Jugendschöffengericht spricht Mann vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes frei

Freispruch für jungen Erwachsenen

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Das Jugendschöffengericht Oldenburg sprach am Dienstag vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes frei. 

OLDENBURG/FEHMARN - Von Lars Braesch Vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes sprach am Dienstag das Jugendschöffengericht Oldenburg unter dem Vorsitz von Richter Thore Böttger mit den Schöffen Sabine Klüver und Ralf Kojellis einen jungen Erwachsenen aus dem Inselwesten frei.

Eine Zeugin musste durch Beamte der Polizeizentralstation Fehmarn vorgeführt werden. Zu Beginn der Hauptverhandlung hatte Richter Böttger auf Antrag von Staatsanwalt Moritz Ihde einen entsprechenden Vorführungsbefehl erlassen. Gegen einen ausbleibenden Zeugen verhängte das Gericht ein Ordnungsgeld in Höhe von 200 Euro oder vier Tage Ersatzfreiheitsstrafe.

Das Jugendschöffengericht konnte in der über drei Stunden andauernden Hauptverhandlung dem Angeklagten nicht eindeutig nachweisen, ob er das Alter des Mädchens zum Tatzeitpunkt gewusst habe. Am 10. Juni 2017 kam es laut am 17. August 2017 zugelassener Anklageschrift auf Höhe der Skateranlage im Gahlendorfer Weg in Burg zu einem Saufgelage, an dem das Mädchen mit seinem damaligen 13-jährigen Freund teilgenommen habe. Dort wollten die Jugendlichen auch zelten, was die 33-jährige Mutter des Mädchens verboten haben soll. Der Angeklagte hatte eine Flasche Rum dabei und habe sich im Vorfeld über Facebook mit dem Mädchen und dem Freund verabredet. Die heute 14-Jährige betreibt auf Facebook mehrere Profile mit unterschiedlichen Altersangaben. Das Gericht nahm die Profile während der Beweisaufnahme in Augenschein. Gemeinsam mit dem Angeklagten sei das Mädchen dann Zigaretten holen gegangen. Auf dem Rückweg gegen 23 Uhr sei es dann zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen.

„Ich musste plötzlich an meine Ex-Freundin denken und habe den Sex abgebrochen“, sagte der Angeklagte am Dienstag. Zu einem Samenerguss sei es auch nicht gekommen. Das Mädchen sei danach weinend mit dem Angeklagten zurückgelaufen und behauptete plötzlich vergewaltigt worden zu sein. Am nächsten Abend brachte die Mutter den Vorfall zur Anzeige.

Staatsanwalt Ihde plädierte auf Freispruch, da die Zeugen kaum Angaben machen konnten bezüglich der Altersfrage. Pflichtverteidiger Henning Pries schloss sich im Wesentlichen dem Staatsanwalt in seinem Plädoyer an. „Das Mädchen hat ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität“, führte Pries aus. Der Tatvorwurf der Vergewaltigung sei ersichtlich konstruiert gewesen.

„Wir konnten die Altersfrage nicht eindeutig klären. Dass der Sex einvernehmlich war, davon sind wir überzeugt. Die Einlassung des Angeklagten konnte nicht widerlegt werden“, erklärte Richter Böttger in seiner kurzen Urteilsbegründung. Die Kosten des Verfahrens sowie die notwendigen Auslagen des Angeklagten wurden der Staatskasse auferlegt. Das Urteil wird rechtskräftig, wenn innerhalb einer Woche seitens der Staatsanwalt oder der Verteidigung keine Revision eingelegt wird.

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