Aktion für Hochwasseropfer NRW
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Helga und Carsten Lübke möchten Hochwasser-Opfern mit ihrer Urlaubs-Aktion auf Fehmarn wieder ein wenig Freude und Zuversicht schenken.

„Zeichen der Hoffnung senden“

  • Nicole Rochell
    VonNicole Rochell
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Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen, eingestürzte Häuser. Die Zerstörungen, die eine der größten Flutkatastrophen der Nachkriegszeit in Deutschland verursacht hat, sind immens. Helga und Carsten Lübke haben nun eine große Hilfsaktion gestartet.

  • Fehmaraner starten Hilfsaktion für Flutopfer.
  • Ferienunterkünfte für Betroffene.
  • Herzlichkeit und Gastfreundschaft Fehmarns.

Fehmarn – „Diese Bilder.“ Carsten Lübke schluckt. Viele gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf. „Da gibt es kaum Worte für.“  Vollgelaufene Keller. Gänzlich oder zur Hälfte weggespülte, eingestürzte Häuser. Überflutete Straßen und Dörfer. Innenstädte, in die man nicht mehr zu Fuß gehen kann, mit einem Schiff aber erreichbar wären. Verwüstete Landstriche. Von der Außenwelt abgeschnittene Ortschaften. Zahlreiche Menschen werden vermisst, wurden verletzt, verloren ihr Leben bei einer der größten Flutkatastrophen der Nachkriegszeit. Wo Carsten Lübke auch hinzappte. Alle Nachrichtensender transportierten nahezu rund um die Uhr die Ausmaße der Verwüstungen: Heftige Unwetter und Dauerregen hatten Flüsse und Bäche in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in reißende Fluten verwandelt. Braunes Wasser, in dem sich Trümmer stapeln. Viele Menschen verloren binnen kürzester Zeit alles.

„Furchtbar“, erinnert sich Carsten Lübke an den Moment, als er gemeinsam mit seiner Frau Helga die Bilder zum ersten Mal sah. „Wir waren zutiefst angerührt“, war für Carsten Lübke bereits von der ersten Minute an klar, helfen zu wollen. Nicht nur das Herz, sondern auch das Portemonnaie zu öffnen, ist die eine Sache. Viele Millionen Euro an Spenden und Soforthilfen sind bereits unterwegs. Doch Geld allein macht es nicht, findet Carsten Lübke. Nicht in dem Augenblick, wenn Haus und Grundstück weggespült wurden, viele nichts anderes mehr haben, als das, was sie am Leibe tragen. Nichts mehr da. Alles weg. Nur noch in der Erinnerung vorhanden. Die Menschen verzweifelt, aussichtslos, sorgenvoll. „Ich möchte ein Zeichen der Hoffnung senden“, so Lübke und hat gemeinsam mit seiner Frau beschlossen, betroffene Menschen, Menschen, die vieles oder alles durchs Hochwasser verloren haben, im nächsten Jahr, zu welcher Jahreszeit auch immer, bei sich aufzunehmen. Für eine Woche oder zwei laden Lübkes eine Familie, ein Paar oder eine Einzelperson dazu ein, nach Fehmarn zu kommen und sich bei ihnen einzuquartieren. Lübkes wollen ihnen die Möglichkeit geben, mal für sieben oder 14 Tage voller Herzlichkeit und Gastfreundschaft alle Sorgen und Zukunftsängste zu vergessen, eine unbeschwerte Zeit auf Fehmarn zu erleben, um wieder Kraft zu tanken und Mut zu schöpfen, alle Herausforderungen, vor die sie das Hochwasser gestellt hat, anzugehen, stellt sich Carsten Lübke vor. 

Im Moment würden die Menschen dafür noch keinen Kopf haben. „Jetzt sind erst einmal andere Dinge wichtiger. Aber wenn all das geregelt ist, ist das Thema noch nicht beendet“, so Lübke, der sich vorstellen kann, wie all die Gedankenspiele die Menschen in den Hochwassergebieten von morgens bis abends nicht mehr loslassen. Viele von ihnen haben Haus und Inventar verloren, manche die Existenz, einige ihr Leben. 

Die Menschen, die Corona und das Hochwasser mit all seinen Folgen zu bestehen haben, die zusätzlich zu den Inzidenzwerten jetzt regelmäßig auch noch die Wasserstände checken, „diese Menschen müssen ja mal wieder einen Silberstreif am Horizont sehen“, so Carsten Lübke, der den Hochwasser-Opfern mit seiner Aktion vermitteln möchte: Irgendwann geht das Leben wieder in eine andere Richtung. Er möchte wieder Freude und Zuversicht in die Menschen hineinbringen, sagt er und hofft, dass es auf Fehmarn noch mehr Vermieter gibt, die seinem Beispiel folgen wollen. „Es gibt auf Fehmarn viele Campingplatzbesitzer, Hotels, Pensionen, Urlaub auf dem Bauernhof, viele Ferienwohnungen und -häuser“, würde Lübke es sehr freuen, wenn sein Beispiel Nachahmer findet.  

Idee geboren durchs Notstromaggregat

Die Idee bekam ihren Antrieb übrigens durch einen Café-Besuch in Großenbrode, nachdem Helga und Carsten Lübke am Wochenende die neue Strandpromenade in Augenschein genommen hatten. Der Unterhaltung am Nachbartisch entnahm Lübke zufällig das Wort „Notstromaggregat“, und wie man es am besten von hier nach dort bekomme. Schnell wurde klar: es ging um die Hochwasserkatastrophe. Beide Paare kamen ins Gespräch. Lübkes signalisierten, dass sie Flutopfern helfen wollten und erfuhren vom Gegenüber, dass es bereits geholfen hatte. Das Paar aus Bedburg, nördlich von Kerpen im Kölner Raum, das derzeit Urlaub auf dem Campingplatz Kraksdorf macht, hat ihr Haus einer Familie mit Hund zur Verfügung gestellt, die durch das Hochwasser alles verloren hat. Die Familie werde auch weiterhin im Haus der Bedburger wohnen bleiben können, auch wenn die irgendwann aus dem Campingurlaub wieder zurück sind. So viel Nächstenliebe – das hat Helga und Carsten Lübke schwer beeindruckt. Und kurze Zeit später war sie geboren, die Idee, Menschen, denen es derzeit schlecht geht, nach Fehmarn einzuladen, um ihnen hier eine schöne Zeit zu bereiten. 

Viele Menschen können nicht mehr in den Urlaub fahren. Alles Geplante – wie ausgelöscht.

Carsten Lübke

Carsten Lübke ist sich sicher: beim Betrachten all der Bilder in den Nachrichten hat es viele Menschen gegeben, die, wie Lübkes, gedanklich ganz nah bei den Hochwasser-Opfern waren. Doch aktive Hilfe besteht aus anpacken, machen, tun. „Viele Menschen können nicht mehr in den Urlaub fahren. Alles Geplante – wie ausgelöscht.“ Und hier setzt Carsten Lübkes Aktion an. „Wir haben die Möglichkeit, diesen Menschen einen schönen Urlaub zu bereiten“, so Lübke, der die Fehmaraner als außerordentlich familien- und gastfreundlich beschreibt. Carsten Lübke wird sich mit den Vorsitzenden der Verkehrsvereine der Insel in Verbindung setzen und hören, ob und was in dieser Sache machbar ist. 

Vermieter von Fehmarn, die seine Aktion unterstützen und ihre Ferienunterkunft im nächsten Jahr zur Verfügung stellen möchten, können sich per E-Mail (dshfehmarn@t-online.de) oder per Post mit Helga und Carsten Lübke, Kirchblick 8a in Landkirchen, in Verbindung setzen. Den Kontakt wird auch Carsten Lübke aufnehmen, mit den Bürgermeistern und Landräten der betroffenen Regionen, die dann entscheiden sollen, wem ein Aufenthalt auf Fehmarn ermöglicht werden soll. 

Und vielleicht, erhofft sich Lübke, werde die Aktion ja nicht nur auf Fehmarn Nachahmer finden. Ob Großenbrode oder Heiligenhafen, ob Timmendorfer Strand, Grömitz oder Scharbeutz, ob Rügen, Sylt, St. Peter-Ording oder Büsum ... – „vielleicht sagen ja viele Vermieter von Nord- und Ostsee: Das ist eine gute Idee, da schließen wir uns gerne an“, so Carsten Lübke.

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