Erste Staatsanwältin Renate Hansen mit den sichergestellten Schlagwerkzeugen
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Erste Staatsanwältin Renate Hansen mit den bei einer Hausdurchsuchung sichergestellten Schlagwerkzeugen. Ein Siebenjähriger soll nahezu täglich geschlagen worden sein.

Siebenjähriger soll täglich geschlagen worden sein

Fehmarn: Wegen Misshandlung angeklagt

  • Lars Braesch
    VonLars Braesch
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Nahezu täglich soll ein damals Siebenjähriger vom Lebensgefährten seiner Mutter auf Fehmarn geschlagen worden sein.

  • Junge musste sich Horrorfilme anschauen.
  • Tagelang im Zimmer eingesperrt.
  • Verfahren nach 42 Minuten ausgesetzt, da das Kind nicht befragt werden konnte.

Oldenburg – Vor dem Amtsgericht Oldenburg begann am Dienstag vor dem Jugendschöffengericht ein Prozess wegen Misshandlung Schutzbefohlener im Zeitraum März 2015 bis März 2019. Angeklagt sind ein Mann und eine Frau im Alter von 37 Jahren von Fehmarn. 

Der Angeklagte soll den damals siebenjährigen Sohn der Angeklagten in deren Wissen nahezu täglich geschlagen haben. Dabei sollen laut Anklage auch selbst gebastelte Schlagwerkzeuge zum Einsatz gekommen sein. Die Mutter sei nicht eingeschritten, wenn ihr Lebensgefährte den Jungen misshandelte, sondern habe ihn auch selbst geschlagen.

Dies hat den Jungen psychisch überfordert

Erste Staatsanwältin Renate Hansen

Weiterhin wurde der Siebenjährige gezwungen, sich Horrorfilme wie „Chucky –Die Mörderpuppe“ oder „Es“ anzuschauen. „Dies hat den Jungen psychisch überfordert“, so die Erste Staatsanwältin Renate Hansen während der Verlesung der Anklage. Seine Stofftiere soll der Junge mit dem Gesicht zur Wand gedreht haben, damit diese die Horrorfilme nicht mitansehen mussten.

Kind erhielt maßlose Strafarbeiten auferlegt

Auch habe der Angeklagte den noch schlafenden Jungen morgens erschreckt. Weiterhin soll der Junge tagelang in seinem Zimmer eingesperrt worden sein. „Ohne die Möglichkeit, auf die Toilette zu gehen“, so die Staatsanwältin. Ebenfalls erhielt das Kind maßlose Strafarbeiten vom Angeklagten auferlegt. Bei Verspätungen musste der Junge beispielsweise eine Fibel abschreiben. Als der Sohn der Angeklagten auf seine jüngeren Geschwister aufpassen sollte, wies ihn der Angeklagte an, diese zu schlagen, sollten diese frech werden. Gemeinsam mit einem Freund musste das Kind einen Horrorfilm ab 16 Jahren anschauen. Der Freund erzählte dies seiner Mutter, die daraufhin zur Polizei ging. Das Kreisjugendamt nahm alle Kinder aus der Familie heraus. Bei einer Hausdurchsuchung konnten zwei selbst gebaute Schlagwerkzeuge sichergestellt werden.

Zu einer Verständigung ist es nicht gekommen

Richter Thore Böttger

Nach Verlesung der Anklageschrift wurde die Hauptverhandlung von Richter Thore Böttger für ein sogenanntes Rechtsgespräch unterbrochen. Hier loten die Verfahrensbeteiligten (Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung) unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Positionen aus. „Zu einer Verständigung ist es nicht gekommen“, teilte Böttger bei Wiederaufnahme der Hauptverhandlung mit. Das Verfahren wurde nach 42 Minuten ausgesetzt.

 „Wir konnten das Kind nicht befragen, da die Vertrauensperson erkrankt ist“, erklärte Staatsanwältin Hansen auf Nachfrage. Die Angeklagten würden zu den schweren Anklagevorwürfen schweigen. Auch hätten die Pflichtverteidiger Reimund Brill für den Angeklagten und Henning Pries für die Anklagte sich noch nicht zur Sache eingelassen. „Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe, der Sohn behauptet mit den Schlagwerkzeugen ins Gesicht geschlagen worden zu sein“, so Hansen. Zu Beginn der Hauptverhandlung wurde Alexander Hahn als Schöffe vereidigt. Gemeinsam mit Maike Gast und dem Richter bildet Hahn das Jugendschöffengericht.

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