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70 Kilogramm wiegt diese Puppe, die die Kameraden aus dem „brennenden Haus“ ins Freie trugen.

Die drei Wehren aus dem Inselosten probten am Sonnabend in Klausdorf den Ernstfall

Fernsehbrand & Co. lebhaft inszeniert

FEHMARN - Von Nicole Rochell - Herbstabschlussübung? – „Eine Frühjahrsübung ist das“, so der einstige Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Bannesdorf, Karlheinz Büchler, bei seiner Begrüßungsrunde durch die Reihen der bereits anwesenden Zuschauer. In der Tat. Mit dem Wetter hatten sie großes Glück, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Puttgarden-Todendorf, Meeschendorf und Bannesdorf, die Sonnabend bei milden Temperaturen und temporärem Sonnenschein im Rahmen ihrer lebhaft inszenierten Jahresabschlussübung ihren Leistungsstand abriefen.

Nicht nur die Kameraden der Ehrenabteilungen und anderer Inselwehren hatten sich auf der Hofstelle Mau in Klausdorf eingefunden, auch Zuschauer, Urlauber und nicht zuletzt Klausdorfer hatten sich auf den Weg gemacht, die Präsentation der einzelnen Übungsbausteine der von Rolf Möller moderierten Abschlussübung mitzuerleben. Da gab es einiges zu entdecken, wie Möller, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Bannesdorf, bereits eingangs in Aussicht gestellt hatte. Denn auf einen „Fernsehbrand im Wohnhaus Mau“ sollte sich das Szenario am Sonnabendnachmittag nicht beschränken. Aus einem ursprünglich deklarierten Mittelbrand ohne Menschenleben in Gefahr wurde ein Brand mit vermissten Personen. Der „Landwirt und sein Sohn“ hatten es bis dato noch nicht aus dem Haus geschafft, nun war es an den Atemschutzgeräteträgern, im brennenden Wohnhaus nach den Vermissten zu suchen.

Unverhofft kommt oft. Richtig. So hatten die Drehbuchschreiber als kleinen Überraschungseffekt für die Kameraden die Eingangstür des Übungsobjektes abgeschlossen. Übungsobjekt übrigens im wahrsten Sinne der Bedeutung, denn ab heute wird das einstige Wohnhaus abgerissen. Kleine Vorarbeiten leisteten die Kameraden bereits am Sonnabend gern. Als sich das Schloss selbst nach minutenlanger brachialer Behandlung noch immer widersetzte, schlugen die Atemschutzgeräteträger kurzerzhand eine im Eingangsbereich befindliche Glasscheibe ein. Der „Sohn“ war schnell gefunden, nach dem „Vater“ suchten die Kameraden schon länger. Auch die Tatsache, dass die Übungspuppe an einen Heizkörper festgebunden war, um die Arbeit der Kameraden zusätzlich zu erschweren, sorgte dafür, dass die Puppe nicht gleich ins Freie hatte gebracht werden können. Zudem wog die Tatsache, dass die neue Übungspuppe 70 Kilogramm auf die Waage bringt, im wahrsten Sinne der Bedeutung schwer. Die Kameraden hatten ganz schön zu tragen an der 800 Euro teuren Puppe, die in diesem Jahr für die Ausbildung der Anwärter angeschafft worden war.

Apropos. Auch Meeschendorfs neue Anwärter nahmen an der Übung teil. Bekanntlich hatte die Meeschendorfer Wehr Ende April nach erfolgreicher Werbung in Form von sieben Neuaufnahmen das Thema „Zwangswehr“ bekanntlich ad acta legen können (wir berichteten). Auch ihr Einsatz war groß, in einem Fall sogar so groß, dass es im Anschluss an die Übung für Kamerad Jan-Georg Rickert ein dreifach „Gut Wehr !“ von den angetretenen 50 Kameraden gab. Rickert, der am Sonnabend seinen 36. Geburtstag feierte, hatte dennoch an der groß angelegten Abschlussübung teilgenommen. Zurück zur Übung, die auch eine Personenrettung vom Strohboden vorsah. Das Szenario hatte einen Dachstuhlbrand überm Schweinestall vorgesehen, hatte Möller diesen Auszug aus dem Drehbuch zuvor beschrieben. Und zu allem Übel hatte der Flüssigdüngetank auf dem Hof ein Leck. Kameraden brachten den Vermissten über die Leiter sicher hinunter, andere fingen die auslaufende Flüssigkeit aus dem Tank auf, die natürlich nicht im Erdreich versickern sollte. Ein Gastspiel hatten am Sonnabend Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bisdorf-Hinrichsdorf. Sie zeigten eine Übung mit dem Fognail (übersetzt: Nebelnagel), ein Nebellöschsystem. Es bietet die Möglichkeit, die Lanze mit einem Hammer durch Wände oder Türen zu treiben. Dadurch können Brände in Innenräumen von außen bekämpft werden. Durch einen hohen Druckaufbau in der Stahlspitze entsteht durch die Düsen fein zerstäubter Wassernebel, der Gase bindet, dem Feuer Sauerstoff entzieht und sich über den Brandherd legt. Dadurch erfolgt eine fast vollständige Verdampfung des Wassers, sodass ein Löschwasserschaden sehr gering ist. Einsatzgebiete für den Fognail sind schwer zugängliche Brände in Zwischendecken und -böden, Dachstühlen und vor allem Brandräume, deren Betreten mit erhöhtem Risiko durch Gase oder der Gefahr des Flashovers (übersetzt: Durchzündung) verbunden ist. Innerhalb Sekunden war das Feuer im Wohnraum aus. Die Kameraden hatten mit einem Feuerkorb mit brennendem Holz und Laub eine Brandsituation simuliert. Die Kameraden der drei Wehren aus dem Inselosten waren auf das Hydrantennetz und den vom Wasserbeschaffungsverband zur Verfügung gestellten erforderlichen Druck angewiesen. Denn vom direkt gegenüber der Hofstelle Mau liegenden Feuerlöschteich hatten die Kameraden nichts zu erwarten. „Der Feuerlöschteich ist nicht verwendbar, ein einziges Modderloch“, hatte Rolf Möller eingangs der Übung wissen lassen und musste demnach auf das „maue Hydrantennetz“ bauen. Alles hatte geklappt. Die Übung sei gut vorbereitet gewesen und gut abgearbeitet worden, so Gemeindewehrführer Volker Delfskamp, der im Rahmen des Antretens und einer Vorab-Manöverkritik auf der Hofstelle Hauptfeuerwehrmann Joachim Liesenberg und seinen Ortswehrführer Björn Wilder (Meeschendorf) nach vorne treten ließ.

Zum Löschmeister befördert: Joachim Liesenberg (l.). Wehrführer Björn Wilder und Gemeindewehrführer Volker Delfskamp gratulierten.

Joachim Liesenberg wurde vom Hauptfeuerwehrmann zum Löschmeister befördert. Es könne nicht hoch genug bewertet werden, dass es Menschen gebe, die etwas Sinnvolles täten. Die Kameraden opferten ihre Freizeit, um anderen Menschen zu helfen, so Jörg Weber, der bekanntlich derzeit Bürgermeister Schmiedt vertritt. Die Stadt Fehmarn sei stolz auf die Feuerwehrmänner und -frauen, so Jörg Weber, der einen Applaus von den Zuschauern einforderte für die Kameraden, die am Sonnabend ihren Leistungsstand demonstriert hatten. Auch bei der eigentlichen Manöverkritik im Bannesdorfer Feuerwehrhaus hatte Gemeindewehrführer Volker Delfskamp nicht viel zu meckern. Er hätte sich für den Angriffstrupp, der sich abmühte, mit dem Schlauch ins Haus zu kommen, mehr Unterstützung gewünscht und machte die Kameraden der „Dachboden-Aktion“ darauf aufmerksam, dass sie falsch vor der Tür gestanden hatten. „Im Ernstfall wäre euch die Tür um die Ohren geflogen“, so Delfskamp, der seine bereits in Klausdorf getätigte Aussage erneuerte, und abermals das Fazit zog, dass er und alle Zuschauer eine gute Übung gesehen hatten.

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