Stimmung im Hauptausschuss alles andere als besinnlich / Hviid: Wie im Kindergarten

Frontalangriff auf Jürgen Zuch

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Regionalmanager Jürgen Zuch (l.) bekam im Hauptausschuss einen Frontalangriff ab. 

FEHMARN -hö- Es war die letzte Sitzung des Hauptausschusses in diesem Jahr. Kurz nach dem 1. Advent nahm die Sitzung aber alles andere als einen besinnlichen Verlauf. So sah sich Regionalmanager Jürgen Zuch massiven Vorwürfen ausgesetzt, erhoben von Hans-Peter Thomsen (WUW) und Peter Meyer (FDP). Er würde sich nicht stark genug für die Interessen Fehmarns einsetzen, so ihr Vorwurf. Ausschussvorsitzender Lars Hviid (FWV) fühlte sich während der Diskussion sogar mehrfach genötigt, mehr Sachlichkeit einzufordern und hatte zeitweise das Gefühl, „im Kindergarten“ zu sein.

Stein des Anstoßes: Die Forderung nach einem Fernhaltepunkt auf Fehmarn, 2008 im Forderungskatalog der Stadt Fehmarn aufgenommen und durch einen Beschluss der Stadtvertretung am 1. Juli 2014 bestätigt.

„Das Regionalmanagement steht nicht mit der erforderlichen Vehemenz dahinter“, schimpfte Hans-Peter Thomsen. „An dieser Forderung wird weitergearbeitet, auch über den Projektbeirat“, konterte Zuch und ergänzte, dass diese Forderung für das Planfeststellungsverfahren keine Relevanz besitze, sie vielmehr an die verantwortlichen politischen Entscheidungsträger in Berlin gerichtet werden müsse.

Und Peter Meyer monierte, dass im Bericht des Regionalmanagers der Fokus viel zu sehr auf den durch NAH.SH geplanten Ausbau des Stadtbahnhofs in Burg gelegt worden sei, vom Fernhaltepunkt habe er „nur zwei Sätze gelesen“. „Ein Durchsetzen unserer Forderung habe ich nicht erkannt“, polterte Meyer, bekennender Gegner eines Ausbaus des Stadtbahnhofs.

Einmal eingeschossen auf Zuch, ging es in gleicher Tonlage weiter. Bei einem Besuch des Projektbeirats beim Ministerpräsidenten am 16. November hätte Zuch sich viel stärker für die Interessen der Stadt Fehmarn einsetzen müssen, regte sich Thomsen auf. Die Erläuterung von Bürgermeister Jörg Weber (SPD), der Besuch habe gerade einmal 45 Minuten gedauert und die wesentliche Redezeit der 16 Personen habe dem Vorsitzenden des Projektbeirats, Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller, zugestanden, fiel bei Thomsen nicht auf fruchtbaren Boden. Er brachte sogar Zuchs Wohnort Großenbrode ins Spiel, er sich möglicherweise deshalb nicht so stark für Fehmarn einsetze. „Eine Unterstellung“, so Zuch, der bemüht war, die Fassung zu bewahren und sich fühlte, als säße er auf der Anklagebank. „Ich habe die Interessen sehr wohl vorgebracht.“

Da wurde es dann aber auch Bürgermeister Jörg Weber zu bunt, der sich voll hinter seinen Regionalmanager stellte und darauf verwies, dass dieser neben den fehmarnschen Interessen auch die der Gemeinde Großenbrode zu vertreten habe, da diese an der Mitfinanzierung der Stelle beteiligt sei. „So zu tun, als ob Jürgen Zuch nicht die Interessen der Stadt vertritt, ist unglaublich“, platzte Marianne Unger (SPD) der Kragen. Während Heinz Jürgen Fendt (SPD) die Rückkehr zur Sachlichkeit einforderte, ging Marco Eberle (Grüne) zurück zu den Anfängen, als das Projekt Feste Fehmarnbeltquerung in Gang gesetzt wurde: „Wir wurden nicht gefragt, müssen jetzt aber mit den Konsequenzen leben. Es bringt nichts, wenn wir uns an den Karren pissen.“ Daher seien die letzten 15 Minuten nicht zielführend gewesen.

Eberle: Buchholz geht mir auf den Keks

Eberle konnte es aber auch nicht lassen, eine Spitze in Richtung Peter Meyer loszulassen, indem er sagte, dass ihm Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) und dessen ausgesprochen positive Haltung zur FFBQ „auf den Keks geht“.

Abschließend sagte Lars Hviid, „der Spielball liegt in einer ganz anderen Liga“, den Einfluss, den Fehmarn nehmen könne, sei nur marginal. Man wolle aber alles versuchen.

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