Behncke: Viel Wertschöpfung geht verloren – Neuer Veranstaltungsraum steht ganz oben auf der Wunschliste

Festivalinsel Fehmarn fehlen Hotels

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Fehmarns Tourismusdirektor Oliver Behncke ist seit etwas mehr als acht Monaten im Amt

FEHMARN -hö- Tourismusdirektor Oliver Behncke, seit etwas mehr als acht Monaten im Amt, ließ im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Freien Wählervereinigung Zahlen sprechen, die die überragende Bedeutung des Tourismus für die Insel widerspiegeln. Gleichzeitig präsentierte er einige Ideen und Visionen, die Fehmarn langfristig in der „Champions League“ der Tourismusdestinationen verankern sollen.

„Wir sind eine Festivalinsel“, so Behncke, der an das Pferde-, das Surf-, das Bulli- oder das Beachsportfestival erinnerte. Nicht zu vergessen das legendäre Jimi-Hendrix-Festival, das mangels Veranstaltungsareal zu den Akten gelegt worden ist. Nach Ansicht Behnckes sollte nichts unversucht gelassen werden, nach geeigneten Flächen, „vielleicht im Raum Gold“, Ausschau zu halten. Ferner kann der Tourismusdirektor sich vorstellen, die Fehmarnsundbrücke zu illuminieren. Erste positive Kontakte mit der Deutschen Bahn habe es bereits gegeben, ließ er seine Zuhörer wissen. Der Chef des Tourismus-Service Fehmarn (TSF) denkt auch – natürlich in Absprache mit der Politik – über den Bau einer Seebrücke nach.

Den Plan, im Zuge der Erneuerung der Jachthafenpromenade einen Steg über den Binnensee zu errichten und ihn im Vogelschutzgebiet entlang der Kohlhofinsel zu führen, sei verworfen worden. Die Genehmigung hätte zu lange gedauert und auch die Unterhaltung der Brücke (Verkotung etc.) wäre zu aufwendig gewesen, so Behncke. Dann doch lieber eine Seebrücke „am einzigen Südstrand an der Ostsee in Deutschland“ anstelle einer Binnenseebrücke, findet der Tourismusdirektor. Auf diese naturgegebene Besonderheit des Standortes habe er gemeinsam mit Bürgermeister Jörg Weber auch die holländischen Investoren beim jüngsten Besuch in Rotterdam (wir berichteten) hingewiesen. Behncke zeigte sich in diesem Zusammenhang optimistisch, dass die Holländer auf dem Spielwiesenareal in naher Zukunft, „möglicherweise schon 2017“, das Hotelprojekt endlich starten. Die Stadt Fehmarn erwarte laut Behncke „in den nächsten Wochen einen Gegenbesuch“.

Denn, so Behncke, „ohne ausreichend Hotels geht sehr viel Wertschöpfung verloren“. Nach Zahlen, die der Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH) ermittelt habe, gebe ein Hotelgast durchschnittlich 105,70 Euro pro Tag und Übernachtung aus. Nach den TVSH-Daten sieht das Ausgabeverhalten in weiteren Kategorien wie folgt aus: Privatvermietung (84,20 Euro), Zweitwohnungen (40,70 Euro), Camping (28,30 Euro) sowie Bekanntenbesuche und Tagesgäste (24,10 Euro). Bei rund 350000 Gästen (inklusive Camping) mit etwa zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr sei das eine gewaltige Wertschöpfung durch den Tourismus, ergänzte der Tourismusdirektor.

Dass Fehmarn noch viel bewegen muss bei der Optimierung der touristischen Infrastruktur, weiß Behncke. Entsprechende Projekte sind angeschoben oder in der Planung. Erst in der vergangenen Woche habe er für die Erneuerung der Jachthafenpromenade die letzten Unterlagen bei der Investitionsbank eingereicht. Im Herbst soll der erste Spatenstich erfolgen, 2018 will man fertig sein. „Ein ambitioniertes Ziel“, weiß auch der Tourismuschef. Wichtig sei zudem, eine Klassifizierung des Jachthafens zu erreichen. Der Neubau öffentlicher Toiletten soll forciert, das Radwegenetz in Zusammenarbeit mit der Fehmarn-Wege GmbH & Co. KG ausgebaut und ein Reitweg neu errichtet werden. Vorankommen wolle man auch in Sachen Barrierefreiheit am Strand durch den Bau von Querstegen, damit auch Personen mit Handicap ungehindert zu ihren Strandkörben gelangen. In diesem Herbst gehe es dann los mit dem Neubau der Beachbar plus Dachterrasse.

Ganz oben auf Behnckes Wunschliste steht ein neuer Veranstaltungsraum. Der aktuelle Raum beim TSF am Südstrand fasst nur bis zu 99 Personen, mindestens 200 müssten es seiner Auffassung nach sein. Gesucht wird auch ein neuer Standort für den Tourismus-Service in Burg, denn der Anlaufpunkt im Mummendorfer Weg sei alles andere als optimal.

Aktuell auf der Höhe sei man dagegen mit der finanziellen Ausstattung des TSF, gab es von Behncke ein Lob an die Kommunalpolitik, die den Etat des TSF in den letzten Jahren spürbar angehoben hat.

Diesen finanziellen Rahmen benötige man aber auch weiterhin, so Behnckes Fingerzeig vor den nächsten Etatberatungen. Gleichzeitig ließ der Tourismuschef aber auch durchblicken, dass die Anhebung der Kurabgabe auf zwei Euro in der Haupt- und ein Euro in der Nebensaison immer noch „im grünen Bereich“ liegen würde. Derzeit beträgt die Höhe der Kurabgabe 1,80 Euro beziehungsweise 90 Cent.

Zur Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) sagte Behncke, dass diese durchaus Chancen bieten könne, „wenn es darum geht, neue Auslandsmärkte zu erschließen“. Der TSF-Chef denkt da vor allem an Schweden. Allerdings unterstütze er den Ruf nach einem neuen und vor allem unabhängigen Tourismusgutachten, das die Chancen und Risiken der FFBQ bewerte.

Nicht wirklich identifizieren kann er sich hingegen mit der Strategie der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH), Auslandsmärkte wie die Schweiz oder Österreich stärker bewerben zu wollen. Das größte Auslandspotenzial für Fehmarn liege einfach in Schweden, so Behncke.

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