Kai Schumacher und Gunnar Mehnert im Porträt
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Kai Schumacher (l.) und Gunnar Mehnert sind aus der WUW-Fraktion ausgetreten.

Mehnert und Schumacher gründen F3

Mehnert und Schumacher ziehen die Reißleine: WUW-Fraktion ist Geschichte

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Gunnar Mehnert und Kai Schumacher sind aus der WUW-Fraktion ausgetreten. Ab sofort bilden die Stadtvertreter die Freie Fraktion für Fehmarn.

  • Hans-Peter Thomsen bleibt für die WUW Stadtvertreter ohne Fraktionsstatus.
  • Gunnar Mehnert fokussiert sich auf den Inselwesten.
  • Neue Fraktion F3 trifft sich am 31. Mai erstmals öffentlich im Haus im Stadtpark.

Fehmarn – Am 12. Dezember 2014 gründeten Hans-Peter Thomsen und Gunnar Mehnert die WUW-Fraktion, und bei der Kommunalwahl 2018 konnte sogar ein dritter Sitz in der Stadtvertretung ergattert werden. Heino Kühl gesellte sich zum Duo, legte allerdings sein Mandat im Februar dieses Jahres nieder – für ihn rückte Kai Schumacher nach. Nur drei Monate später geht das Trio jetzt getrennte Wege. Seit dieser Woche ist „Wir unternehmen was“, dafür steht bekanntlich das Kürzel, in der Stadtvertretung Geschichte. Mehnert und Schumacher sind aus der Fraktion und Wählergemeinschaft ausgetreten und haben gemeinsam eine neue Fraktion gegründet. Name: Freie Fraktion für Fehmarn, kurz F3 (F hoch drei). Thomsen bleibt für die Wählergemeinschaft Stadtvertreter ohne Fraktionsstatus.

Wählerauftrag verlorengegangen

„Wir haben beide festgestellt, dass der ursprüngliche Wählerauftrag, bürgernah und transparent zu arbeiten, verlorengegangen ist“, benennt Schumacher einen wichtigen Aspekt, warum beide aus der WUW ausgetreten sind.

Die WUW ist nicht mehr das, weshalb wir sie gegründet haben.

Gunnar Mehnert

Bis zum Schluss habe man mit Hans-Peter Thomsen versucht, die Fraktion aufrechtzuerhalten, so Kai Schumacher. Am Ende wohl ein aussichtsloses Unterfangen, denn die Entscheidung „hatte sich über die letzten Monate immer deutlicher herauskristallisiert“, verdeutlicht Gunnar Mehnert, der für sich feststellt: „Die WUW ist nicht mehr das, weshalb wir sie gegründet haben.“

Hans-Peter Thomsen

Ein weiterer Grund, der Fraktion den Rücken zu kehren, sei das „stete Herausstellen von Schwächen anderer“ gewesen, sagt Schumacher, der zugleich Fraktionsvorsitzender der Freien Fraktion für Fehmarn sein wird, gegenüber dem FT. „Ich will keiner Wählergemeinschaft angehören, die auf Kritik aufgebaut ist. Wir wollen uns konstruktiv beteiligen. Das war nicht mehr gegeben. Deshalb haben wir die Reißleine gezogen“, so Mehnert. Sein Fraktionskollege bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Uns geht es um die produktive Zusammenarbeit mit der Verwaltung, dem Bürgermeister und den Fraktionen.“

Rietzrau: Austritt ignoriert den Wählerwillen

Den Austritt der beiden ehemaligen Fraktionskollegen bezeichnet der WUW-Vereinsvorsitzende Florian Rietzrau in einem schriftlichen Pressestatement als „ignorierten Wählerwillen“. Eine Entscheidung, die einen „erheblichen Schaden für Fehmarn“ zur Folge haben werde. Für die WUW sei es ein Schritt zurück, allerdings werde man „daraus Stärke entwickeln, positiv in die Zukunft blicken und den bisherigen Weg mit innovativen Ideen fortsetzen“, so Rietzrau und bekräftigt: „Der Wählerauftrag wird pflichtbewusst von der WUW fortgeführt.“

Mitnahme des Stadtvertretermandats „ist eine besondere Härte“

Dass Kai Schumacher sein erst kürzlich erhaltenes WUW-Stadtvertretermandat mitnehme, „ist eine besondere Härte, da das ihm entgegengebrachte Vertrauen schändlich missbraucht wurde“, schreibt der 1. Vorsitzende und resümiert: „In einer Zeit, in der Bürger das verlorene Vertrauen in die Politik mit Stimmenentzug abstrafen, ist das Verhalten der beiden Stadtvertreter nicht förderlich und sorgt für weitere Politikverdrossenheit.“

Am Mittwoch wurde nach Bekunden Rietzraus auf der WUW-Jahreshauptversammlung über den Abgang der beiden Stadtvertre- ter diskutiert und beraten. Näheres werde die WUW in den nächsten Tagen verkünden.

Strategische Ziele der Stadt Fehmarn Arbeitsgrundlage für F3

Unterstützung bekommt F3 unter anderem von der ehemaligen Bürgermeisterkandidatin. „Wir haben mit Doris Klemptner eine viel umworbene und kompetente Mitstreiterin für die bevorstehenden Herausforderungen Fehmarns an unsere Seite geholt“, so Schumacher, der als Grundlage für die zukünftige Arbeit von F3 die Strategischen Ziele der Stadt Fehmarn sieht.
Themen hat das neue Duo auch auf der Agenda: Unter anderem für Mehnert, der im Wahlkreis Petersdorf bei der Kommunalwahl 2018 fast die Hälfte aller Stimmen holte, steht die Aufwertung des Inselwestens im Vordergrund, verbunden mit einer Dorfmoderation, damit die Bürger mitentscheiden können.

Die Menschen vor Ort müssen rechtzeitig in die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

Stadtvertreter Kai Schumacher

„Die Menschen vor Ort müssen rechtzeitig in die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden werden“, dann seien Bürgerentscheide nicht mehr nötig, verallgemeinert Schumacher das Beispiel Petersdorf. „Auf Dauer muss die Bevölkerung das Vertrauen in die Politik zurückgewinnen.“

Wer Interesse hat, F3 wird zukünftig in unregelmäßigen Abständen zu öffentlichen Veranstaltungen einladen. „Jeder ist herzlich eingeladen. Eine Mitgliedschaft ist nicht erforderlich“, so Schumacher. Das erste Treffen findet am 31. Mai (Montag) um 19 Uhr im Haus im Stadtpark statt. Die Teilnahme wird auch über Zoom möglich sein.


Keine Änderungen bis zur nächsten Stadtvertretung auf Fehmarn

Wie geht es jetzt weiter? „Bis zur nächsten Stadtvertretung ändert sich nichts“, sagt Bürgermeister Jörg Weber. Ab Montag werde man die verschobenen Mehrheitsverhältnisse angehen und alles neu ausrechnen. Zunächst müssen sich die Fraktionen auf die Ausschusssitze einigen, im Zweifel über Losverfahren. Dabei geht es auch um die Zugriffsrechte auf den Vorsitz im jeweiligen Ausschuss.

Zukünftig drei große Fraktionen, zwei kleine und zwei Fraktionslose in der Stadtvertretung Fehmarn

Bisher stellte die WUW die viertstärkste Fraktion, die neue F3-Fraktion mit ihren zwei Stadtvertretern hat nun genauso viele Sitze wie die Grünen. Drei große Fraktionen bleiben mit SPD (sieben Sitze), CDU (sechs) und FWV (vier) übrig. Auf der anderen Seite gibt es neben Peter Meyer (FDP) mit Thomsen (WUW) nun einen weiteren fraktionslosen Stadtvertreter, der in einem Ausschuss beratendes Mitglied (ohne Stimmrecht) sein darf.

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