Großfeuer Amalienhof Fehmarn abgebrannt
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Die Ruine des abgebrannten Amalienhofes am Tag danach: Der Kampf gegen die Flammen am 1. September 2021 war einer der größten Feuerwehreinsätze auf Fehmarn in den letzten Jahren.

Gemeindewehrführer im Gespräch, Teil 1

Fehmarns Gemeindewehrführer Torsten Steffen: „Wir müssen sichtbar für alle sein“

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Tagesverfügbarkeit, Mitgliedergewinnung oder mehr Frauen in der Feuerwehr: Im Gespräch mit Fehmarns Gemeindewehrführer Torsten Steffen geht es um Herausforderungen für das Feuerwehrwesen auf Fehmarn.

  • Tagesverfügbarkeit ist für die Feuerwehren auf Fehmarn eine Herausforderung.
  • Nur drei Ortswehren momentan auch tagsüber stark aufgestellt.
  • Mehr Frauen in die Feuerwehr holen.

Fehmarn – Zehn Ortswehren sorgen auf Fehmarn rund um die Uhr für Sicherheit. Menschen im Ehrenamt helfen bei Bränden, Unfällen oder Naturkatastrophen – und begeben sich dafür oftmals selbst in Gefahr. Abseits der Einsätze sind die Aufgaben nicht weniger herausfordernd: Mitgliedergewinnung, Ausrüstung, Brandschutz im Tunnel samt hauptamtlicher Wachabteilung oder die Pandemie. Gemeindewehrführer Torsten Steffen greift im Gespräch mit dem FT in einem zweiteiligen Artikel einige Themen auf wie die Tagesverfügbarkeit.

„Von unseren zehn Ortswehren haben nur drei auch tagsüber eine starke Mannschaft zusammen“, erklärt Fehmarns Gemeindewehrführer, der damit Süderort, Landkirchen und Burg meint. Steffen macht diesbezüglich eine einfache Rechnung auf: je dörflicher, desto größer die Probleme. Ortsansässige können häufig nicht vor Ort arbeiten, sind teilweise tagsüber nicht mal auf der Insel – und junge Menschen, wenn sie denn auf Fehmarn bleiben, zieht es aus den Dörfern weg.

Während laut Feuerwehrbedarfsplan Burg rein statistisch 57 und Landkirchen 52 Aktive in den eigenen Reihen brauchen, sollten es bei den anderen acht Ortswehren mindestens 27 Kameradinnen und Kameraden in der Einsatzabteilung sein. Bei zwei Wehren ist das momentan nicht der Fall: Puttgarden-Todendorf und Dänschendorf.

Puttgarden-Todendorf: Bürger angeschrieben – Resonanz verhalten

Im letzten Sommer wurden alle Einwohner im Einzugsbereich der Ortswehr im Norden angeschrieben, um auf die brenzlige Lage hinzuweisen. Die Resonanz blieb überschaubar. „Fast 250 haben überhaupt nicht reagiert, obwohl sie rechtlich verpflichtet sind, sich zumindest abzumelden“, mahnt Steffen. Bei zwei anschließenden Veranstaltungen konnten jeweils zwei Personen für Puttgarden-Todendorf gewonnen werden. „Das ist hervorragend – aber wir brauchen noch mindestens acht weitere Kameraden“, so der Gemeindewehrführer, denn auf dem Papier sind es zwar 22 Aktive, aber nur 15 fahren auch Einsätze.

Deutlich in die richtige Richtung geht‘s bereits in Dänschendorf: „Es passiert etwas“, ist Steffen zuversichtlich. Ein neuer Wehrführer und fünf Aktive habe die Ortswehr bisher hinzugewinnen können. Dennoch bleibt die Wehr noch unterhalb der Marke von 27 Einsatzkräften.

Auf Fehmarn werden in den nächsten Jahren viele Kameraden in die Ehrenabteilung wechseln.

Gemeindewehrführer Torsten Steffen

Kommt der Gemeindewehrführer auf das große Ganze zu sprechen, zeigt er sich besorgt. „Auf Fehmarn werden in den nächsten Jahren viele Kameraden in die Ehrenabteilung wechseln.“ Es sei also nicht generell auszuschließen, dass es auch in Burg oder Landkirchen tagsüber in Phasen zu einer eingeschränkten Tagesverfügbarkeit kommen könne. Kritisch sei die Zeit zwischen 10 und 17 Uhr. Steffen erinnert sich im gleichen Atemzug an den Großbrand im Amalienhof am 1. September. „Das war nach 20 Uhr. Ein Brand in der Größenordnung hätte uns tagsüber sicherlich vor Probleme gestellt.“

Nicht nur die bereits benannte dörfliche Lage sieht Steffen als Herausforderung, sondern auch Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter tagsüber für den Einsatz nicht freistellen, oder wenn Kameraden ihre Kinder betreuen und kurzfristig keiner einspringen kann.

Mehrere Wehren werden gleichzeitig zum Einsatz alarmiert

Direkt damit verbunden ist ein anderes Phänomen: Mehrere Wehren werden gleichzeitig zum Einsatz alarmiert. Im Westen Westfehmarn und Dänschendorf immer zusammen – „phasenweise, je nach Stichwort auch Landkirchen“, so Steffen und zählt weiter auf: Bisdorf-Hinrichsdorf zusammen mit Vadersdorf-Gammendorf (und Landkirchen bei entsprechendem Stichwort). Puttgarden-Todendorf und Bannesdorf, teilweise mit Unterstützung aus Burg und Meeschendorf.

Die Freiwillige Feuerwehr ist für viele Menschen weit weg.

Gemeindewehrführer Torsten Steffen

Entsprechend oft können Kameraden auf der Anfahrt bereits wieder umkehren. „Lieber einmal mehr abbestellen als zu spät nachalarmieren“, sagt Steffen und wird nachdenklich: „Die Freiwillige Feuerwehr ist für viele Menschen weit weg. Dennoch muss den Menschen klar sein: Fehlt es an Kameraden, dann kann die Hilfeleistung tagsüber nicht immer in der vorgegebenen Zeit erfolgen.“

Es braucht also mehr aktive Mitglieder in den Ortswehren der Insel. Auch deshalb steht für den Gemeindewehrführer fest: „Jeder ist willkommen.“ Er freue sich auch über einen Mitte-50-Jährigen, der noch zwölf Jahre als Aktiver beispielsweise im Außenangriff helfen könne. Auch das Drumherum müsse bei einer Wehr besetzt werden. „Jeder hilft, wo er kann. Das müssen wir deutlicher machen“, betont Steffen.

Potenzial ist da: Mehr Frauen in die Feuerwehr

Neben Geld im Haushalt für Mitgliederwerbung soll sich die Feuerwehr prominenter auf öffentlichen Veranstaltungen präsentieren, generell auf sich aufmerksam machen, zum Beispiel durch eine Tütenaktion beim Bäcker oder ein dekoriertes Schaufenster in der Innenstadt.

Auch um mehr Frauen in der Feuerwehr werde man sich bemühen mit Unterstützung der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Fehmarn, Evelyn Hamann-Didier. „Das würde der Freiwilligen Feuerwehr unglaublich guttun“, ist Steffen überzeugt. Nicht einmal zehn Prozent der Aktiven seien Frauen. „Das Potenzial ist da“, schließlich seien es in der Jugendfeuerwehr fast 30 Prozent. Am Ende bleibt aber eine Devise: „Wir müssen sichtbar für alle sein. Die Menschen müssen verstehen, dass wir Mitglieder brauchen.“

Hier geht es zum zweiten Teil des Gespräches.

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