Stadt schließt öffentliche Gebäude / Beherbergungsbetriebe müssen schließen

Fehmarns Schotten sind dicht

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Kontrollstelle in Richtung Fehmarn, Höhe Abfahrt Großenbrode: Die Polizei setzt seit gestern um 6 Uhr die Anordnung des Landes Schleswig-Holstein zur Verlangsamung des Coronavirus um.

Fehmarn –mb– Während sich das Coronavirus SARS-CoV-2 weiter ausbreitet, ziehen Politik und Verwaltung so gut wie alle Register, um die Infektionswelle möglichst zu verlangsamen. Besonders betroffen sind seit heute Morgen die Inseln Schleswig-Holsteins (wir berichteten), die für Touristen zum Sperrgebiet erklärt wurden. Somit auch Fehmarn.

Zugang haben nur noch Menschen, die dort ihren Erstwohnsitz haben, auf Fehmarn arbeiten oder ihren Arbeitsplatz in Dänemark haben. Letztere brauchen den Nachweis vom Arbeitgeber, der auf www.stadtfehmarn.de als Vorlage zum Ausfüllen abrufbar ist. Achtung: Die Arbeitsplatzbescheinigung ist nur mit einem gültigen Personalausweis auf den Namen des Arbeitnehmers verwendbar. Gedeckt sind die Zwangsmaßnahmen über das deutsche Infektionsschutzgesetz.

Nachdem die Kontrollstelle für den Zugang zur Insel Fehmarn Höhe der Abfahrt Großenbrode heute Morgen um 6 Uhr ihre Arbeit aufgenommen hatte, wurden die Kontrollen für rund drei Stunden ausgesetzt. Grund seien interne polizeiliche Abstimmungsprobleme gewesen, sagte Polizeipressesprecher Dierk Dürbrook gegenüber dem FT. Gegen 11 Uhr waren die Kontrollen wieder angelaufen. Eingerichtet ist der Kontrollpunkt mit einem Geschwindigkeitstrichter, der den Verkehr bis auf 30 km/h herunterregelt, damit die Beamten stoppen und gegebenenfalls Sichtkontrollen durchführen können. Pkw mit OH-Kennzeichen würden zwar durchgewunken, dennoch werde es vereinzelt Stichproben geben, betonte Dürbrook. „Die Maßnahme wird zunächst bis zum 19. April aufrechterhalten“, erklärte der Polizeipressesprecher aus Lübeck.

Derweil überschlagen sich die Ereignisse auch auf Fehmarn. Am Montagvormittag war Bürgermeister Jörg Weber noch unsicher, nachdem insbesondere „viele Menschen ihren Erstwohnsitz auf Fehmarn anmelden wollten“, und dafür ins Verwaltungsgebäude kamen. „Ich muss meine Mitarbeiter schützen. Bleiben die Menschen uneinsichtig, werde ich alle öffentlichen Gebäude schließen“, so Weber. Vier Stunden später die offizielle Meldung: Rathaus, Tourist-Infos (Bahnhofstraße 30 und Zur Strandpromenade 4) und Verwaltungsgebäude (Ohrtstraße 22 und Bahnhofstraße 5) sind ab heute bis voraussichtlich 19. April für die Öffentlichkeit geschlossen. „Notwendige, nicht aufschiebbare Termine werden nur nach vorheriger persönlicher Absprache mit dem Verwaltungsmitarbeiter vergeben“, so Weber. Die Kontakte der Sachbearbeiter sind auf der Homepage der Stadt zu finden.

Servicenummern für Verwaltung und Tourismus

Ab heute hat die Stadt Fehmarn zudem zwei neue Hotlines eingerichtet, die für Fragen rund um die Coronavirus-Epidemie als Service für die Bürger zur Verfügung stehen. Fragen an die Verwaltung oder die Eigenbetriebe der Stadt können an 04371506605 gerichtet werden. Der Kontakt per E-Mail lautet: hotline@stadtfehmarn.de Alle touristischen Angelegenheiten werden unter 04371506300 behandelt. Anfragen per E-Mail an: info@fehmarn.de. Geschaltet sind beide Telefonnummern wochentags von 9 bis 17 Uhr.

In der Krisenrunde, die Bürgermeister Weber am Sonntagabend einberief, zusammen mit Ordnungsamtchef Jan Stender, Landes- und Bundespolizei, Tourismusdirektor Oliver Behncke und den drei Vorsitzenden der Verkehrsvereine, Rolf Reijnders (Fehmarn-Mitte), Marion Schmidt (Westfehmarn) und Holger Wilder (Puttgarden), wurde auch die Bitte der Landesregierung besprochen, dass Touristen, die sich auf Fehmarn befinden, möglichst zügig die Heimreise antreten sollen. Weber versprach sich mithilfe der Chefs der drei Vermietervereine vor allem eine „schnellere Kommunikation“ zur Verbreitung des Anliegens. In Abstimmung mit Landrat Reinhard Sager stellte Weber gestern Vormittag nochmals klar, dass es keine rechtliche Grundlage gebe, Touristen von der Insel zu verweisen. „Wir können nur die Bitte äußern und hoffen, dass die Vermieter dies auch tun“, so der Bürgermeister. Das sollte sich später noch ändern. Deutlichere Worte fand zu diesem Zeitpunkt bereits Landesgesundheitsminister Heiner Garg. Sollten Urlauber oder Menschen mit Zweitwohnsitz die Inseln nicht freiwillig verlassen, werde man „Maßnahmen finden, die Leute dazu zu bringen“. Gesagt, getan: Gestern Abend wurde bekanntgegeben, dass sämtliche Beherbergungsbetriebe nur genutzt werden dürfen, wenn es notwendig ist. Die Regelung gilt ab morgen (18. März). Urlaube zählen nicht dazu.

In Ostholstein gibt es aktuell (16. März, 15 Uhr) vier bestätigte SARS-CoV-2-Fälle. „Eine fünfte Person, von der wir gestern noch ausgegangen sind, hatte sich doch nicht infiziert“, sagte Kreis-Sprecherin Annika Sommerfeld gestern. Nachmittag. Landesweit gibt es über 120 erkrankte.

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