Langjähriger FT-Chefredakteur nach schwerer Krankheit verstorben – Ein Nachruf von Heiko Witt

Fehmarn trauert um Henning Wolff

Henning Wolff war Journalist mit Leib und Seele.

Henning Wolff war Journalist mit Leib und Seele.

BURG • Mit tiefer Trauer nahm die Insel Fehmarn die Nachricht vom Tode des langjährigen Chefredakteurs und Verlegers des Fehmarnschen Tageblattes, Henning Wolff, zur Kenntnis. Er verstarb am 29. Dezember nach schwerer Krankheit, die er tapfer getragen hatte. Im Mai vergangenen Jahres erlebte er noch das 150-jährige Jubiläum des Fehmarnschen Tageblattes mit.

Henning Wolff war Journalist mit Leib und Seele. 1958 wurde er Chefredakteur beim Fehmarnschen Tageblatt und berichtete fortan 35 Jahre lang von den Ereignissen auf Fehmarn – übrigens auch als Korrespondent der Deutschen Presseagentur. Nach dem Tode seines Vaters Hans Wolff im Jahre 1975 wurde er zudem Verleger der Heimatzeitung.

 12 bis 14 Stunden dauerte für ihn so mancher Arbeitstag, um alle Informationen für die Leser zusammenzutragen. Wenn die Stadtvertretung am Abend tagte oder bei anderen wichtigen Ereignissen, formulierte er die Berichte nachts und präsentierte sie am nächsten Mittag den Lesern. Henning Wolff berichtete über den Bau der Fehmarnsundbrücke, über die Ermittlungen im Fall des Frauenmörders Imiela und über unzählige gesellschaftlich bedeutende Ereignisse auf der Insel. Er verstand sich als Mitanwalt seiner Wahlheimat.

Annäherungsversuche der benachbarten Zeitungsverlage wehrte Henning Wolff ab und bewahrte dem FT die Eigenständigkeit. 1989 übergab er die Zeitung an den Verleger Dr. Dirk Ippen, der ihm zusagte, den Burg-Verlag und das Fehmarnsche Tageblatt am Erscheinungsort und in bisheriger Mentalität zu erhalten. Bis zum 65. Lebensjahr blieb er Chefredakteur. Viele Jahre war Henning Wolff noch der Herausgeber der Zeitung.

Konservativ war er und, wie er selbst sagte, „gesamtdeutsch in der Gesinnung“. Absolut neutral als Journalist. Für Henning Wolff war Objektivität das höchste Ideal. Das brachte ihm hohe Wertschätzung ein. Zahlreiche Politiker und Minister besuchten das FT und suchten mit ihm das Gespräch. Der ehemalige Bundespräsident Karl Carstens, der frühere Ministerpräsident und Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel, aber auch SPD-Politiker wie der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau, Björn Engholm und Rudolf Scharping waren im FT zu Gast. Eine herzliche Freundschaft verband Henning Wolff mit dem früheren schleswig-holsteinischen Sozialminister Günther Jansen. 1986 wurde Henning Wolff mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Weiter erhielt er folgende Auszeichnungen: die Bismarck-Medaille, die Gedenkmedaille der Landsmannschaft Ostpreußen „in Anerkennung seines langjährigen journalistischen Einsatzes für Deutschland und insbesondere für Ostpreußen“,  die Fehmarn-Medaille „für Verdienste um die Insel Fehmarn“ und weitere.

 Henning Wolff war immer ein „bekenntnistreuer Konservativer“. Immer ein Fürsprecher für die deutsche Wiedervereinigung und die „Aus- rottung des Kommunismus“. Seine Abscheu gegenüber Unfreiheit und Totalitarismus sozialistischer Staatsformen hat tiefe Wurzeln.  Er wuchs in Birkenwerder in der Mark Brandenburg als Sohn einer traditionellen Zeitungsverlegerfamilie auf. Mit 15 Jahren musste der Schüler der Nationalpolitischen Lehranstalt (Napola) von  der Insel Rügen aus mit dem offenen Kutter vor der roten Armee fliehen.

Er war ganz auf sich allein gestellt. Sein Vater geriet in Kriegsgefangenschaft. Henning Wolff landete in Staberhuk auf Fehmarn und arbeitete in der Landwirtschaft auf dem Hof Treimer in Niendorf und auf der Geflügelfarm Mildenstein in Gahlendorf. Er ging dann auf das staatliche Internatsgymnasium in Plön, arbeitete zwischenzeitlich im Bergwerk in Wanne-Eickel und absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Kreissparkasse Plön.

Wolff volontierte 1953 bei den Husumer Nachrichten, arbeitete ein Jahr als Sportredakteur beim Haller Kreisblatt und war schon mit 26 Jahren Politik- und Nachrichtenredakteur der Landeszeitung in Rendsburg. Seine Leitartikel wurden damals übernommen von vielen Zeitungen in Norddeutschland.

Die Kontakte zur Insel Fehmarn erhielt Henning Wolff aufrecht. Und er ließ nicht locker, bis sein Vater auf Betreiben der Bundesregierung von den Sowjets freigelassen wurde. Fortan bauten Hans und Henning Wolff das Fehmarnsche Tageblatt aus.

Über sein journalistisches Wirken hinaus engagierte sich Henning Wolff in der Politik. Er war Mitbegründer der Freien Wählervereinigung Feh- marn, die bis heute in der Stadtvertretung vertreten ist. Der ehemalige Bannesdorfer Bürgermeister Rudolf Scheffler und Henning Wolff selbst gehörten von 1966 bis 1970 dem Kreistag an.

Henning Wolff lebte für das Fehmarnsche Tageblatt und für seine Familie. Mit seiner Frau Anke hat er die Töchter Hilke und Kristina. Er war anspruchslos gegenüber sich selbst. Aber ein Mann voller Ideale, die er immer zielstrebig verfolgte.

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