Ein Feuerwehrmann betritt unter Atemschutz eine brennende Garage mit einer Stichflamme
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Der Schuppenbrand in der Mühlenstraße am 9. Januar und vier weitere Brände auf Fehmarn wurden am Dienstag vor dem Schöffengericht Oldenburg verhandelt.

Bewährungsstrafe für 25-jährigen Fehmaraner

Fünf Brände auf Fehmarn: Brandstifter verurteilt

  • Lars Braesch
    VonLars Braesch
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Fünf Brände auf Fehmarn fanden vor dem Schöffengericht Oldenburg, sofern kein Rechtsmittel eingelegt wird ihren juristischen Abschluss. Ein 25-jähriger Fehmaraner wurde auf Bewährung verurteilt.

  • Brand in der Mühlenstraße und Missbrauch der Notrufe waren Hauptanklagepunkte.
  • Schaden von insgesamt 20000 Euro.
  • Brandstifter kann allenfalls Helfertätigkeiten ausführen.

Fehmarn/Oldenburg – 2020 und in diesem Jahr erschütterte eine Brandserie die Insel. Fünf Brände fanden am Dienstag vor dem Schöffengericht Oldenburg ihren juristischen Abschluss, sofern bis zum 1. Dezember kein Rechtsmittel eingelegt wird. Das Gericht verurteilte einen 25-jährigen Fehmaraner wegen Sachbeschädigung in zwei Fällen, Missbrauch von Notrufen und Brandstiftung in Tateinheit mit versuchter Brandstiftung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Ebenfalls muss der Insulaner die Kosten des Verfahrens tragen. 

Aufgrund seines positiven Verhaltens nach den Taten – der 25-Jährige hat diverse Angebote hinsichtlich seines Alkoholproblems in Anspruch genommen und auch medizinischen Rat eingeholt – setzte das Gericht die Strafe zur zweijährigen Bewährung aus. Der Mann bekommt einen Bewährungshelfer. 

Ebenfalls muss der Angeklagte in den nächsten sechs Monaten 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Laut Anklage soll der Mann zwischen dem 16. Mai 2020 und dem 9. Januar 2021 fünf Brände auf Fehmarn gelegt haben. Dazu wurde gestern eine umfangreiche Beweisaufnahme durchgeführt.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck, vertreten durch Staatsanwältin Anna Feegers, warf dem Brandstifter vor, am 16. Mai 2020 mehrere Müllcontainer und einen Mülleimer an der Inselschule entzündet zu haben. Der Angeklagte bestritt dies in der rund vierstündigen Hauptverhandlung verhement und behauptete, zur Tatzeit in einer Diskothek in der Innenstadt gewesen zu sein. 

Anrufprotokolle wurden verlesen

Am 28. Juni 2020 brannte ein mit Sperrmüll beladener Container eines hiesigen Entsorgungsunternehmens, der am Mellenthinplatz abgestellt war. Am 1. November 2020 brannten eine Biotonne und zwei Europaletten in der Burger Orthstraße. Am 9. Januar 2021 wählte der Angeklagte mehrfach den Notruf der Feuerwehr und der Polizei. Richter Thore Böttger verlas während der Beweisaufnahme die Anrufprotokolle der jeweiligen Leitstellen. Weiterhin legte der Anklagte am 9. Januar 2021 ein Feuer in einem Schuppen in der Burger Mühlenstraße. Das Feuer drohte auf eine Garage und auf ein Wohnhaus überzugreifen. 

Der Brand in der Burger Mühlenstraße am 9. Januar sowie der Missbrauch der Notrufe waren am Dienstag in der Hauptverhandlung die Hauptanklagepunkte.

Das Feuer in der Mühlenstraße sowie die Anrufe beim Notruf bildeten am Dienstag die Hauptanklagepunkte. Diesbezüglich zeigte sich der Verurteilte, der bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war, geständig. Sein Geständnis und die Tatsache, dass er laut Rechtsmedizinerin Dr. Juliane Wolf zum Zeitpunkt der Brandlegung in der Mühlenstraße 2,71 Promille hatte, wirkten sich strafmildernd aus. 

Handy wurde ausgewertet

Im Rahmen der Ermittlungen wurde das Handy des Mannes sichergestellt. Die Kriminalpolizei habe die Bewegungsdaten von Google Maps ausgewertet. Bei allen zur Last gelegten Bränden befand sich der Angeklagte am Tatort. Nach einer kurzen Verhandlungspause räumte der 24-Jährige ein, auch die Brände am Mellenthinplatz und in der Orthstraße gelegt zu haben. In Sachen Inselschule blieb er bei seiner Version, in einer Diskothek gewesen zu sein, was ihm der Richter wegen der Geodaten jedoch nicht glaubte.

Es folgte ein nicht öffentliches sogenanntes Rechtsgespräch. Hier loteten die Verfahrensbeteiligten (Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung) ihre Positionen aus. Danach konnte der Vorsitzende die acht Zeugen unvernommen wieder nach Hause schicken.

Mein Mandant hat erhebliche Defizite

Pflichtverteidiger Henning Pries

Nach Wiederaufnahme der Hauptverhandlung beantragte Staatsanwältin Feegers eine Teileinstellung wegen des Brandes an der Inselschule, da die Strafe aufgrund der nachfolgenden Taten nicht wesentlich ins Gewicht falle. Bei den Bränden entstand ein Schaden von insgesamt rund 20000 Euro. „Mein Mandant hat erhebliche Defizite“, führte Pflichtverteidiger Henning Pries aus. Die Defizite liegen vorallem im geistigen Bereich. Sein Klient würde von Hartz IV leben. Das Jobcenter habe ihm in einem psychologischen Gutachten bescheinigt, dass er allenfalls in der Lage sei, Helfertätigkeiten durchzuführen.       

Bei dem Brand in der Mühlenstraße und dem Missbrauch der Notrufe musste das Gericht von verminderter Schuldfähigkeit ausgehen. Mit der Alkoholproblematik habe sich der Angeklagte beschäftigt und sich in fachärztliche Behandlung begeben.

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