Bürgermeister Jörg Weber sitzt an seinem Schreibtisch
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Fühlt sich wohl in seinem Büro: Bürgermeister Jörg Weber will den Stuhl des Verwaltungschefs der Insel im März keineswegs freiwillig räumen. „Es macht mir weiterhin sehr viel Freude“, sagt er im FT-Gespräch.

Jörg Weber zieht im Wahljahr Bilanz

Fast sechs Jahre im Rathaus

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Bürgermeister Jörg Weber ist nun fast seit sechs Jahren Fehmarns Verwaltungschef. In einer Broschüre zieht Weber Bilanz.

  • Eine Broschüre soll Geleistetes dokumentieren.
  • Bürgermeister will das Beste für die Insel rausholen.
  • Breitbandausbau ist Chefsache.

Fehmarn – Seit fast sechs Jahren ist Jörg Weber (SPD) Verwaltungschef auf Fehmarn. Er kann auf eine turbulente Zeit zurückblicken – eine Broschüre, die seit heute auf Fehmarn im Umlauf ist, belegt dies. Der 53-Jährige hat sie auf eigene Kosten erstellen lassen. Inhaltlich auf sechs Seiten zieht er Bilanz, greift zahlreiche Themen auf von B wie Bildung bis W wie Wohnraum. Passend zum Wahlkampf? Vielleicht. Denn am 7. März wollen neben Weber auch gerne die parteilose Bewerberin Doris Klemptner und der Grüne Marco Eberle ins Rathaus einziehen. Weber muss um seinen Posten also kämpfen. Ihm sei es primär darum gegangen, „zu dokumentieren, was wir geleistet haben“. Und das sei nicht wenig gewesen, ist Weber stolz auf das Erreichte, wenngleich er ohne Umschweife zugibt, dass die Zeit, zahlreiche Themen anzupacken, aufgrund der Haushaltslage günstig gewesen sei. „In den Jahren davor wurde weniger gemacht, weil das Geld einfach nicht da war.“

Ein Meilenstein, der hingegen Jahr für Jahr Geld spart: der digitale Sitzungsdienst. „Wir haben im ersten Jahr 500000 Blatt Papier gespart.“ Mittlerweile seien es jährlich sicherlich bis zu 800000 Seiten, da es unter anderem mehr Bauausschusssitzungen gebe, mutmaßt Weber.

In die Themen habe ich mich reingefuchst.

Bürgermeister Jörg Weber

Es sind große Umstände, die den gebürtigen Wuppertaler, der seit 2009 auf Fehmarn wohnt, seit 2015 begleiten: die Feste Fehmarnbeltquerung, die kommen wird, das Ende des Stillstandes in Sachen „Spielwiese“ oder auch die Querung durch den Fehmarnsund. „In die Themen habe ich mich reingefuchst.“ Er sehe seine Aufgabe darin, das Beste für die Insel rauszuholen, zugleich würden aber die Entscheidungen durch das Land, den Bund und die Gerichte gefällt. Was er bedauert? „Wir haben nicht alle Prozesse gewonnen.“ Beispiel Ausbau der B207: Die Stadt hatte im November 2015 gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt, das Oberverwaltungsgericht hatte diese ohne Möglichkeit auf Revision im Februar 2020 abgewiesen.

Keine Parteipolitik aus dem Rathaus möglich

Entgegen der landläufigen Annahme könne man keine Parteipolitik aus dem Rathaus machen, erklärt Weber und greift die Causa dm auf. „Ich bin anderer Meinung als meine Partei, bin Befürworter der Ansiedlung.“ Zuletzt hatte die Politik den Daumen gesenkt.

Weber, der als hauptamtlicher Verwaltungschef auch kein Stimmrecht in Ausschüssen oder der Stadtvertretung hat, sagt: „Auf die Entscheidungen der Kommunalpolitik habe ich keinen Einfluss.“ Gescheitert ist sein Versuch, die dm-Entscheidung vom Bauausschuss in die Stadtvertretung zu holen. „Dort sitzen die 23 direkt gewählten Stadtvertreter“, hatte sich Weber weniger Hickhack erhofft und eine klare Entscheidung bei einem Thema, das die Gemüter von Befürwortern und Gegnern erhitzt.

Es muss noch viel Papier bewegt werden.

Bürgermeister Jörg Weber

Mit Blick auf die Infrastruktur der Insel ist mit dem Aufstellungsbeschluss zum Bau der Umgehungsstraße zwischen K43 und Burgstaaken der Weg geebnet. „Wir haben nicht aufgegeben und mittlerweile, abgesehen von einem Grundstück, alle notwendigen Flächen erworben.“ Für die Umgehungsstraße könnte im Idealfall noch in diesem Jahr das Bauleitverfahren abgeschlossen werden. Wobei Weber weiß: „Es muss noch viel Papier bewegt werden.“

Passendes Stichwort: Über 25 Jahre sei darüber gesprochen worden, die K43 auszubauen, erinnert der Verwaltungschef, der den entscheidenden Schritt Ende 2015 für sich verbucht. „Durch die Vollmacht des Kreises hatte Benjamin May den Zugriff auf alle Grundstücke erreicht.“ Kritik an der Bauzeit will Weber nicht gelten lassen: „Die reine Bauzeit war anderthalb Jahre. Drei Jahre hat es gedauert, weil wir in der Saison keine Sperrung der Strecke wollten. Das haben wir vom Kreis gefordert.“

2019 wurde May übrigens Leiter des Bauamtes. Für den Verwaltungschef eine Erfolgsgeschichte. Als Erfolg verbucht er auch die Schaffung der Stelle zur Wirtschaftsförderung der Insel. „Vier Jahre habe ich dafür gekämpft“, erinnert sich Weber auch noch an Sätze wie, dies könne der Bürgermeister doch nebenbei machen. Überhaupt sei er stolz auf seine Verwaltung. „Die richtigen Leute sind an den richtigen Stellen.“ Nicht zuletzt sei es in seiner Amtszeit auch gelungen, den Tourismus-Service wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen. 

Ein Herzensprojekt für Weber und zugleich Chefsache ist der kommunale Breitbandausbau auf der Insel. „Dank der Unterstützung aus der Bevölkerung geht es los“ – auch wenn sich das Vorhaben insgesamt verzögert habe. Klar sei: „Es geht um die Zukunft Fehmarns“, blickt Jörg Weber am Ende des Rückblicks doch noch kurz nach vorn.

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