Wenn die Feste Beltquerung kommt: Umweltmonitoring, Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen, keine Wohn-Camps

Die Forderungen der Fehmaraner

Sibylle Kiemstedt und Horst Weppler von der Regionalplanung des Kreises Ostholstein und Insel-Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt sammelten die Vorschläge der Fehmaraner zum Ausgleich der zu befürchtenden Nachteile durch den Bau der Festen Fehmarnbeltquerung.

Von Heiko Witt FEHMARN • Viele Gästevermieter forderten bislang, dass es in der Hauptsaison keine Bautätigkeit geben soll, die Fischer würden gern von Ende Februar bis Mai die Arbeiten eingestellt wissen, wenn die Dorsche laichen. Andere wollen einen Nachtbaustopp.

„Das ist dann fast das ganze Jahr“, zweifelt Sibylle Kiemstedt vom Kreis Ostholstein an, dass Dänemark sich beim Bau der Beltbrücke wird so einschränken lassen. Zumal die Bundesregierung sich in dieser Frage weitgehend ausgeklinkt und die Verantwortung an das Königreich übergeben hat.

In dieser Woche fanden die Bürger-Workshops zum Thema Beltquerung statt. Die Bürger seien, so habe es für Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt zuweilen ausgesehen, an die Vertreter der Regionalplanung und an ihn herangetreten nach dem Motto: „So, nun macht mal.“

Doch so einfach wird das nicht. Manche Bürger wollen einen zügigen Ausbau der E 47, andere wollen nicht, dass der Ausbau vor dem Bau der Beltbrücke beginnt, andere glauben, ein dreispuriger Ausbau würde reichen, wieder andere halten den Ausbau gar für überflüssig.

Viele Bürger meinen, dass eine Sundquerung nicht ausreicht – und deshalb wurde vorgeschlagen, für den Schienenverkehr einen Tunnel zu bauen.

Zunächst einmal müssen die rund 120 Beiträge geordnet werden, bevor die interfraktionelle Arbeitsgruppe tagt und dann die Stadtvertretung den Forderungskatalog verabschiedet. Wie bereits gestern aktuell berichtet, wollen die Fehmaraner auf jeden Fall vertragliche, am besten gesetzliche Vereinbarungen mit der Landesregierung. Die Aussage, das Land werde Förderanträge im Zukunftsprogramm Wirtschaft wohlwollend prüfen, reiche nicht, so Bürgermeister Schmiedt. Zumal die Förderungssummen oft nur noch bei 50 Prozent lägen und die Stadt nicht viel selbst aufbringen könne. Ein Fehmarn-Gesetz, ein Sonderfonds beim Land mit über 100 Millionen Euro für touristische Projekte sowie 30 bis 50 Millionen Euro für die Gemeindestraßen und die Umsetzung des Masterplans Burgtiefe – das fordern die Bürger.

Darüberhinaus soll der Forderungskatalog der Stadt Fehmarn eine Präambel enthalten, aus der ersichtlich wird, dass sich die Fehmaraner mehrheitlich weiter gegen den Bau einer Beltquerung aussprechen. Sollte sie dennoch kommen, dann solle deutlich werden, dass ein Tunnel bevorzugt werde.

Es soll sich bei den gut 70 Bürgern, die an den Workshops teilnahmen, um einen Querschnitt aus der Bevölkerung gehandelt haben. Für sie ist es wichtig, dass der Fortbestand der gymnasialen Stufe der Inselschule und des Krankenhauses gesichert wird. Auch sollen Fernzüge auf Fehmarn halten können, wenn es den Bahnhof Puttgarden nicht mehr gibt.

Selbst die Fährreederei, so eine Forderung, soll im Staatsvertrag eine Bestandsgarantie erhalten. Es soll über neue Fährlinien nachgedacht werden.

Es ist dennoch zu befürchten, dass der Insel in einem großen Umfang Arbeitsplätze verloren gehen. Um Ersatzarbeitsplätze zu schaffen, will der Kreis Ostholstein nun gemeinsam mit der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (egoh) an einer Studie arbeiten, welches Gewerbe sich auf Fehmarn ansiedeln könnte. „Gibt es Standortqualitäten, die wir noch nicht kennen ?“, will Horst Weppler von der Regionalplanung wissen.

Gefordert wurde auch, den Tourismus, wie er heute auf Fehmarn ist, statistisch genau zu untersuchen, um Vergleichsmöglichkeiten zu haben, wenn es zu Einbußen durch die Fehmarnbeltquerung komme.

Für die Zerstörung der Umwelt sind gesetzlich Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben. Doch die wären so umfangreich, dass sie gar nicht alle auf Fehmarn vorgenommen werden können. Der Kreis rät, soviel wie möglich auf der Insel zu machen. „Das würde zur Qualitätsverbesserung auf Fehmarn beitragen“, meint Sibylle Kiemstedt von der Regionalplanung. „Wir müssen einen Mittelweg finden“, sagt Bürgermeister Schmiedt.

Was den Ankauf der landwirtschaftlichen Flächen angehe, so Horst Weppler, gehe die Straßenbauverwaltung in der Regel „mit guten Preisen“ in die Verhandlungen. Die Bürger, so wurde auf den Workshops deutlich, fürchten auch Wertminderungen ihrer Grundstücke. Besonders betroffen ist in jeder Hinsicht Puttgarden.

Es gab viele weitere Ideen, die kommende Woche auf der Homepage der Stadt Fehmarn öffentlich gemacht werden sollen.

– Es soll eine Konzeptstudie entwickelt werden, um negative Umweltauswirkungen zu minimieren (Monitoring).

– Es soll festgelegt werden, dass deutsches Planungsrecht angewendet wird.

– Die E 47 soll mehrere Überquerungsmöglichkeiten auch für Radfahrer erhalten. – Die Innenstadt soll besonders entwickelt werden.

– Es sollen keine Wohn-Camps für Bauarbeiter auf Fehmarn entstehen.

– Auf deutscher Seite soll ein Ausstellungszentrum entstehen.

Doch wird es gelingen, die Forderungen auch durchzudrücken ? Wie werden Ministerpräsident Carstensen und Wirtschaftsminister Austermann auf die Forderungen überhaupt reagieren ? „Die Fehmaraner müssen an einem Strang ziehen und dürfen sich nicht auseinander dividieren lassen“, sagt dazu Horst Weppler.

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