Nach drastischer Quotenreduzierung: Haushaltsausschuss legt vier Millionen Euro nach

Fischereibeihilfen aufgestockt

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Ingo Gädechens (l.) zu Besuch bei Fehmarns Fischer Dirk Jaudzim im Kommunalhafen Burgstaaken.

Fehmarn –hö– Die gebeutelten Ostseefischer können ein wenig aufatmen. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat nach Angaben der ostholsteinischen Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) und Ingo Gädechens (CDU) am Freitag den Weg freigemacht für zusätzliche Finanzhilfen in Höhe von vier Millionen Euro. Der Fördertopf für die deutsche Fischereiflotte umfasst nun ein Volumen von 6,2 Millionen Euro.

„Diese Zahlungen zusätzlich zu den EU-Fördergeldern sind ein deutliches Signal der Bundespolitik an die schwer angeschlagenen Fischereibetriebe an der heimischen Küste. Die Fischer vor Ort sind durch EU-Vorgaben zum Schutz der Fischbestände, aber auch durch veränderte Klima- und Umweltbedingungen in diese bedrohliche Situation gekommen und nicht durch Fehlverhalten in puncto Nachhaltigkeit“, bewertet Ingo Gädechens den finanziellen Nachschlag für das Haushaltsjahr 2020.

Im Oktober war von den EU-Ministern für das kommende Jahr für die west- liche Ostsee eine Fangquotenreduzierung beim Hering um 65 und beim Dorsch um 60 Prozent beschlossen worden. Zahlreiche Ostseefischer sehen sich seitdem stark in ihrer Existenz bedroht. Für alle Fischer, die ihre Kutter aufgrund der drastischen Absenkung der Fangquote „ganz oder teilweise stilllegen wollen oder müssen,“ stehe nun dreimal so viel Bundesgeld bereit, wie vom Landwirtschaftsministerium ursprünglich vorgesehen, atmet Bettina Hagedorn auf.

Überbrückung von Stilllegungen

„Zum einen wird nicht nur die Überbrückung von notwendigen vorübergehenden Stilllegungen bedacht, sondern auch ein annehmbarer Schritt bei einer endgültigen Stilllegung des Kutterbetriebes“, so Gädechens zum Charakter der Finanzhilfen. Gleichzeitig verweist der Bundestagsabgeordnete auch auf die Betroffenheit der Nebenerwerbs- und Freizeitfischerei, die unter den Fangbeschränkungen leiden würden und erinnert an das Baglimit für den Dorsch (wir berichteten). Dabei spiele insbesondere der Angeltourismus für die Küstenregion eine große Rolle, weiß Gädechens.

Darüber hinaus komme es für ihn jetzt darauf an, die landseitige Infrastruktur der Fischerei zu erhalten. Da schon jetzt nahezu 80 Prozent der Fischerei im Nebenerwerb betrieben werde, sei es von entscheidender Bedeutung, dass es weiterhin Kisten, Eis und eine hygienisch einwandfreie Zwischenlagerung des Fischfangs sowie Lkw-Kapazitäten zum Abtransport zu den Auktionshallen geben werde. „Sollte auch diese Infrastruktur wegbrechen, sind unsere Häfen endgültig tot“, ist Fehmarns Bundestagsabgeordneter überzeugt. Die Konzentration und Konsolidierung der vorhandenen Kutterbetriebe in einer abgespeckten Genossenschaftsstruktur werde sich zwangsläufig anschließen. Aus Sicht von Ingo Gädechens sei das der einzige Weg, der helfe, im laufenden Strukturwandel ein Minimum an gewerblicher Fischerei in Schleswig-Holstein zu erhalten. Benjamin Schmöde, stellvertretender Vorsitzender des Landesfischereiverbandes, erfuhr gestern ebenfalls aus den Büros der beiden Abgeordneten von den zusätzlichen Finanzhilfen. Bewerten wollte er die Aufstockung der Mittel aber noch nicht. Dazu bräuchte es noch weiterer Informationen, so Schmöde gegenüber dem FT.

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