wurden und nochmal wegen des Grundstücks nachfragten, war die Antwort, dass alle Grundstücke vergeben seien“, bedauerte der Kassenwart.

Ohne Grundstück keine Fördergelder

Mittlerweile hatte der Verein Architekt Kai Schumacher ins Boot geholt, „der uns kostenfrei ein gutes Konzept mit Bauskizzen ausgearbeitet hat“, so Sanner, der noch einmal betonte, dass die Lage für das Museum ausschlaggebend sei. 

Direkt nach der Bürgermeisterwahl im März hat sich der Verein mit Bürgermeister Jörg Weber getroffen und ihm das Konzept übergeben. „Wir sind forsch rangegangen und haben auch Kontakt zu allen Fraktionen der Stadt aufgenommen“, erläuterte Sanner weiter und hielt mit seiner Enttäuschung darüber, dass es bisher so gut wie keine Rückmeldungen gebe, nicht hinterm Berg: „Es ist eine schwierige Situation mit der Stadt. Wenn wir kein Grundstück finden, können wir auch keine Fördergelder beantragen.“ Sanner äußerte den Wunsch, dem der 1. Vorsitzende, Manfred Charchulla, und der 2. Vorsitzende, Jürgen Charchulla, beipflichteten: „Wir möchten gern mit der Stadt kooperieren.“

Stadt nicht hilfreich bei der Grundstückssuche

Der Verein habe viel getan und sich selbstverständlich auch nach anderen Grundstücken und Unterbringungsmöglichkeiten für das Museum umgesehen, wie die Turnhalle in Petersdorf oder eine Fläche zwischen Burg und Landkirchen, die sich jedoch nicht als praktikabel erwiesen hätten, fuhr Sanner fort. Eine Idee sei, eventuell eine Fläche in Puttgarden von Baltic FS zu bekommen. Auch hat der Verein noch nicht aufgegeben, was das Haus des Gastes am Südstrand betrifft. Leider sei man hier noch nicht weitergekommen bezüglich der Frage, wem Grundstück und Haus momentan gehörten, um mit dem Besitzer Kontakt aufzunehmen. Auch hier sei die Stadt Fehmarn bisher nicht hilfreich, sodass sich der Verein nun auch über andere Kanäle darum bemüht, in dieser Frage weiterzukommen.

Fest steht für Manfred und Jürgen Charchulla: Sie wollen endlich loslegen mit der Realisierung ihres Traums vom Surfmuseum, zur Not auch in Dubai, wenn sich auf Fehmarn partout kein passender Standort finden lässt. In Dubai? Ganz recht. Aber davon später mehr. Im Anschluss an die Ausführungen zur Standortfrage erläuterte Manfred Charchulla das Konzept und den Aufbau der Erlebniswelt. „Direkt hinterm Eingang haben die Besucher die Möglichkeit, im Tube, dem Wellentunnel, sozusagen auf der Welle zu reiten und werden dabei fotografiert.“ Dann geht es weiter über die ersten Marken eines Surfbretts, die weitere Entwicklung und den Fehmarn-Achter bis hin zum kleinen Souvenirladen und einem Café sowie Außenbereich mit Terrasse. Die Ausstellung soll die rund 1800 Ausstellungsstücke der Charchullas vom Beginn des Surfens bis heute zeigen. Geplant ist eine Modulbauweise, sodass man das Museum nach und nach ergänzen kann. Gestartet werden soll mit 1000 Quadratmetern, die auch Veranstaltungsflächen beherbergen sollen, die auch vom Tourismus-Service Fehmarn genutzt werden können sollen. „Zum ersten Mal wissen wir nicht, wie es weitergeht. Wir haben die ganze Arbeit gemacht, und es ist wirklich frustrierend, dass wir jetzt an dem Punkt sind, wo wir nicht wissen, wie es weitergeht“, brachte der Vorstand sein Bedauern, auch darüber, dass die Stadt sich nicht gemeldet habe, zum Ausdruck. Für den 1. November haben die Vorstandsmitglieder um ein Gespräch mit Bürgermeister Weber gebeten.

Einige weitere arbeitsintensive Tage fanden im September 2020 statt, als alle Ausstellungsstücke des Surfmuseums von Gahlendorf, wo sie zwischenzeitlich gelagert wurden, nach Strukkamp in ihr neues Lager bei Familie Muhl umziehen mussten. „Es hat schon allein einen ganzen Tag gedauert, mit dem Fehmarn-Achter umzuziehen. Zwei Teile waren so fest, dass wir sie nicht trennen konnten. So mussten wir sie in einem Stück von zehn Meter Länge transportieren“, erinnerte Manfred Charchulla an die Knochenarbeit. „Jetzt zahlen wir zum ersten Mal für die Lagerung der Exponate“, so Sanner im Kassenbericht. Die Kosten betrügen 600 Euro jährlich. Momentan ist der Verein ziemlich blank. Es seien nur noch drei Euro auf dem Konto.

Es hake beim Einzug der Mitgliedsbeiträge, der nur alle drei Jahre gemacht würde. Es gebe viele mit hohen Kosten verbundene Rücklastschriften, weil sich entweder die Kontoverbindungen änderten und die Mitglieder nicht Bescheid sagten oder die Lastschriften zurückgegeben würden.

Leider gebe es generell Probleme bei der Kommunikation zu den Mitgliedern, weil nicht alle per Mail oder über WhatsApp zu erreichen wären, bedauerte Sanner. Der Verein will nun jemanden suchen, der die Mitgliederverwaltung optimieren kann. Ebenso liege die Website im Argen, sodass auch hier aus den Reihen der Mitglieder jemand gefunden werden soll, der sich der Aktualisierung annimmt. Früher habe man sich mehr auf Spenden verlassen können. Das sei heute nicht mehr der Fall. Die Realisierung des Museums habe glücklicherweise nichts mit den Finanzen des Vereins zu tun, sondern würde über Investoren und Fördergelder finanziert werden, so Sanner abschließend.

Bevor wir in die Kiste steigen, gehen wir nach Dubai

Manfred und Jürgen Charchulla

Manfred Charchulla berichtete über seinen Brief an Holger Mahnicke, den deutschen Generalkonsul in Dubai, um in Kontakt zu Scheich Mohammed bin Ra-shid al Maktum zu treten, den er 1968, als er im Persischen Golf für die South Eastern Drilling Company of Persia als „Chief Engineer“ tätig war, kennengelernt hatte. Wenn auf Fehmarn nichts geht, möchten ihm die Charchullas die Idee des Surfmuseums nahelegen und ihm all ihre Exponate überlassen. „Bevor wir in die Kiste steigen, gehen wir nach Dubai“, sind sie sich denn auch einig.  

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