Corona lässt Festakt zur 20-jährigen Partnerschaft zwischen Fehmarn und Neringa platzen

Gastgeschenk muss warten

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Bürgermeister Jörg Weber (l.) und Günther Schröder, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees, bleiben aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr möglicherweise auf ihrem Gastgeschenk für Neringa – die Fehmarnsundbrücke aus Metall – sitzen.

Fehmarn – hö – 20 Jahre Städtepartnerschaft sind etwas Besonderes. Der Austausch zwischen zwei Kulturen will und muss aber permanent gepflegt werden, soll er nachhaltig sein. Zwischen der Stadt Fehmarn und dem litauischen Neringa ist das Band der Freundschaft heute vor zwei Jahrzehnten auf der Kurischen Nehrung vertraglich fixiert und besiegelt worden. Anlass genug für eine große Feier, die die Corona-Pandemie jedoch platzen ließ.

Mit einer 22-köpfigen Delegation, darunter auch Personen der ersten Stunde, wie Ehrenbürgervorsteher Uwe Hardt oder die amtierende Bürgervorsteherin der Stadt Fehmarn, Brigitte Brill, wollten die Fehmaraner heute aufbrechen, um den litauischen Freunden einen fünftägigen Besuch abzustatten. „Am 8. Mai war ein Ball mit offiziellem Festakt geplant, alles war vorbereitet, doch dann kam Corona“, berichtet Günther Schröder, seit September 2016 Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Neringa.

Die Enttäuschung darüber ist bei ihm wie auch bei Bürgermeister Jörg Weber spürbar. Denn auch das repräsentative Gastgeschenk, eine von Jan Inkens aus Metall gefertigte und beleuchtbare Nachbildung der Fehmarnsundbrücke, versehen mit Schriftzügen, die die 20-jährige Freundschaft dokumentieren, war ebenfalls reisefertig und muss nun erst einmal im Rathaus verbleiben. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wann der Besuch aber stattfinden und das Jubiläum gefeiert werden könne, ob noch in diesem oder erst im nächsten Jahr, sei ungewiss, bedauert Günther Schröder.

„Das Gastgeschenk wollen wir aber auf jeden Fall persönlich übergeben“, macht Jörg Weber deutlich, dass er um die Symbolkraft einer direkten Übergabe und die Bedeutung des zwischenmenschlichen Kontakts weiß. Nichtsdestotrotz befinde sich die Partnerschaft zwischen Neringa und Fehmarn in einem guten Zustand, versichert Schröder. Auf litauischer Seite unverkennbar einen weiteren Schub bekommen habe der länderübergreifende Austausch, nachdem Aurelijus Armonavicius vor einem Jahr in Neringa den Vorsitz des Partnerschaftskomitees übernommen habe.

Ein für April auf Fehmarn vorgesehener Besuch Armonavicius‘ sei bedauerlicherweise nicht zustande gekommen, berichtet Schröder. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie hätten es nicht zugelassen. Eine bedürftige Mutter mit ihrem Kind aus Neringa hätte, so Schröder, auf Einladung von Fritz Wellendorf in Wulfen Urlaub machen können – abgesagt. Eine litauische Tanzgruppe war zu einem Besuch der Landfrauen Fehmarn angekündigt – abgesagt. Nun hoffen er und auch Weber, dass diese Begegnungen über Ländergrenzen hinweg zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden können, „denn Freundschaft macht keinen Sinn, wenn sie nicht auch gepflegt wird“, stellt der Bürgermeister fest. Allerdings: Corona ist höhere Gewalt.

Im Lichte dieser 20-jährigen Verbundenheit und gepflegten Freundschaft erinnert Günther Schröder noch einmal an die Anfänge der Städtepartnerschaft, die offiziell mit der Vertragsunterzeichnung am 5. Mai 2000 begann. Von Fehmarn dabei: Burgs damaliger Bürgermeister Klaus Tscheuschner und Bürgervorsteher Uwe Hardt. Zur Delegation gehörten weiterhin die Mitglieder der damaligen Stadtvertretung Brigitte Brill, Ilse Meiske, Erster Stadtrat Bruno Andresen, Walter Frehers und Heinz Habeck. Ebenfalls teilgenommen haben Rechtsanwalt und Notar Uwe B. Meyer sowie Harald Obloch, Rektor der Realschule in Burg auf Fehmarn. Für Neringa waren es Bürgermeister Stasis Mikelis und sein Stellvertreter Vigantas Giedraitis. Bis zur eigentlichen Unterzeichnung des Abkommens war schon ein Zeitraum von etwa drei Jahren vergangen. Erste Kontakte waren laut Schröder zuvor vom deutschen Botschafter in Litauen ausgegangen. Diese verfestigten sich schließlich so weit, dass sich Neringa und die Stadt Burg näher kennenlernen wollten.

Uwe B. Meyer treibende Kraft

Mit der Gründung des Partnerschaftskomitees im Juni 2000 und Uwe B. Meyer an seiner Spitze nahm auf deutscher Seite die freundschaftliche Verbindung beider Städte Fahrt auf. Treibende Kraft war ohne Zweifel Uwe B. Meyer, der im Frühjahr 2007 nach Neringa übersiedelte, hier sein Glück fand und eine Familie gründete. Nicht minder aktiv ging es weiter mit Uwe Hardt, der Meyers Nachfolge im Partnerschaftskomitee antrat und die Verantwortung weitere knapp zehn Jahre später schließlich an Günther Schröder übertrug.

Gemeinsam mit Armonavicius hätten sich nun beide Seiten vorgenommen, mindestens jeweils eine Veranstaltung im Jahr in Neringa sowie auf Fehmarn stattfinden zu lassen, berichtet Schröder. Selbst für 2020 hält er es für nicht ganz ausgeschlossen, dass vielleicht noch im Herbst ein Treffen stattfinden kann. Wenn nicht, wäre auf jeden Fall der 5. Mai 2021 ein gutes Datum, die ausgefallene Jubiläumsfeier nachzuholen – im Gepäck das symbolträchtige Gastgeschenk aus dem Jahr 2020: eine Brücke, die Verbindungen schafft.

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