Fehmarns Wasserverbrauch steigt – Lösungen müssen her / Entsalzungsanlage zurückgestellt

„Es ist fünf vor zwölf“

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Läuft stets ohne Probleme: Dennoch, Fehmarn benötigt bereits heute mehr Wasser im Jahr, als es vertraglich mit dem ZVO vereinbart wurde.

Fehmarn –  Von Manuel Büchner „Knapp auf Kante ist der Wasserverbrauch auf Fehmarn genäht“, äußerte sich Werner Ehlers, Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbandes Fehmarn (WBV), bereits auf der jährlichen Sitzung im Dezember und auch am Sonntag gegenüber dem FT.

1,3 Millionen Kubikmeter (m3) sind vom Zweckverband Ostholstein (ZVO) pro Jahr garantiert. Das Wasser kommt aus Klötzin – eines von sechs Wasserwerken des ZVO. Transportiert wird es nach Fehmarn durch zwei Leitungen im Sund und eine weitere unter der Brücke. Die tatsächlich bezogene Menge der Insel liegt allerdings seit Jahren höher, zuletzt 2017 über 50000 m3 mehr. 2018 wird infolge des heißen Sommers sicherlich nochmals höher liegen. Durchschnittlich 275 m3 Wasser bekommt Fehmarn in der Stunde – in der Spitze sind es über knapp über 300 m3, die geordert werden.

Ende 2020 endet der Vertrag mit dem ZVO. Wird nicht spätestens sechs Monte vorher gekündigt, verlängert sich dieser automatisch bis Ende 2023. Unlängst hat der Zweckverband deutlich gemacht, nicht mehr Wasser liefern zu können, ohne Brunnen und Leitungen auszubauen. Geschätzte Investitionen: vier bis fünf Millionen Euro. Kosten, die wesentlich zulasten des WBV gehen würden, betonte WBV-Geschäftsführer Gerd Utech. Der Einkaufspreis würde sicherlich deutlich steigen. Nicht vergessen dürfe man zudem, so Utech, dass in der Regel ein mehrjähriges Genehmigungsverfahren beim Land zu erwarten sei, weil durch die zusätzliche Entnahme von Grundwasser der Grundwasserspiegel absinken könne. In Anbetracht der wachsenden Touristenzahlen und geplanten Neubaugebiete könne man laut Utech nur zu einem Schluss kommen: „Wollen wir die Entwicklung Fehmarns nicht behindern, ist es fünf vor zwölf.“ 

Die Optionen für eine Lösung des steigenden Wasserbedarfes sind begrenzt. Eine Idee hatte bereits auf der Versammlung im Dezember für gemischte Reaktionen gesorgt: der Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage. Unter anderem Utech hatte sich im letzten Jahr auf Helgoland über die dortige Anlage informiert, auch mit einem Anlagebauer Kontakt aufgenommen. Was ist machbar? „Über den Daumen 1000 m3 am Tag“, rechnete Wassermeister Ulrich Prange vor.

Lars Hviid (FVW) konnte der Idee einiges abgewinnen: „Ich denke, das ist eine Option. Wir müssen für Alternativen offen sein.“ Die Grünen-Stadtvertreterin Christiane Stodt-Kirchholtes sah das anders. „Eine derartige Anlage ist weit davon entfernt, eine gute Lösung zu sein.“ Sie zählte Probleme wie Entsorgung, Wasserqualität und Wirtschaftlichkeit auf. Der gewonnene Frischwasserpreis würde sich mit 1,40 Euro pro m3 vermutlich fast verdoppeln.

„Die Idee ist nicht beerdigt, aber zurückgestellt“, sagte Ehlers am Sonntag. Favorisiert werde trotz allem die vertragliche Erhöhung der Fördermenge beim ZVO. „Da sind wir zurzeit noch in Gesprächen.“ Vom Tisch sei hingegen definitiv die Reaktivierung der Brunnen auf Fehmarn. „Probebohrungen haben das deutlich gemacht.“

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