130 Bürger kamen gestern zur Infoveranstaltung

Fragen, Fragen, Fragen zur Brücke

Rund 130 Bürger waren am Freitag zur Infoveranstaltung über die Beltbrücke gekommen.

FEHMARN (wi) • Es gab Fragen, Fragen, Fragen. Denn wohl alle Fehmaraner, ob Gegner oder Befürworter der Beltbrücke, haben Ängste, Sorgen und auch schon Vorschläge zur Risikominimierung. 130 Bürger waren am Freitag zur Infoveranstaltung im IFA-Feriencentrum mit Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) gekommen. Viele meldeten sich auch zu Wort.

Mit der Ankündigung der Deutschen Seereederei konfrontiert, die die Fährlinie fortsetzen will, verwickelten die Fehmaraner den Wirtschaftsminister in Widersprüche. Auch er glaube, dass die Fähren weiter fahren würden, sagte er. Als es dann aber um die Kosten-Nutzen-Analyse ging, meinte Austermann, dass die Wirtschaftlichkeit dieser Studie nur deshalb so niedrig sei, weil sie im Gegensatz zu den Berechnungen seines Ministeriums davon ausgehe, dass es weiter Fährverkehr gebe. Minister Austermann berichtete, dass eine norwegische Reederei 30 Millionen Euro in ein weiteres Fährbett in Puttgarden investieren wolle. Er habe gerade erst Gespräche mit den Investoren geführt. Malte Siegert vom Naturschutzbund fragte, warum Austermann das Interesse nicht vor der Vereinbarung über den Bau der Beltbrücke bekannt gegeben habe.

Siegert und Boos kritisierten Veranstaltung

 

Malte Siegert und auch Jürgen Boos vom Aktionsbündnis gegen die Feste Fehmarnbeltquerung waren unzufrieden. Durch die lange Rede des Ministers sei es zu keinem richtigen Dialog mit den Bürgern gekommen. In der Tat wurden die Fragesteller gebeten, sich kurz zu fassen.

Claus-Hinrich Stiehr vom Inselnaturschutzring warf Austermann in seiner Rede vor, „kein einziges Wort über den Schutz der Ostsee und kein einziges Wort über den Lärmschutz auf Fehmarn“ gesagt zu haben. Später warf Austermann den Umweltorganisationen vor, zwar Fragen zur Finanzierung der Brücke gestellt zu haben, nicht aber zu Umweltfragen. Immerhin hatte Fehmarns Bürgermeister Schmiedt für das Planfeststellungsverfahren strengste Umweltauflagen gefordert.

Widersprüche und Streitpunkte

„Soll denn Dänemark auch noch die zweite Fehmarnsundbrücke finanzieren ?“, fragte Hartmut Specht. Wirtschaftsminister Austermann antwortete, dass wohl nur die wenigsten wüssten, dass Dänemark sich am Bau der Sundbrücke seinerzeit tatsächlich beteiligt habe. Er könne sich einen dreistreifigen Verkehr auf der Sundbrücke vorstellen und zog auch den Bau einer Eisenbahnbrücke zu einem späteren Zeitpunkt in Betracht.

Austermann sagte, die Beltquerungsgegner könnten ja nicht sagen, es gebe viel zu wenig Verkehr für den Bau einer Beltbrücke und dann gleichzeitig das Nadelöhr Sundbrücke anmahnen. Viele Fehmaraner argumentieren genau andersherum: Wer nicht einmal eine zweite Sundbrücke für erforderlich hält, der kann doch nicht wirklich eine Beltbrücke bauen wollen.

Ein Bürger fragte, ob sich nicht auch Schweden an der Beltbrücke beteiligen könne. Doch Minister Austermann antwortete, die Dänen seien sich nun einmal sicher, das vier-Milliarden-Euro Projekt (5,6 Milliarden mit Hinterlandanbindungen) allein finanzieren zu können und hinterher Gewinne einzufahren.

Heftig umstritten ist nach wie vor die Arbeitsplatz-Bilanz durch eine Beltbrücke. Minister Austermann sprach von 2 000 Arbeitern auf deutscher Seite während der Bauphase und 1 740 Arbeitsplätzen, die durch die Brücke entstehen würden. Letztere Zahl bezieht sich allerdings offenbar nicht auf die Insel Fehmarn. Hier sieht Bürgermeister Schmiedt negative Effekte.

Austermann sprach von einer Paraphierung des Staatsvertrages Ende 2007. Danach folge dann das komplizierte parlamentarische Verfahren bis zur Ratifizierung.

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