Suleiman Sabbah steht vor seiner Post-Apotheke
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Kurze Verschnaufpause in der Mittagszeit: Suleiman Sabbah, Inhaber der Post-Apotheke.

Fehmarns Apotheken beginnen mit der Verteilung von FFP2-Masken / Kritik und Zuversicht

„Knall auf Fall“

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Fehmarns Apotheken beginnen mit der Verteilung von FFP2-Masken. Von der Entscheidung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) wurden die Apotheker der Insel völlig überrascht.

  • Personalausweis oder Eigenauskunft über die Zugehörigkeit zu einer Corona-Risikogruppe muss vorgelegt werden.
  • Enormer Aufwand musste bei Bestellungen betrieben werden.
  • Entscheidung ist richtig.

Fehmarn – Rund 27 Millionen Menschen in Deutschland haben seit Dienstag für diesen Monat einmalig Anspruch auf drei kostenlose FFP2-Masken. Versorgt werden sollen Menschen, die über 60 Jahre alt sind, Personen mit Vorerkrankungen oder Risikoschwangerschaften. Zur Ausgabe reicht in der Apotheke die Vorlage des Personalausweises oder die Eigenauskunft über die Zugehörigkeit zu einer Corona-Risikogruppe.

Die Entscheidung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) vor rund einer Woche traf die Apotheken – natürlich auch auf Fehmarn – ziemlich unvorbereitet. „Knall auf Fall“, fasst es Michaela Sotzek von der Burg-Apotheke kurz und bündig zusammen. Das sei man aus dem Apothekerwesen anders gewohnt. Ihre Kollegin Karen Bader von der Rathaus-Apotheke spricht von einer „schlechten Vorbereitung“. Es wäre einfacher gewesen, wenn wir eher Bescheid gewusst hätten, so Bader. Der dritte Apothekenchef auf Fehmarn, Suleiman Sabbah von der Post-Apotheke, findet deutlichere Worte in Richtung Politik. „Wir hatten keine Zeit, uns vorzubereiten.“ Vielmehr habe man seine Zunft ins Chaos gestürzt, so Sabbah.

Ich habe mich fast eine Woche heiser telefoniert. Das hat viel Kraft gekostet.

Suleiman Sabbah

Schnell mussten die Apotheken einen enormen Aufwand für Bestellungen aufwenden. „Ich habe mich fast eine Woche heiser telefoniert. Das hat viel Kraft gekostet“, sagt Sabbah, der nach eigener Aussage bereits „fleißig am Verteilen ist“. Während auch in der Rathaus-Apotheke schon die ersten 500 FFP2-Masken verteilt wurden und aktuell auf die nächste Lieferung gewartet wird, erwartet Michaela Sotzek jeden Moment ihre erste Lieferung. „Wir haben viel bestellt und vernünftig kalkuliert.“

Apropos Lieferung: Suleiman Sabbah hat auch die Paketzusteller im Blick, die gerade vor Weihnachten sowieso extrem unter Druck stehen würden. „Sie müssen nun Millionen Masken durch Deutschland verteilen, müssen die Entscheidung der Politik ausbaden.“ Dabei will Sabbah keineswegs falsch verstanden werden. „Die Idee, FFP2-Masken an die Bevölkerung zu verteilen, ist richtig.“ Bader und Sotzek äußern sich genauso. „Sie sind deutlich sicherer, haben eine höhere Filterleistung“, weiß die Chefin der Rathaus-Apotheke. Kollegin Sotzek betont gegenüber dem FT die bedachte Auswahl der Lieferquellen – nicht alle seien seriös. Sie werde täglich „mit Dutzenden Angeboten jeglicher Art zugeballert“.

Die Nachfrage ist jedenfalls groß, sind sich die Apothekerinnen und der Apotheker einig – woraus allerdings der zweite neuralgische Knackpunkt erwächst: die Verteilung. Weniger Menschen, die zeitgleich in den Apotheken erlaubt sind, und – aufgrund des Abstandsgebotes – weniger Bedienschalter sorgen auch auf Fehmarn draußen für teils lange Warteschlangen. Erschwerend kommt hinzu, dass vor Weihnachten sich viele Kunden nochmals mit Medikamenten eindecken, weil viele Ärzte ihren Urlaub in die Zeit legen und generell der Bedarf in der Jahreszeit der grippalen Infekte höher ist. „Das Programm zur Verteilung hätte eher anlaufen müssen“, ist sich Suleiman Sabbah sicher.

Auch wenn die Kritik mal mehr, mal weniger deutlich zu vernehmen ist. Die Apothekerinnen und der Apotheker nehmen die Herausforderung an. „Wir machen das mit Freude und sehen so unsere Kunden noch mal vor Weihnachten“, sagt Karen Bader. „Der Aufwand ist enorm, aber wir kriegen das hin“, geht auch Michaela Sotzek die Aufgabe positiv an.

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