Inga Schürmann steht in ihrem Hühnerstall
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Inga Schürmann freut sich, ihre Idee vom mobilen Bio-Hühnerstall endlich in die Tat umsetzen zu können.

Fehmarns erster mobiler Bio-Hühnerstall

Bei der Öko-Landwirtin gackert‘s

  • Simone Walper
    vonSimone Walper
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Inga Schürmann betreibt Fehmarns ersten mobilen Bio-Hühnerstall. Losgehen sollte es eigentlich schon viel früher, doch die Gahlendorferin hatte Probleme bei der Anschaffung des Hühnerstalls.

  • 105 Junghennen gackern und zwei Junghähne krähen zwischen Gahlendorf und Klausdorf.
  • Mehrarbeit und höhere Kosten durch Bio-Zertifizierung.
  • Bis zu 90 Eier am Tag sind bei 14 bis 15 Stunden Licht am Tag drin.

Fehmarn – Zwei Jahre hat es gedauert, bis Inga Schürmanns Traum vom mobilen Stall für Biohühner endlich wahr wurde. „Die Idee hatte ich Anfang 2019“, so die Gahlendorferin.

Zunächst mussten etwa drei Hektar Land und ein Stall gefunden werden. Hinzu kamen behördliche Angelegenheiten vom Veterinäramt bis hin zur Öko-Prämie, die man für die ökologische Bewirtschaftung von Land beantragen kann, die es für Inga Schürmann zu regeln galt. Das benötigte Land stellte Nachbar Dirk Claussen-Mackeprang zur Verfügung. Und auch alles andere ließ sich regeln. 

Was sich jedoch nicht so schnell regeln ließ, war der mobile Hühnerstall. „Ich hatte mir einen Stallbauer aus Bayern ausgesucht und zahlte den Stall im Juni 2019 an. Im November sollte er geliefert werden“, erklärt die ausgebildete Öko-Landwirtin, die bereits bei mehreren Bio-Betrieben mit Bio-Geflügel gearbeitet hat. Was dann folgte war ein Albtraum, der sich über anderthalb Jahre hinzog. Der Stallbauer vertröstete Inga Schürmann wieder und wieder und hat bis heute nicht geliefert. Auch ihr Geld hat sie bisher nicht wiedergesehen.

Im November vergangenen Jahres ist sie dann auf einen drei Jahre alten mobilen Hühnerstall gestoßen, den sie für 15000 Euro erwarb. „Alles andere hatte ich ja schon gekauft und in die Wege geleitet. Ich wollte endlich loslegen“, freut sich die Mutter von drei Töchtern, dass jetzt zwischen Gahlendorf und Klausdorf 105 Junghennen gackern und zwei Hähne krähen. 

Damit die Hennen auch genügend Licht bekommen, um viele Eier legen zu können, gibt es zwei Fotovoltaikmodule am Stall, die für ausreichend Strom sorgen. Das von den Tieren benötigte Wasser bringt Inga Schürmann alle fünf Tage im großen Tank zum Stall. „Das macht schon alles viel Arbeit, bringt aber auch viel Spaß“, ist sie froh, ihren Traum endlich verwirk- lichen zu können. 

Ein Mobilstall ist viel arbeitsintensiver als ein normaler.

Inga Schürmann

„Ein Mobilstall ist viel arbeitsintensiver als ein normaler“, lässt sie wissen und fährt fort, dass der Stall alle zwei bis drei Wochen umgestellt werde und dafür auch die Zäune abgebaut und neu gesteckt werden müssten. 

Außerdem bringt die Bio-Zertifizierung Mehrarbeit und höhere Kosten mit sich. Gefüttert werden die Hühner ausschließlich mit Biofutter: Legemehl, das aus Weizen, Sonnenblumen- kuchen, Mais und Luzerne besteht. Zudem bekommen die Tiere täglich Bioweizen und -hafer, die die Öko-Landwirtin von Biobauer Dirk Claussen-Mackeprang bezieht. 

Salz, Brottrunk und Wermuttee einmal pro Woche

Zur Vorbeugung von Krankheiten bekommen sie einmal pro Woche Salz, Brottrunk und Wermuttee. Bei konventioneller Haltung bekämen die Hühner günstigeres Futter, so die Fachfrau, zudem dürften wesentlich mehr Hühner im mobilen Stall untergebracht werden.

Vor drei Wochen hat Inga Schürmann die 18 Wochen alten Legehennen von einem Bioland-JunghennenAufzüchter vom Niederrhein bekommen. „Am Anfang müssen sie erst einmal an Gewicht zulegen“, erläutert sie und ergänzt, dass es zum einen für die Hennen selbst gesünder sei, wenn sie mehr Gewicht hätten, und zum anderen die Eier dann auch größer wären. 

„Bei 14 bis 15 Stunden Licht pro Tag legen sie richtig. Dann sind 90 Eier pro Tag drin“, so die Landwirtin. Derzeit gebe es zehn bis 15 Eier pro Tag, sagt sie und ergänzt, dass sich die Hühner momentan wegen der Stallpflicht aufgrund der Vogelgrippe nicht frei draußen bewegen dürften, sich aber dennoch unter dem mobilen Stall auf dem Boden an der frischen Luft aufhalten könnten.

Der Verkauf soll hauptsächlich über Patenschaften oder ein Eier-Abonnement laufen. Geplant ist auch, bei der zukünftigen Solidarischen Landwirtschaft (wir berichteten) einen Verkaufsstand aufzustellen, sodass diejenigen, die nur ab und zu Eier möchten, sie dort kaufen können. 

Beim Abonnement verpflichtet man sich, regelmäßig jede Woche so viele Eier, wie man möchte, abzunehmen. Das Prinzip der Patenschaft schließt neben sechs Eiern pro Woche die Abnahme vom Suppenhuhn am Ende der Legeperiode, die nach Inga Schürmanns Wunsch möglichst 15 Monate dauern soll, und von Fleisch vom Bruderhahn ein. 

Jeder, der Eier isst, produziert automatisch Suppenhühner und Fleisch vom Bruderhahn.

Inga Schürmann

„Jeder, der Eier isst, produziert automatisch Suppenhühner und Fleisch vom Bruderhahn“, lässt die gebürtige Nordrhein-Westfälin wissen und ergänzt, dass die Brüder ihrer Hennen, die nicht als Hähne im Stall mitliefen, nicht wie üblich als Küken getötet würden, sondern vom JunghennenAufzüchter ebenfalls aufgezogen würden. „Er hat einen guten Schlachter, der von Leberwurst bis Hühnerfrikassee alles Mögliche aus dem Fleisch der Bruderhähne macht und es in Gläsern liefert“, lässt sie wissen. 

Wer eine Bio-Hühnerpatenschaft übernehmen oder Bio-Eier im Abonnement beziehen möchte – die Öko-Landwirtin freut sich über eine E-Mail an inga.schuermann@web.de oder einen Anruf unter 01771694060. 

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