Urlaubspakete auf Fehmarn Flutopfer
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Irmgard und Helmut Lussi (v.l.) übernahmen die ersten 25 Urlaubspakete für von der Flutkatastrophe Betroffene aus den Händen von Carsten Lübke im Beisein von Bürgermeister Jörg Weber und Tourismuschef Oliver Behncke.

Hilfe von Fehmarn

Fehmarn übergibt erste Urlaubspakete für Flutopfer aus dem Ahrtal

  • Simone Walper
    VonSimone Walper
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Viele Menschen haben ihr Hab und Gut bei der Flutkatastrophe im Ahrtal verloren. Für einen Lichtblick sorgen Carsten Lübke und sein Vereinsteam „Fehmarn hilft“ mit Urlaubspaketen für Betroffene.

  • Bürgermeister Helmut Lussi aus Schuld im Landkreis Ahrweiler macht mit seiner Frau eine Woche Urlaub auf Fehmarn.
  • Die ersten 25 Urlaubstüten konnte Carsten Lübke im Rathaus bereits an Familie Lussi übergeben. 
  • Aktion für die betroffenen Menschen geht weiter.

Fehmarn – Ein oder zwei Wochen Erholung auf Fehmarn – das klingt verlockend. Besonders für die Menschen, die Mitte Juli dieses Jahres ihr Hab und Gut bei der Flutkatastrophe im Ahrtal verloren haben und seit vier Monaten ununterbrochen daran arbeiten, ihre Häuser wieder auf- oder sogar ganz neu zu bauen.

In dieser Woche machen Irmgard und Helmut Lussi aus Schuld im Landkreis Ahrweiler eine Woche Urlaub auf Fehmarn, gesponsert vom neuen Verein um Carsten Lübke „Fehmarn hilft“, um sich ein bisschen von den Strapazen der letzten Monate zu erholen. Helmut Lussi ist ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde an der Ahr und hat im Gespräch mit der Presse von den Zuständen in seiner Heimat berichtet.

Von 63 Brücken im Ahrtal sind 59 zerstört

In der kleinen Gemeinde sind mit 141 mehr als die Hälfte der gesamten Immobilien beschädigt worden. Ihm ist die Betroffenheit noch immer anzumerken, als er berichtet, dass viele Häuser im Nachhinein ganz abgerissen werden mussten, weil ihre Statik nach der Trocknung nicht mehr gewährleistet gewesen sei. Von 63 Brücken im gesamten Ahrtal müssten 59 wieder aufgebaut werden – eine davon in Schuld. „Dafür muss eine Stützmauer gebaut werden“, so Lussi, der ergänzt, dass auch die Landesstraße vollständig unterspült worden sei. Er geht davon aus, dass der komplette Wiederaufbau der Infrastruktur mindestens fünf Jahre dauern werde. Allein die Schäden ohne die Infrastruktur würden mit rund 40 Millionen Euro beziffert. 

Um die Not direkt etwas zu lindern, seien Soforthilfen in Höhe von 2500 Euro sowie 1500 Euro vom DRK und 2000 Euro aus einem Hilfsfonds an die Betroffenen geflossen. Außerdem hat der Bürgermeister direkt ein Spendenkonto bei der Verbandsgemeinde eingerichtet, auf dem bis jetzt 1,6 Millionen Euro eingegangen und von denen 1,4 Millionen Euro bereits verteilt worden seien. Zudem habe jeder Betroffene Anspruch auf eine 80-prozentige Förderung der Kosten für den Wiederaufbau seines Hauses, die je zur Hälfte vom Bund und vom Land getragen würden.

Großer Zusammenhalt in der Gemeinde

Froh sind Bürgermeister Lussi und seine Frau über den Zusammenhalt in der Gemeinde, die gute Eigeninitiative und die vielfältige Unterstützung direkt am Anfang durch die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz. „Die Menschen haben sich zusammengetan und helfen sich gegenseitig“, lässt Irmgard Lussi wissen, die sich direkt nach der Katastrophe mit mehreren Frauen organisiert hat, um Mahlzeiten für bis zu 300 Personen zuzubereiten. Helmut Lussi ergänzt: „Viele Leute, deren Häuser unbewohnbar waren, sind bei Verwandten oder Bekannten untergekommen oder in Ferienhäusern, die wegen Corona nicht vermietet waren.“ Einige könnten ihre Häuser jetzt schon wieder beziehen.

Besonders schade sei der Umstand, dass das gerade durch viel zeitintensive Eigenarbeit der Gemeindemitglieder sanierte Dorfgemeinschaftshaus komplett von den Fluten zerstört worden sei, „das ist frustrierend“, bedauert Irmgard Lussi. „Es ist unvorstellbar, wie es dort immer noch aussieht“, berichtet Carsten Lübke, der sich selbst vor Ort ein Bild über die Zustände gemacht hat. „Das kann man nicht mit Worten beschreiben.“

Dankbar ist er für die Unterstützung durch den Tourismus-Service Fehmarn (TSF), der den Kontakt zu den Gastgebern der Insel hergestellt hat, von denen bereits jetzt einige ihre Ferienunterkünfte für Menschen aus Schuld und den Nachbargemeinden Antweiler, Insul und Dümpelfeld für ein oder zwei Wochen kostenlos zur Verfügung stellen. Die ersten 25 Urlaubstüten konnte Carsten Lübke im Rathaus bereits an Familie Lussi übergeben. 

Bürgermeister Lussi und seine Frau genießen trotz des Schmuddelwetters – in Rheinland-Pfalz sagt man dazu usselig – ihre Urlaubswoche auf Fehmarn: „Wir sind Carsten Lübke so dankbar. Es tut richtig gut, mal rauszukommen, nicht jeden Tag über kaputte Straßen zu fahren und zerstörte Häuser zu sehen, sondern mal wieder ein Leben ohne Katastrophe zu führen und die Seele baumeln zu lassen.“ Das wünscht er sich auch für andere Mitglieder seiner Gemeinde: „Mal wieder ein bisschen normales Leben spüren und nachts gut schlafen können.“ Und so sucht er sich jetzt die ersten 25 aus, „die es am nötigsten haben, einmal rauszukommen“. Weitere 50 Urlaubsangebote hat Carsten Lübke mithilfe seiner Mitstreiterin Doris Dickert, die sich um die komplette Abwicklung kümmert, schon eingetütet. Diese möchte er in der zweiten Dezemberhälfte vor Ort persönlich überreichen: „Weihnachten ist das Fest der Hoffnung und die möchten wir schenken.“ Und Helmut Lussi ergänzt: „Wir blicken hoffnungsvoll in die Zukunft. Man darf den Kopf nicht hängen lassen.“

Wer Interesse hat, im kommenden Jahr seine Ferienunterkunft für ein oder zwei Wochen kostenlos für von der Flutkatastrophe betroffene Menschen aus dem Ahrtal zur Verfügung zu stellen, kann mit Carsten Lübke per E-Mail Kontakt aufnehmen: hoffnung.schenken@t-online.de. Aber auch Geldspenden auf das Spendenkonto des Vereins „Fehmarn hilft“ sind gern gesehen und sollen unter anderem für Reparaturen, die nicht von anderer Stelle bezahlt werden können, genutzt werden. „Vielleicht braucht ein Spielplatz eine neue Rutsche oder ein anderes Spielgerät ist der Flut zum Opfer gefallen“, hat Lübke Ideen für die Nutzung solcher Spenden, freut sich jedoch auch über weitere Vorschläge. „Schön wäre es, wenn wir auch Gutscheine von Gastronomen oder Freizeitangeboten bekämen, die wir den Familien als Willkommensgeschenk weitergeben können“, bittet er die Fehmaraner um Mithilfe.

Spendenkonto „Fehmarn hilft“: Sparkasse Holstein; IBAN: DE72 2135 2240 0179 2599 99

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